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Havelland „Die AfD ist nicht fremdenfeindlich“
Lokales Havelland „Die AfD ist nicht fremdenfeindlich“
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16:36 09.03.2016
Kai Berger (AfD) mit seiner Familie, die aus Thailand stammt. Von links Worawut, Saranya, Ehefrau Sairung und Pongsagon. Quelle: privat
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Premnitz

Kai Berger (AfD) ist einer von vier Kandidaten, die am 10. April bei der Premnitzer Bürgermeisterwahl antreten. Bei der Kommunalwahl für die Stadtverordnetenversammlung im Mai 2014 hatte er auf Anhieb mit 558 Stimmen das drittbeste Einzelergebnis erreicht. Mit der MAZ spricht er über Politik, seine Familie und seine Vorstellungen für Premnitz.

Herr Berger, wie kommt es, dass Sie als Mitglied der AfD, die viele Leute für fremdenfeindlich halten, eine Familie haben, die komplett aus Thailand stammt?

Kai Berger: Die AfD ist keineswegs fremdenfeindlich. Schon in unserem ersten Wahlkampf haben wir für Deutschland ein Modell der Migration nach kanadischem Vorbild gefordert. Ich weise in diesem Zusammenhang darauf hin, dass deutlich zu unterscheiden ist zwischen Flüchtlingen und Migranten. Aber das ist doch eher Bundespolitik, in die wir uns hier nicht zu sehr vertiefen sollten.

Wie sind Sie zu Ihrer Familie gekommen?

Berger: Meine Ehefrau Sairung habe ich im Urlaub 2004 in Thailand kennen gelernt. Sie hat auf der Insel Phuket in einem Wellnesshotel als Masseurin für traditionelle Thai-Massage gearbeitet. Drei Jahre lang haben wir eine Fernbeziehung geführt und 2007 geheiratet. Dann ist sie nach Premnitz gezogen.

Ihre Frau hat die Kinder aus Thailand mitgebracht?

Berger: Die beiden Jungs Pongsagon (Gon) und Worawut (Mon) waren damals acht und elf Jahre alt. Sie haben im Dezember 2007 hier in Premnitz das erste Mal Schnee gesehen. Ihre Tochter Saranya ist in Thailand geblieben, weil sie vor dem Abitur stand. Später hat sie auch dort studiert. Sie kommt uns regelmäßig besuchen.

Wie sind Ihre Jungs damals in Premnitz aufgenommen worden?

Berger: Wunderbar. Das Lehrerteam der Grundschule am Dachsberg hat die Integration der Jungs sehr gut hinbekommen. Sie haben von Anfang an beim Mögeliner SC Fußball gespielt und auch dort viele Freunde gefunden. Jetzt besuchen sie die Bürgelschule in Rathenow und werden dort beide das Abitur machen.

Ihre Frau arbeitet in Premnitz als Masseurin.

Berger: Sie hat sich im Februar 2008 mit einer eigenen Massagepraxis selbstständig gemacht, das war eine gute Entscheidung.

Nun zur Politik, warum sind Mitglied der AfD geworden?

Berger: Weil ich mich in anderen Parteien nicht beheimatet fühlen konnte. Ich war im Mai 2013 ein Gründungsmitglied meiner Partei im Land Brandenburg. Meine Gründe dafür waren unter anderem die verfehlte Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung, die katastrophale „Energiewende“, die ausufernde Bürokratie und die unerträgliche Regulierungswut der EU. Neu hinzugekommen sind die Kriegseinsätze der Bundeswehr sowie die Asylproblematik.

Was hat Sie dazu bewogen, jetzt bei der Bürgermeisterwahl anzutreten?

Berger: Mein gutes Ergebnis bei der Kommunalwahl 2014 in Premnitz hat mir gezeigt, dass die Einwohner mir als Person und der AfD als Partei zutrauen, eine Politik zum Wohle der Bürger und der Stadt zu machen. Im täglichen Leben werde ich aufgrund meiner Bekanntheit von Premnitzern angesprochen auf bundespolitische und kommunalpolitische Themen. Würde ich Bürgermeister sein, hätte ich natürlich viel mehr Möglichkeiten, um in Premnitz etwas zu gestalten.

Was würden Sie zuerst verbessern wollen?

Berger: Die Vereine sind ein großer Stützpfeiler der Premnitzer Gemeinschaft. Hier besteht erheblicher Unterstützungsbedarf.

Was meinen Sie konkret?

Berger: Unsere schönen Sportanlagen sind mittlerweile in die Jahre gekommen. Es besteht erheblicher Instandsetzungsbedarf.

Zum Beispiel wo?

Berger: Die Trainingsmöglichkeiten der Leichtathleten des TSV Chemie sind völlig unzureichend. Umkleideräume und Duschen, zum Beispiel in der großen Sporthalle, müssten dringend saniert werden.

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass ein AfD-Mitglied als Bürgermeister Nachteile haben könnte, weil diese Partei von nicht wenigen anderen heftig kritisiert oder gar gemieden wird?

Berger: Ich denke nicht, dass das ein Problem wäre. Für einen Bürgermeister geht es um Sacharbeit, nicht um politische Befindlichkeiten. Der Bürgermeister hat überparteilich zu wirken und keine Parteipolitik zu machen.

Sie sind jetzt gerade drei Jahre in der AfD und haben relativ wenig Erfahrung in der Kommunalpolitik. Könnte das für Sie als Bürgermeister nicht ein Problem sein?

Berger: Niemand wird als Bürgermeister geboren oder hat das als Ausbildungsberuf erlernt. Als Bürgermeister muss man guten Kontakt zu den Bürgern haben, um die Stadt voran zu bringen. Die tägliche Arbeit hat die Verwaltung im Rahmen der Gesetze umzusetzen. Und mit Zahlen und Papier kann ich durchaus umgehen.

Wie stehen Sie zum Bürgerbündnis Havelland, das seit Monaten in Rathenow gegen angeblichen Asylmissbrauch zu Felde zieht?

Berger: Das Bürgerbündnis ist erklärtermaßen parteiunabhängig. Es gibt also keine Verbindungen zur AfD. Ich verstehe aber, dass viele Leute ihre Sorgen auf diese Art öffentlich publik machen, weil sie sich von der aktuellen Politik nicht vertreten fühlen. Veranstaltungen dieser Art sind ein legitimes demokratisches Mittel.

Haben Sie schon an einer Bürgerbündnis-Demo teilgenommen?

Berger: Der AfD-Kreisverband wird diese Demonstrationen nicht unterstützen und wir werden auch nicht daran teilnehmen.

Finden Sie, dass in Premnitz zu viele Flüchtlinge sind?

Berger: Die Flüchtlinge sind vom Landkreis in Premnitz untergebracht worden. Wenn sie sich in die Gemeinschaft integrieren und an Recht und Gesetz halten, ist doch alles in Ordnung.

Wie können sich die Premnitzer über Ihr Gesamtkonzept für die Stadt informieren?

Berger: Es steht alles in meinem Wahlprogramm, das ich auf einem Flyer rechtzeitig vor dem 10. April selbst verteilen werde. Darin finden die Bürger, was mir wichtig ist.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen bei der Bürgermeisterwahl ein?

Berger: Ich denke, dass ich gute Chancen habe. Sonst hätte ich mich nicht zur Wahl gestellt.

Von Bernd Geske

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