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Havelland Die Biker wollen mitreden
Lokales Havelland Die Biker wollen mitreden
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17:00 23.02.2016
Die Biker-Crew aus Falkensee. Sie treffen sich regelmäßig auf dem Skateplatz am Rosentunnel in Falkensee Quelle: Markus Kollberg
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Falkensee

Jugendbeteiligung! Das ist für viele Kommunalpolitiker ein magisches Wort. Sie wittern die Chance auf schöne Fotos, gute Presse und möchten dabei noch etwas für die politische Bildung der Jugendlichen tun.

Über eine lange Zeit war es in Falkensee ähnlich. Immer wieder versuchten Stadtverordnetenversammlung und die Verwaltung ein Jugendparlament zu installieren. Dabei scheiterten sie mehrfach am mangelnden Interesse und Engagement der Jugendlichen. Beim letzten Versuch 2012 fanden sich nicht einmal genug Jugendliche, die bereit waren für das Jugendparlament zu kandidieren. Deswegen scheiterte das Projekt damals, noch bevor die eigentliche Wahl durchgeführt werden konnte. Zu fest und kompliziert erschien denen das Modell des Jugendparlaments mit festen Regeln und Satzungen, an die es sich zu halten gilt.

Seit einem halben Jahr beschreitet man in der Stadt deswegen im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms „Demokratie leben“ einen neuen Weg. Mit Unterstützung der „lokalen Partnerschaft für Demokratie“, einer Institution in der Verantwortliche aus der kommunalen Politik und Verwaltung, Vertreter von Vereinen und bürgerschaftlich Engagierte zusammenkommen, führen die Jugendlichen der Stadt zweimal-jährlich selbst organisierte Jugendforen durch. Dort können sie ihre Anliegen diskutieren, gemeinsam Spaß haben und einen eigenen Jugendsprecherinnenrat wählen. Der Rat hat dann die Aufgabe die Interessen der Jugendlichen vor Ort in Falkensee zu vertreten und ihnen zu helfen, ihre eigenen Projekte zur Stadtentwicklung zu planen und durchzuführen.

Ein ähnliches Konzept gibt es übrigens in der Gemeinde Oberkrämer. Dort gibt es mit „Jofok 23“, der jungen Offensive für Oberkrämer, ebenfalls ein Gremium, das sich um die Jugendbelange kümmert ohne im starren Korsett eines Parlaments zu arbeiten.

Das Angebot in Falkensee nehmen momentan die Jungs der „R.O.B.-Crew“ wahr. Sie sind eine Gruppe von 20 Skatern und BMX-Fahrern, die sich regelmäßig auf dem Skateplatz am Rosentunnel in Falkensee treffen, um gemeinsam über die Rampen zu springen und die neuesten Tricks auszuprobieren.

Videos davon laden sie dann im Internet hoch. Dabei finden sie dort aber alles andere als optimale Bedingungen vor und bemängeln, dass der Platz oft verschmutzt sei und zu selten gereinigt werde. Meist geschehe das nur einmal wöchentlich, im Winter oft noch seltener. Für die leidenschaftlichen Biker macht die Jahreszeit aber keinen Unterschied, sie fahren bei jedem Wetter und brauchen somit auch im Winter einen sauberen Platz.

Glasscherben seien ein besonders großes Problem für die Biker erklärt Marc Scheffler: „Im letzten Jahr hatten wir innerhalb von wenigen Wochen zehn kaputte Fahrradschläuche, weil überall Glasscherben herumlagen.“ Dabei denken die Biker aber nicht nur an sich selbst, sondern auch an jüngere Kinder, die auf dem Platz ihre ersten Sprünge wagen. „Natürlich fallen die Jüngeren auch mal hin, dann sind die Glasscherben doppelt gefährlich. Deswegen brauchen wir dringend eine bessere Reinigung und mehr Mülleimer“, sagt der 15-jährige.

Die Jugendlichen machen vor allem ältere Platzbenutzer, die sich oft am Abend auf den Rampen und an den Sprungschanzen treffen, für die Verschmutzung verantwortlich.

Auch die anderen Wünsche der R.O.B.-Crew zur Veränderung ihres Trainingsplatzes sind sehr bescheiden und durchdacht. Für den heißen Sommer und bei Regen wäre ein Unterstand praktisch. Außerdem hätten sie gerne ein Dixi-Klo in der Nähe des Platzes, damit möglich Konflikte mit Nachbarn und Ordnungsamt vermieden werden können, wenn sich die Skater im Sommer oft den ganzen Tag auf dem Platz aufhalten.

Bei der Realisierung ihrer Wünsche werden sie auch von den Sozialarbeitern und Streetworkern des Vereins Mikado in Falkensee unterstützt. Mit deren Hilfe waren sie im vergangenen Jahr auch bei einer öffentlichen Veranstaltung der Stadtverwaltung, in der Bürger eingeladen, um ihre Anliegen vorzutragen. Das haben auch die Jugendlichen getan, gehört haben sie seitdem nichts von der Stadt. Deswegen wollen sie jetzt gemeinsam mit dem Jugendsprecherinnenrat beim Bürgermeister nachfragen, was aus ihrem Projekt geworden ist.

Vielleicht schafft ja diese neue Form der Jugendbeteiligung damit das, was in den bisherigen Jahren nie gelungen ist: die kleinen und großen Wünsche der Jugendlichen so zu vertreten, dass sie auch in der Kommunalpolitik Gehör finden.

Von Markus Kollberg

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