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Die Gesichter der Buga 2015

Die Zukunft nach der großen Schau Die Gesichter der Buga 2015

Sie arbeiten als Gärtner, Parkwächter, Projektkoordinator und Eisverkäufer während der 177 Tage der Bundesgartenschau in der Havelregion. Doch wie geht es danach für sie weiter? Einige der Männer und Frauen erzählten es der MAZ. Es sind teils verblüffende Geschichten.

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Gästeführerin Inge Richter aus dem Hohen Fläming in Tracht.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg an der Havel. Es ist ein Job für alle auf Zeit, egal ob es der Geschäftsführer des Buga-Zweckverbandes oder der Parkwächter am Wiesenweg ist. Die Bundesgartenschau dauert 177 Tage und die Hälfte dieser Zeit ist schon um. Für Thomas Kaluzny ist jetzt schon klar, was nach der Bundesgartenschau für ihn kommt. „Ich werde mich erst mal wieder beim Arbeitsamt melden“, sagt der 55-jährige gelernte Zimmermann, der seit dem Start der Buga am 18. April den Landungssteg am Salzhofufer auf die Buga-Fähren schiebt und Passagieren beim Aus- und Einsteigen hilft. „Später werde ich dann wieder Winterdienst schieben“, berichtet der Brandenburger.

Landschaftsarchitekt Thorsten Graser ist Projektkoordinator der Bundesgartenschau

Landschaftsarchitekt Thorsten Graser ist Projektkoordinator der Bundesgartenschau.

Quelle: Marion von Imhoff

Wenn Thomas Kaluzny schon längst Schnee räumt, ist Thorsten Graser immer noch mit der Buga beschäftigt. Der studierte Landschaftsarchitekt aus dem Rheinland hat ein sehr viel länger bindendes Arbeitsverhältnis. Bereits seit 2013 arbeitet der heute 42-Jährige für das Gelingen der Großveranstaltung als Projektkoordinator. Im Wechsel mit Kollegen ist er zudem Chef vom Dienst für den Buga-Standort Brandenburg. Thorsten Graser ist also derjenige, der kommt, wenn es irgendwo im täglichen Ablauf knirscht. Bei drohendem Unwetter ist er im übrigen jener, der die Anweisung gibt: „Gelände räumen.“ Doch an diesem Tag scheint die Sonne von einem heiteren Juli-Himmel herab.

Macher und Menschen

Fast 1000 Männer und Frauen wirken auf und für die Bundesgartenschau, Akademiker wie Arbeiter. Viele von ihnen haben Zeitverträge genau für die Phase der Bundesgartenschau.

Allein 65 Männer und Frauen arbeiten für den Buga-Zweckverband. Weitere 890 Menschen sind bei Dienstleistungsfirmen angestellt. Es arbeiten als Kassenwarte, Kartenkontrolleure, für Sicherheits-, Reinigung- und Pfegefirmen. Andere sind mit dem Souvenirverkauf beschäftigt, weitere verkaufen an den Eisständen.

In der Hand hält Thorsten Graser zwei kleine Holzsägen, weil er einen der 33 Themengärten am Packhof mit roten Hölzern neue Farbtupfer verschaffen möchte. Nach der Bundesgartenschau wird der mit einer Rathenowerin verheiratete gebürtige Ratinger als Selbstständiger in sein Büro für Landschaftsarchitektur in Milow zurückkehren und dort für eine weitere Gartenschau in den Startlöchern sitzen. „Im Auge habe ich die Landesgartenschau 2018 in Burg. Gartenschauen zu gestalten – das ist einfach ein toller Job.“ Der offenbar süchtig macht nach mehr. Bis es soweit sein wird, muss Graser noch für den Buga-Standort Brandenburg helfen, „den Rückbau zu organisieren mit der Flächenübergabe an die Stadt. Damit werde ich mindestens bis Ende Dezember, aber wohl bis März beschäftigt sein.“

Das Taschengeld aufbessern

Die Gymnasiastin Annika Finning  verkauft am Packhof-Park  Eis

Die Gymnasiastin Annika Finning verkauft am Packhof-Park Eis.

Quelle: Marion von Imhoff

Annika Finning wird ab Oktober wieder ausschließlich die Schulbank im Bertolt-Brecht-Gymnasium in Brandenburg drücken. Derzeit drückt sie den Besuchern der Blumenschau am Packhof gegen Bares Eiswaffeln in die Hände. Eisverkäuferin – ganz in Rot wie die kleinen Buden - so bessert die Schülerin, die später Pädagogik studieren möchte, ihr Taschengeld auf.

Während die 16-Jährige auf Eishungrige wartet, wartet Alfred Simon auf Besucher des Mittagsgottesdienstes an der Arche. Der frühere Ingenieur engagiert sich ehrenamtlich für seine Katholische Kirchengemeinde in Brandenburg und arbeitet zwei Tage die Woche auf der Bundesgartenschau. Er ist das freundliche Gesicht am Eingang zum Kirchenschiff, das nur wenige Meter von der Havel entfernt ein Ort der christlichen Einkehr und Besinnung ist. „Präsensdienst mache ich hier. Nach der Buga bin ich wieder ausschließlich Rentner“, sagt der 63-Jährige über seine Zukunft.

Unkrautjäten ab morgens 5 Uhr

Aus Rostock kommt Birgit Malzahn. Die 44-Jährige ist für die Buga als Gärtnerin angeheuert worden. Morgens um 5 Uhr fängt sie am zwölf Hektar großen Parkgelände Marienberg an, Unkraut zu zupfen und Beete zu wässern. Um 14 Uhr hat sie Feierabend. In den neun Stunden dazwischen abzüglich ihrer Pausen flanieren Buga-Gäste aus ganz Deutschland an Birgit Malzahn und ihren Kollegen vorbei, bestaunen Rosen, Gräser und Co. Birgit Mahlzahn sieht nur noch das Unkraut dazwischen. Doch wo sie war, wächst kein Halm mehr, der dort nicht auch hingehört. „Was ich nach der Buga mache?“, fragt sie sich laut selbst. „Was anderes! Was, das weiß ich auch noch nicht.“

Bugabimmelbahn-Fahrer Rico Lehmann ist im normalen Leben Busfahrer. Der kräftig gebaute 44-jährige Mann, der seinen Passagieren so behutsam in die Bimmelbahn-Waggons hilft, meldet sich nach dem 18. Oktober beim Arbeitsamt wieder arbeitslos. Und hofft, dass sie 177 Tage Buga-Einsatz seinen Lebenslauf für künftige Arbeitgeber attraktiv macht.

Parkwächter Norbert Röhr

Parkwächter Norbert Röhr.

Quelle: Marion von Imhoff

Parkwächter Norbert Röhr hält auch an kühlen Regentagen seine Position am Parkplatz Wiesenweg. Angestellt ist er bei einer Firma Komparking, jedoch nur – wie viele Servicekräfte und das Kassen- und Einlasspersonal – für jene Monate zwischen April und Oktober. Danach wird auch der 53-Jährige wieder Klinken putzen nach einem neuen Job.

6.30 Uhr Arbeitsbeginn, 19 Uhr Feierabend

Anders geht es dem Tiefbauer David Lüttich aus Weimar. Er ist bei der Garten- und Landschaftsbau GmbH Fichtner aus Magdala in Thüringen fest angestellt. „Ich bin hier auf Montage.“ Auch David Lüttich zupft Unkraut, schneidet welke Blüten ab, wässert Blumen und Gras und mäht Rasen. Morgens um 6.30 beginnt seine Arbeit, um 19 Uhr ist Feierabend. So früh fängt er an mit seinen Kollegen an, „damit wir nicht erst Rasen mähen, wenn die Gäste da sind.

David Lüttich inmitten eines Beetes am Packhof-Park der Bundesgartenschau

David Lüttich inmitten eines Beetes am Packhof-Park der Bundesgartenschau.

Quelle: Marion von Imhoff

Das wäre für sie zu laut.“ Schließt sich am 18. Oktober hinter dem letzten Buga-Gast das Tor, wartet ein Flachdach in Köln auf David Lüttich, das er dann begrünen muss. Doch bis dahin gibt es noch zwölf Freitage, an denen der 26-Jährige jeweils für ein Wochenende nach Hause fahren wird.

Nur einen Tag Buga hin und zurück hat Inge Richter absolviert. Die Gäste-, Natur- und Kulturführerin aus dem Hohen Fläming fütterte am Pavillon von Potsdam-Mittelmark Besucher mit Informationen über Bad Belzig und die Burgen und Schlösser der Region an. Die gelernte Landwirtin ist längst Rentnerin, aber im Nebenerwerb Expertin für alle Touristenfragen. In der Tracht der Flamen, die vor fast 900 Jahren in den heutigen Fläming kamen, repräsentiert sie einen Teil des Brandenburger Umlands, der ebenfalls Touristenströme anlockt. Buga-Job für einen Tag, auch das gibt es also.

 

Von Marion von Imhoff

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