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Von der Doppelmoral der Gesellschaft

Die „Dreigroschenoper“ im Rathenower Kulturzentrum Von der Doppelmoral der Gesellschaft

Die „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brechts mit der Musik Kurt Weills zählt zu den modernen Theater-Klassikern. Am Samstag kam das Stück im Rathenower Kulturzentrum zur Aufführung. Schnell war klar, dass die Geschichte über Geld und Moral nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.

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Banditenchef Macheath (Thomas Weber) bei den Huren von Soho

Rathenow. Geld regiert die Welt. Dies ist die „Arbeitsgrundlage“ des Londoner Bettlerkönigs Jonathan Peachum (Frank Siebers) und des Verbrecherkönigs Macheath (Thomas Weber). Als Mackeath Peachums Tochter Polly (Linda Lienhard) heiraten will, wird er zum Feind seines ungewollten Schwiegervaters. Jonathan Peachum setzt alles daran, dass Macheath ins Gefängnis kommt. Am Ende wird dieser von den Huren von Soho verraten und kommt schließlich an den Galgen. Die Queen begnadigt Macheath allerdings anlässlich ihrer Krönung.

Am Samstagabend führte das Theater der Altmark Stendal in einer Inszenierung von Sarah Kohrs gemeinsam mit den Brandenburger Symphonikern unter Leitung von Jakob Brenner „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill auf. Unter den rund 200 Gästen im Theatersaal waren auch einige wenige junge Zuschauer. Sie sahen eine überzeugende Aufführung der Schauspieler und Musiker. Die Inszenierung hielt sich an das Original. Und so endete auch diese Vorstellung mit einem Happy End: Macheth wird am Galgen von der Queen begnadigt. „Die Vorstellung war gut gemacht“, lobte Ingrid Rösicke nach der über dreistündigen Inszenierung. Die Rathenowerin hatte „Die Dreigroschenoper“ zuletzt vor vielen Jahren gesehen. Dem konnte ihr Begleiter Reinhard Gundermann nur zustimmen.

Die Handlung hat auch Jahrhunderte nach ihrer Entstehung durch seine Kritik an der Doppelmoral der Gesellschaft nichts eingebüßt. Aktuelle Meldungen über aufgedeckte Skandale machen immer wieder deutlich, dass Geld auch heute noch so einiges ermöglicht.

Der Bettelkönig Jonathan Peachum (Frank Siebers) brachte den Banditenchef Macheath (Thomas Weber) an den Galgen

Der Bettelkönig Jonathan Peachum (Frank Siebers) brachte den Banditenchef Macheath (Thomas Weber) an den Galgen.

Quelle: Uwe Hoffmann wort+bild

Anfang der 1920er Jahre wurde in England John Gays 1728 uraufgeführtes satirisches Singspiel „The beggar’s Opera“ (“Des Bettlers Oper“) mit der Musik von John Christopher Pepusch wiederentdeckt und mit überwältigendem Erfolg aufgeführt. Die Handlung spielt im Bettelmilieu des Londoner Stadtteils Soho. Gay (1685 bis 1732) legte die Rolle des Mr. Peachum an die Figur bekanntesten englischen Verbrecher des 18. Jahrhunderts, Jonathan Wild, an.

Elisabeth Hauptmann, Mitarbeiterin Bertolt Brechts, las davon und übersetzte „The beggar’s Opera“ ins Deutsche. Brecht (1898 bis 1956) diente diese Übersetzung als Grundlage für sein Theaterstück „Die Dreigroschenoper“. Kurt Weill (1900 bis 1950) steuerte die Musik, eine Mischung aus Jazz, Tango, Blues und Jahrmarktsmusik, mit 22 Gesangsnummern – nicht für Opernsänger, sondern singende Schauspieler – hinzu. Schon Gay grenzte sich von der traditionellen italienischen Oper ab. Mit der Uraufführung der „Dreigroschenoper“ mit Harald Paulsen, Peter Lorre und Ernst Busch, unter der Regie von Erich Engel, wurde 1928 die Saison des Berliner Theater am Schiffbauerdamm (Spielort des 1949 durch Brecht und seiner Frau Helene Weigel gegründeten „Berliner Ensemble“) eröffnet. Bereits ab 1929 wird „Die Dreigroschenoper“ an 19 deutschen Theatern aufgeführt. Mit der Übersetzung in 18 Sprachen und insgesamt über 10.000 Aufführungen an europäischen Bühnen wird „Die Dreigroschenoper“ zur erfolgreichsten deutschen Theateraufführung bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten 1933. Gesangstitel wie die „Moritat von Mackie Messer“ wurden Welthits. Bereits im August 1945 wurde das Stück im Berliner Hebbel-Theater wieder aufgeführt. Bertolt Brecht selbst kehrte erst 1948 aus der Emigration seit 1933 nach Berlin zurück.

Von Uwe Hoffmann

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