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Die Hamburger Straße ist ein Grauen

Nauen Die Hamburger Straße ist ein Grauen

Einmal im Jahr nimmt der Behindertenverband Osthavelland Nauener Straßen in puncto Barrierefreiheit unter die Lupe. Auch dieses Mal die Mitglieder in der Hamburger Straße und dem Lessingweg wieder etliche Gefahrenstellen gefunden.

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Für die Rollstuhlfahrer Monika Leppien (l.) und Winfried Zeiske ist der Lessingweg in Nauen kein einfaches Pflaster.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Nauen. Die Hamburger Straße in Nauen ist Monika Leppien schon lange ein Dorn im Auge. Auf dem Gehweg, der eher einer Holperpiste gleicht, kommt sie mit ihrem Elektrorollstuhl nur schleppend voran. „Manchmal fahre ich auch einfach auf der Straße, weil ich von dem Gestucker auf dem Gehweg irgendwann Rückenschmerzen bekomme“, erklärt sie. Dabei sei sie mit ihrem Rollstuhl noch besser dran, als etwa Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, diese kommen auf dem Gehweg noch schlechter vorwärts. Daher hat sie die Hamburger Straße in diesem Jahr auch als Startpunkt für die Ortsbegehung des Behinderteverbandes Osthavelland ausgewählt. Los ging es ander der Haltestelle Fontanestraße. Dort gab es auch schon das erste Problem.

„Uns fehlt hier ganz klar ein sicherer Übergang zur anderen Straßenseite, bei diesem Verkehr ist es nicht einfach die Seite zu wechseln“, sagt Bodo Jannasch, Vorsitzender des Behinderverbandes. Für ihn sei die Hamburger Straße ein regelrechtes Grauen. Ein paar Meter weiter geht es gleich weiter. Ein eckiger Gullideckel steht viel zu hoch über den Gehweg hinaus, zudem fehlen rings herum Gehwegplatten. „Eine perfekte Stolperfalle“, so Jannsch. Hier müsse schnell etwas getan werden. „Vor allem für Sehbehinderte ist das eine gefährliche Stelle, es würde ja schon reichen, wenn man das erst einmal provisorisch behebt, mit Sand oder alten Gehwegplatten“, erklärt Manuela Klein-Kauk vom Blinden- und Sehbehinderverband.

Hier scheint eine schnelle Lösung tatsächlich in Sicht. „Ich habe mir alles notiert und werde schnelle Maßnahmen anleiten, damit wir das Problem beheben“, sagt Christoph Atymiak, Sachgebietsleiter Grün- und Verkehrsflächen der Stadt Nauen. Auch für die gesamte Hamburger Straße gebe es bereits Planungen für einen grundständigen Ausbau. „Wenn die Bauarbeiten umgesetzt werden, werden auch alle Probleme, die wir heute feststellen, behoben sein“, so Atymiak. Bei einem Ausbau der Straße würden dann etwa Blindenleitsysteme an den Bushaltestellen eingerichtet. Wann die Hamburger Straße aber erneuert wird, stehe noch nicht fest.

Eine weitere Holperpiste ist der Lessingweg. Hier gibt es keine Gehwege und die Straße besteht nur aus zwei Reihen Betonplatten. Die Ränder sind durch Regen und Autos ausgefahren. „Jetzt kommt man noch relativ gut durch, aber wenn es regnet, wird es hier so matschig, da kommt man wirklich in Schwierigkeiten“, erklärt Monika Leppien. Die Rollstuhlfahrerin ist Mitglied des Vorstandes des Behindertverbandes und sucht jedes Jahr die Straßen für die Ortsbegehung aus. „Ich kenne fast jede Ecke in der Stadt“, sagt sie. Dabei suche sie sich aber nicht nur Straßen aus, auf denen sie selbst häufig unterwegs ist. Den Lessingweg befahre sie zum Beispiel nur sehr selten. „Uns geht es darum, dass die Menschen, die hier wohnen, gute Bedingungen vorfinden, die werden ja auch irgendwann älter“, sagt sie.

Dass es in Nebenstraßen wie dem Lessingweg nicht immer so leicht ist, alle Wünsche des Verbandes umzusetzen, weiß Christoph Atymiak nur zu genau. „Bei Anliegerstraßen ist es ja eine Kostenfrage. Wenn die Anwohner mit der Straße zufrieden sind, können wir nichts machen“, erklärt der Sachgebietsleiter.

Dabei ist in den vergangenen Jahren schon viel getan worden für eine barrierefreie Stadt. „Es gibt jetzt einen Fahrstuhl im Rathaus und einen im Familien- und Generationenzentrum, das ist wirklich toll“, betont Bodo Jannasch. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Nauen sei aus seiner Sicht sehr gut. „Wir werden immer angehört, wenn es um neue Bauvorhaben geht und können anmerken was uns wichtig ist“, so Jannasch.

Begleitet wurde die jüngste Ortsbegehung auch von Christina Höffler, Sozialplanerin der Kreisverwaltung Havelland. „Ich arbeite den Pflegebedarfsplan für den Kreis aus und schaue mir mehrere Orte im Havelland an“, erzählt sie. Ihr Augenmerk liegt dabei vor allem auf der Barrierefreiheit öffentlicher Grün- und Spielflächen aber auch anderen öffentlich zugänglichen Orten, wie etwa städtischen Einrichtungen oder Geschäften. „Ich war auch schon in Stölln und Rathenow, die Probleme sind überall die Gleichen“, sagt sie.

Am Schluss der Begehung haben die Teilnehmer noch Schulnoten vergeben. Ergebnis für die Hamburger Straße: Noten zwischen 4 und 6.

Von Danilo Hafer

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