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Die Angst vor nassen Kellern ist zurück

Rathenow Die Angst vor nassen Kellern ist zurück

Wegen der ausgiebigen Niederschläge dieses Sommers ist der Grundwasserpegel rund um Rathenow so hoch wie lange nicht. Erinnerungen an den Winter 2010/2011 werden wach, als im Osten der Stadt etliche Keller absoffen. Um dies zu verhindern, fordern Mitglieder der Bürgerinitiative Grundwasser eine intensive Grabenpflege.

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Rolf Ursinus und Uwe Berner (re.) von der BI Grundwasser am Klusgraben.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Der regenreiche Sommer hat den Grundwassepegel in Rathenow um 50 Zentimeter ansteigen lassen. Zwar sind die Keller in den östlichen Stadtteilen noch trocken. Aber wer weiß, wie lange noch? Rolf Ursinus von der Bürgerinitiative Grundwasser warnt, dass sich die Situation schon bald zuspitzen könnte. Ein ganz normaler Herbst und Winter mit durchschnittlichen Niederschlagsmengen werde den Grundwasserspiegel noch mal um 40 Zentimeter steigen lassen. „Und dann saufen in Neufriedrichsdorf die ersten Keller ab.“

Erinnerungen an den Winter 2010/2011 werden wach, als nach drei regenreichen Jahren extrem hohe Grundwasserstände im östlichen Stadtgebiet für katastrophale Zustände sorgte. Nicht nur in Neu-friedrichsdorf und der Waldsiedlung liefen reihenweise Keller voll. Auch in Rathenow-Ost sorgte das Grundwasser für massive Probleme. So standen die Leitungsschächte der Rathenower Wärmeversorgung komplett unter Wasser – der Schaden ging in die Millionen.

Vor diesem Hintergrund bekommen die Mahnungen der Bürgerinitiative, die sich im besagten Winter 2010/11 gründete, zusätzliches Gewicht. Und die Mitstreiter um Rolf Ursinus belassen es nicht bei der Ermahnung. Sie zeigen auch auf, wie das Problem aus ihrer Sicht entschärft werden könnte. „Wir fordern eine sachgerechte Unterhaltung aller Entwässerungsgräben im Umland von Rathenow“, sagt Ursinus. Denn nur, wenn das Oberflächenwasser schnell und konsequent abgeführt werde, könne man den Druck auf den Grundwasserpegel verringern.

Einen Graben haben sie besonders ins Auge gefasst: Den Klusgraben, der vom Rodewaldschen Luch zum Wolzensee führt. Dieser rund 1,5 Kilometer lange Wasserlauf soll Oberflächenwasser aus den feuchten Gebieten zwischen Rathenow und Bamme abführen und so verhindern, dass der Grundwasserpegel steigt. Das Problem: Der Graben wurde seit über 20 Jahren nicht mehr gepflegt. Er ist zugewuchert und stellenweise versandet. „In diesem Zustand ist er völlig nutzlos“, sagt Uwe Berner, der seit Gründung der BI Mitglied derselben ist.

Bei der Stadt Rathenow haben die Mahner der BI mit ihren Forderungen offene Türen eingerannt. „Wir haben einen Antrag beim Kreis gestellt, den Klusgraben in Ordnung bringen zu dürfen“, sagt Rathenows Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Lemle. Zwar habe man die Erlaubnis erhalten, allerdings mit der Auflage, dass der Graben in dem sensiblen Naturgebiet nur mit der Hand gepflegt werden dürfe.

„Das ist illusorisch“, sagt Winfried Rall, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Untere Havel-Brandenburg in Rathenow. Er könne keine Mitarbeiter wochenlang abstellen, um den Klusgraben per Hand in Ordnung zu bringen – eine Arbeit, die maschinell innerhalb weniger Tage erledigt wäre. „Wir sind guter Dinge, dass der Kreis dies einsieht“, sagt Lemle. Deshalb habe man nun den Antrag gestellt, den Klusgraben mit maschineller Hilfe instand zu setzen.

Dass der Klusgraben über zwei Jahrzehnte lang nicht gepflegt wurde, lässt keine Rückschlüsse auf den Zustand der anderen Entwässerungsgräben im Umland von Rathenow zu. Tatsächlich hat sich nach den katastrophalen Zuständen vor sieben Jahren einiges getan – auch, weil die Bürgerinitiative nicht locker gelassen hat. Der Ablauf des Wolzensees über den Körgraben in den Stadtkanal wurde hergerichtet. Der Riesenbruchgraben ist in einem Zustand, dass das Wasser wieder abfließen kann. Und auch der Bahnseitengraben wird seiner Funktion wieder gerecht. „Aber wir dürfen jetzt die Hände nicht in den Schoß legen“, sagt Rolf Ursinus. Die relative Trockenheit der vergangenen Jahre sei nur eine Momentaufnahme. Der jetzige Sommer beweise, dass sich die Situation schnell wieder verschärfen könne. Und deshalb müsse vorausschauend gehandelt werden. Ansonsten werde das Grundwasser wieder zum Problem.

Von Markus Kniebeler

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