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Die Gartenstadt in der Gartenstadt

Falkenhöh Die Gartenstadt in der Gartenstadt

Nie wieder zurück nach Berlin – das steht für Michaela Swain fest. Vor rund 20 Jahren ist die Spandauerin in das ehemalige Grenzgebiet gezogen – diesen Schritt hat sie nie bereut. Mitte der 1990er wurde die Gartenstadt Falkenhöh mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet und schon bald soll auch der Mauerweg in neuem Glanz erstrahlen.

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Michaela Swain wohnt seit fast 20 Jahren in Falkenhöh – nach Berlin würde sie nicht mehr ziehen.

Quelle: Laura Sander

Falkensee. Nie wieder zurück nach Berlin – das steht für Michaela Swain ganz besonders dann fest, wenn sie mit Hundedame Ronja durchs grüne Falkenhöh spaziert. Vor rund 20 Jahren ist die Spandauerin in das ehemalige Grenzgebiet gezogen – diesen Schritt hat sie nie bereut. „Das viele Grün, der unverbaute See und viel Auslauf für Ronja – besser geht es nicht. Selbst nachts fühle ich mich hier sicher“, sagt Swain.

Der Mauerweg

Dass Spandau und Falkensee einst getrennt waren, ist heute mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen. Lediglich einige Schilder und Gedenktafeln, sowie ein Teil des Berliner Mauerweges weisen auf die Grenze hin, die in Falkensee ganze vier Tage später fiel, als im Rest der Republik. Da es nämlich zwischen der heutigen Spandauer Straße und der Falkenseer Chaussee keinen Grenzübergang gab, mussten zunächst Mauersegmente abgerissen und die entstandene Lücke mit einer Asphaltdecke versehen werden. Als die Menschen dann endlich am Abend des 13. November den ersten Fuß auf Spandauer Boden setzten, waren ihre Schuhsohlen asphaltverklebt. Aber das störte damals wohl niemanden so recht. Zu Fuß und im Trabant strömten die Falkenseer nach Berlin und wurden auf Spandauer Seite unter großem Jubel mit einem Gläschen Sekt begrüßt.

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Nie wieder zurück nach Berlin – das steht für Michaela Swain fest. Vor rund 20 Jahren ist die Spandauerin in das ehemalige Grenzgebiet gezogen – diesen Schritt hat sie nie bereut. Mitte der 1990er wurde die Gartenstadt Falkenhöh mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet und schon bald soll auch der Mauerweg in neuem Glanz erstrahlen.

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Heute wandeln Geschichtsinteressierte, Ausflügler, Touristen und Fahrradfahrer auf den Spuren des ehemaligen Grenzstreifens. Der Berliner Mauerweg, der in einer 160 Kilometer langen Schleife um das frühere West-Berlin herumführt, ist in Falkensee von Bäumen und Büschen umrahmt und führt vorbei an den Spektewiesen auf Spandauer sowie dem Bürgermeistergarten auf Falkenseer Seite. In regelmäßigen Abständen laden Bänke zum Verweilen ein, die Rinder, die genüsslich auf den Spektewiesen grasen, bieten ein idyllisches Bild. Nachdem der Weg 2006 vollendet worden war, soll er in naher Zukunft erneuert und weiter ausgebaut werden.

Toller Ausblick gute Anbindung

Auch Renate Zach war nach ihrem ersten Spaziergang über den geschichtsträchtigen Streifen hellauf begeistert. „Ich bin mit meinem Mann erst vor einem Jahr nach Falkenhöh gezogen. Ich war erstaunt, wie gepflegt der Mauerweg und überhaupt die Grünanlagen rund um unsere Wohnung sind“, so 76-Jährige, die in einer barrierefreien Wohnungen in der neu errichteten Semmelhaack-Siedlung gegenüber der Rotunde wohnt. „Wir haben damals unser Haus in Bötzow aufgegeben und sind wegen der schönen Wohnung und der guten Verkehrsanbindung nach Falkensee gezogen. Hier haben wir alles was wir brauchen, inklusive eines tollen Ausblicks.“ Auch Einkaufsmöglichkeiten seien ausreichend vorhanden. „Es ist zwar schade, dass Kaisers zugemacht hat. Da Nahkauf seit kurzem aber eine Frischetheke hat, bin ich mit dem Angebot wieder zufrieden“, so Zach.

Lange getrennt: Falkensee und Spandau

1961 wurden mit dem Bau der Mauer alle historisch gewachsenen Verbindungen zwischen Spandau und Falkensee gekappt. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 2200 Falkenseer in Westberlin beschäftigt – vor allem bei Siemens oder den Maschinenbaubetrieben in Spandau.

Straßen und Wege , die über die Grenze führten wurden unpassierbar gemacht, 900 Meter vor der Grenze versperrte eine eiserne Barriere den Weg in den Westen. Im Dezember 1961 gab es den ersten Toten an der Grenze – den TU Studenten Dieter Wohlfahrt.

Am 13. November 1989 fiel die Mauer zwischen den benachbarten Städten und man begann sich wieder anzunähern. Der jährlich stattfindende „Lauf der Sympathie“ symbolisiert das erneute Zusammenwachsen und erinnert an den Fall der Mauer sowie an das erste Zusammentreffen nach jahrzehntelanger Trennung.

Ladenzeile

In der kleinen Ladenzeile der Gartenstadt Falkenhöh gibt es außerdem vom Blumenladen, über eine Apotheke, einen Optiker und ein Schreibwarengeschäft bis hin zum Kleidungsgeschäft alles, was das Herz begehrt. Seit rund vier Wochen können sich die Falkenseer hier sogar auf Schatzsuche begeben. Im An- und Verkaufgeschäft „Goldene Schatztruhe“ bieten Christa-Maria Kempe und Partnerin Sabine Graf gut erhaltene Waren aus zweiter Hand an. Kinderkleidung, Küchengeräte, Deko oder sonstige Einrichtungsgegenstände gehen über die Ladentheke. „Ich habe 40 Jahre lang in der Gastronomie und dem Hotelfach gearbeitet. Zuletzt habe ich das Landhaus Perle an der Falkenseer Chaussee geführt“, so Christa-Maria Kempe. „Jetzt hat mein Sohn das Geschäft übernommen. Die Langeweile bekam mir überhaupt nicht“, lacht die Spandauerin und begutachtet den Schokobrunnen von Wolfgang Berghahn ganz genau, bevor sie ihn in Kommission nimmt. „Hier in der Ladenpassage habe ich große Geschäftsräume und genügend Parkplätze. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, was die Falkenseer gerne kaufen.“

1992 begann der Bau der Herlitz-Siedlung, die sich gleich an die Passage anschließt. Mit der Rotunde als Mittelpunkt war sie bei Mietern schon vor 20 Jahren beliebt. Und auch heute wird kaum Leerstand verzeichnet. Familien mit Kindern und viele ältere Leute haben hier ein Zuhause gefunden. 1996 wurde die Gartenstadt Falkenhöh mit ihren 1450 Wohneinheiten sogar mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet.

Von Laura Sander

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