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Diabetes Typ 1 beim Kind: Auf einmal ist alles anders

Schönwalde-Glien Diabetes Typ 1 beim Kind: Auf einmal ist alles anders

Lievy Hasse aus Schönwalde ist im Sommer an Diabetes erkrankt, dabei ist er gerade einmal drei Jahre alt. Mit einer Insulinpumpe und täglicher Betreuung versucht er, ein ganz normales Leben zu führen. Dazu gehört auch, dass er wieder die Kita besucht.

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Kathrin Hasse mit ihrem Sohn Lievy (3) aus Schönwalde. Lievy ist im Sommer an Diabetes Typ 1 erkrankt.

Quelle: Danilo Hafer

Schönwalde-Glien. Für Kathrin Hasse aus Schönwalde war es wie ein Schock. Mit gerade einmal drei Jahren ist ihr Sohn Lievy im Sommer an Diabetes Typ 1 erkrankt. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass auch Kinder daran erkranken können, auch uns war es nicht bewusst“, sagt sie. Die ersten Anzeichen traten im gemeinsamen Familienurlaub auf. So hatte der Dreijährige ständig Durst und trank viel mehr als sonst. „Irgendwann war er dann total schlapp und wir dachten erst, dass es ein Sonnenstich sein könnte“, erinnert sich Kathrin Hasse. Noch im Urlaub brachten sie ihren Sohn in ein Krankenhaus. Nach etlichen Untersuchungen schließlich die Diagnose: Diabetes Typ 1.

30 000 Kinder von Diabetes Typ 1 betroffen

Diese Form der sogenannten Zuckerkrankheit tritt vor allem im Kindes- und Jugendalter auf und ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die körpereigene Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse angreift und die insulinproduzierenden Zellen zerstört. Es entsteht ein „absoluter Insulinmangel“. Das Hormon Insulin ist für den Transport des mit der Nahrung aufgenommenen Zuckers aus dem Blut in die Muskel- und Fettzellen verantwortlich. Ein absoluter Insulinmangel führt daher zu einem starken Anstieg des Blutzuckers und gleichzeitig zu einer Unterversorgung der Körperzellen. Laut Deutscher Diabetes Hilfe haben in Deutschland rund 300 000 Menschen Diabetes Typ 1, davon mehr als 30 000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren.

Seit der Diagnose Mitte August hat sich das Leben des kleinen Lievy um 180 Grad gedreht. „Er musste zunächst im Krankenhaus bleiben, bis er richtig eingestellt war, dann konnten wir ihn wieder mit nach Hause nehmen“, erklärt Kathrin Hasse. Seither steht die Familie täglich in Kontakt zu den Diabetes-Beratern am Klinikum Westend in Berlin. „Die Ärztin ruft uns jeden Abend an, um die Werte abzustimmen, das ist schon ein enormer Aufwand“, so Hasse. Seine tägliche Insulindosis erhält der Dreijährige über eine sogenannte Insulinpumpe. Diese trägt er in einer Bauchtasche immer mit sich herum. Auf Knopfdruck kann ihm dann eine vorher eingestellte Menge des wichtigen Medikamentes verabreicht werden. Nebenbei bleiben Lievy Hasse dadurch Spritzen erspart.

„Zum Glück hat er sich auch gleich an die Pumpe gewöhnt“, sagt seine Mutter. Der Dreijährige wisse auch ganz genau, was das ist, das da um seinen Bauch hängt. „Hier kommt das Insulin raus“, erzählt er. Damit es zu keinen Komplikationen kommt, steht Lievy Hasse bis zu seinem 18. Lebensjahr ein Diabetes-Berater zur Seite.

Betreuung in der Kita war anfangs ein Problem

Neben den vielen Fragen zur Gesundheit ihres Sohnes fragte sich Kathrin Hasse auch, wie es mit der Betreuung ihres Sohnes weitergeht. Seit Dezember 2014 besucht Lievy die Kita Waldeck in Schönwalde-Dorf. „Wir sind berufstätig und auf einen Kitaplatz angewiesen“, sagt Kathrin Hasse. Trotzdem mussten sie und der Vater des Kindes abwechselnd insgesamt drei Wochen freinehmen, um ihren Sohn selbst zu betreuen und die Insulindosis zu verabreichen. „In Berlin ist es ganz normal, dass auch Kinder mit Diabetes von den Kita-Erziehern versorgt werden“, so Hasse.

In ihrer Not wandte sie sich auch Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU). Dieser sagt auf Nachfrage der MAZ: „Wir haben zunächst geprüft, wie wir mit der Situation umgehen, da in der Kita ja Erzieherinnen arbeiten und keine Krankenschwestern“, sagte er. Auch Haftungsfragen müssten geklärt werden.

Mittlerweile hat sich aber eine Lösung gefunden. Die Erzieher wurden vom Deutschen Roten Kreuz geschult und können nun auch den kleinen Lievy überwachen. Zusätzlich besucht ihn zweimal am Tag ein Pflegedienst. „Die Erzieherinnen sind wirklich sehr engagiert und passen gut auf ihn auf. Wir wünschen uns für die Zukunft aber eine Strategie der Gemeinde, da Lievy sicher nicht das einzige Kind bleiben wird, das mal eine besondere Betreuung benötigt und dessen Eltern Vollzeit arbeiten“, so Kathrin Hasse.

Von Danilo Hafer

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