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Havelland Hunderte strömen zum Diabetes-Tag
Lokales Havelland Hunderte strömen zum Diabetes-Tag
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18:37 11.05.2016
Manfred Kraatz lässt sich von Apotheker Thomas Jaensch einen Blutstropfen abzapfen – zur Bestimmung des Blutzuckerwertes. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Der nördliche Teil des Märkischen Platzes ähnelte am Mittwoch einer Arztpraxis unter freiem Himmel. An verschiedenen Stationen ließen Menschen ihre Gesundheit checken. Blutdruckmanschetten wurden angelegt, Finger angepiekst und Bäuche vermessen. Am Ende stand das Auswertungsgespräch.

Wer schon länger in Rathenow lebt, der konnte das muntere Treiben vor dem Haupteingang des Kulturzentrums gleich zuordnen: Das Aktionsteam „Diabetesvorsorge Havelland“ hatte zum Aktionstag gerufen. Mindestens ein Mal im Jahr baut das Team um Gründerin Erna Miericke seinen Stände auf, um Menschen die Gelegenheit zu geben, ihr Diabetes-Risiko testen zu lassen. Kostenlos und ohne Voranmeldung.

Und das Angebot wird angenommen. Schon bevor es gestern um 9 Uhr losging mit den Tests, hatte sich eine kleine Schlange gebildet. Als das Team gegen Mittag seine Zelte abbaute, hatten sich gut 200 Rathenower der Untersuchung unterzogen.

Teststrecke mit mehreren Stationen

An der ersten Station stand die Vermessung im Vordergrund. Körpergröße, Gewicht und Bauchumfang wurden ermittelt und auf eine Art Laufzettel eingetragen. Damit ging es zur nächsten Station, der Blutdruckmessung. Auch dieser Wert fand seine Niederschlag auf dem Laufzettel. Genau wie der Blutzuckerwert, der am Nebentisch ermittelt wurde. Ein kurzer Pieks in den Finger, den Blutstropfen auf den Messtreifen gelenkt und diesen in das Spezialgerät eingeführt – so einfach geht das heute. Mit dem ausgefüllten Laufzettel landeten die Menschen am Tisch von Erna Miericke.

Die gelernte Krankenschwester warf einen Blick auf die Zahlen, analysierte die Daten und nahm eine Einschätzung vor. „Das sieht doch sehr gut aus bei Ihnen“, hörte man oft. Aber bisweilen wurde Erna Miericke Miene ernst. „Behalten Sie ihren Blutdruck im Auge“, hieß es dann. „Versuchen Sie, ihr Gewicht ein wenig zu reduzieren, bewegen Sie sich mehr.“

Am Schluss der Teststrecke landen alle bei Erna Miericke (re.) Die ehemalige Krankenschwester wertet die Daten aus und gibt Ratschläge. Quelle: Markus Kniebeler

Wie wichtig diese Ratschläge sind, davon kann die rührige Frau aus Bützer ein Lied singen. „Diabetes ist eine tückische Erkrankung“, sagt die gelernte Krankenschwester, die zwar nicht selbst an Diabetes leidet, aber Zeit ihres Lebens mit Zuckerpatienten zu tun hatte. Tückisch sei der Diabetes, weil er keine Schmerzen verursache. Aber wenn die Krankheit irgendwann – oft aus Zufall – diagnostiziert werde, sei es meist zu spät, sie ohne Medikamente in den Griff zu bekommen. Dabei könne jeder mit ein wenig Einsatz das Risiko, an Diabetes zu erkranken, minimieren. Eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung – mit diesen Dingen könne große Wirkung erzielt werden.

Am Ende des Vormittags, der das Aktionsteam mit seinen heftigen Windböen stark gefordert hatte, fiel die erste Bilanz positiv aus. Von den über 200 Getesteten war der überwiegende Teil von einer Diabeteserkrankung weit entfernt. „Ich habe bei den vorherige Aktionstagen nie so wenige besorgniserregende Blutzuckerwerte gemessen wie heute“, sagte der Apotheker Thomas Jaensch aus Rathenow. Zwar sei das kein repräsentatives Ergebnis. Aber erfreulich sei es allemal. „Wir sind kein Ersatz für den Arztbesuch“, stellte Erna Miericke klar. „Eher eine Ergänzung“. Es gehe darum, Menschen mit einem Diabetes-Risiko für die Gefahr der Krankheit zu sensibilisieren. „Wenn uns das gelingt, haben wir unser Ziel erreicht.“

Das Aktionsteam Diabetesvorsorge

Die gelernte Krankenschwester Erna Miericke aus Bützer gründete vor zehn Jahren das Aktionsteam Diabetesvorsorge Havelland. In ihm engagieren sich hiesige Apotheker, Mitarbeiter der AOK, Mitglieder des Diabetikerbundes und die Inhaberin einer podologischen Praxis.

Alle Mitglieder des Akionsteams verrichten ihre Arbeit ehrenamtlich und unentgeltlich.

Seit der Gründung des Teams haben sich an den „Aktionstagen Diabetesvorsorge“ über 4000 Menschen testen lassen. Knapp 300 Personen wurden als Risikopatienten eingestuft. Sie erhielten die Empfehlung, einen Arzt aufzusuchen.

Die Tests erfolgen anonym. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben. Auch kann niemand gezwungen werden, einen Arzt aufzusuchen.

Von Markus Kniebeler

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