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Diabetes-Selbshilfe: Schwester Erna hört auf

Rathenow Diabetes-Selbshilfe: Schwester Erna hört auf

23 Jahre lang hat Erna Miericke aus Bützer die Diabetes-Selbsthilfegruppen im Havelland geleitet – Ende des Jahres ist damit Schluss. Zur Verabschiedung der Frau, die das alles ehrenamtlich tat, fanden sich am Dienstag politische Würdenträger aus Stadt, Kreis und Land ein.

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Erna Miericke am Dienstagnachmittag inmitten der Gratulantenschar.
 

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow.  Wer es wagt, Landrat Roger Lewandowski an den Bauch zu gehen – öffentlich und vor aller Augen – der muss furchtlos sein. So wie Erna Miericke. Wenn es um die Sache geht – und das ist bei der Frau aus Bützer die Diabetesvorsorge – dann schnurren selbst Amts- und Würdenträger zu ganz normalen Risikopersonen zusammen.

Lewandowski hat das vor Jahren am eigenen Leib erfahren, als Erna Miericke ohne Vorwarnung bei ihm Maß nahm, um anhand des Bauchumfangs ein erstes Indiz für dessen Diabetes-Gefährdung zu erhalten. „Alles unter 100 ist beim Taillenumfang okay“, erinnert sich der Landrat, der die Anekdote am Dienstagnachmittag zum Besten gab. Lewandowski war in die Rathenower Begegnungsstätte der Volkssolidarität gekommen, um der ehemaligen Krankenpflegerin, die von vielen Freunden und Bekannten heute noch liebevoll Schwester Erna genannt wird, zu danken.

23 Jahre lang hat die Frau aus Bützer die Diabetes-Selbsthilfegruppen im Havelland geleitet, jetzt ist Schluss. Sechs Gruppe waren es am Anfang, vier zuletzt – mit insgesamt 70 Mitgliedern in Rathenow, Premnitz, Milow und Nauen. Vier Mal im Monat ist Erna Miericke raus, mit Bus und Bahn bei Wind und Wetter, um den Menschen Tipps im alltäglichen Umgang mit einer tückischen Krankheit zu geben.

Sie hat über gesunde Ernährung geredet, sie hat ihre „Patienten“ zu Bewegung animiert, und vor allem hat sie ihnen Mut gemacht. Ihr Credo: Auch als Diabetiker kann man ein lustvolles, erfülltes Leben führen. Man muss vielleicht ein bisschen mehr auf sich achten als andere, aber das ist noch lange kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.

All das hat die Frau aus Bützer, der am Dienstag Politiker aller Couleur Respekt zollten, ehrenamtlich getan. Was Martin Gorholt, seines Zeichens Vertreter des Landes Brandenburg beim Bund, zu Lobesworten animierte, die gemeinhin Popstars vorbehalten sind. „Sie sind eine Institution, ein Mythos, eine Legende“, schwärmte er. Man müsse lange suchen, wolle man einen Menschen finden, der sich auf so uneigennützige Weise für das Gemeinwohl verdient gemacht habe.

Und tatsächlich findet sich momentan niemand, der bereit wäre, in die großen Fußstapfen zu treten, die diese zierliche Frau hinterlassen hat. Die vier Selbsthilfegruppen werden sich zum Jahresende auflösen. „Das ist sehr schade, diese Frau hinterlässt eine Lücke“, sagt Axel Hartwich, der Erna Miericke seit über acht Jahren in der Rathenower Gruppe kennen und schätzen gelernt hat.

Ganz von der Bildfläche verschwinden wird die 78-Jährige allerdings nicht. Im Aktionsteam „Diabetesvorsorge Havelland“, das sie vor elf Jahren gründete, behält sie die Fäden in der Hand. Bei den Aktionstagen, die einmal im Jahr vom Team organisiert werden, geht es vor allem, der Name sagt es, um Vorsorge. Kostenlos können sich Menschen auf das Risiko untersuchen lassen, an Zucker zu erkranken. Über 5300 Personen haben dieses Angebot angenommen – und es werden dank Schwester Ernas Engagement wohl noch ein paar dazu kommen.

 „Ein bisschen was machste ja doch noch“, sagte Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger, als er erfahren hatte, dass Erna Miericke im Aktionsteam weiterwirkt. Gleich, nachdem er den Satz gesagt hatte, korrigierte er sich. „Ein bisschen gibt es bei dir nicht. Wenn du was machst, dann entweder ganz oder gar nicht.“

Selbst der Ministerpräsident war vom Ende der Dienstzeit in Kenntnis gesetzt worden. Zwar konnte Dietmar Woidke am Dienstag nicht persönlich nach Rathenow kommen. Aber immerhin schickte er seinen Büroleiter Manfred Bauer vorbei. Dass das Land den Wert von Erna Mierickes Arbeit schon seit langem zu schätzen weiß, das hatte Staatssekretär Martin Gorholt auf launige Art zu Verstehen gegeben.

Der Ministerpräsident habe vor einigen Jahren zu seiner schärfsten Waffe gegriffen und Erna Miericke mit der höchstmöglichen Auszeichnung versehen – dem Verdienstorden des Landes Brandenburg, sagte er.

Von Markus Kniebeler

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