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Die Henniges feiern Gnadenhochzeit

Premnitz Die Henniges feiern Gnadenhochzeit

Käte und Heinz Henniges feiern am Mittwoch in Premnitz ein sehr seltenes Jubiläum. Sie haben ihre Gnadenhochzeit, die nur begehen darf, wer 70 Jahre miteinander verheiratet ist. Sie, heute 89, und er, bald 93, sind einst als Telefonistin und Elektriker tätig gewesen. 1947 bei der Tanzstunde hat es zwischen den beiden gefunkt.

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Käte und Heinz Henniges feiern am Mittwoch in Premnitz ihre Gnadenhochzeit.

Quelle: Bernd Geske

Premnitz. Ein sehr seltenes Jubiläum können Käte und Heinz Henniges in Premnitz feiern. Für sie ist am Mittwoch ihre Gnadenhochzeit angesagt, die man erst nach 70 Ehejahren begehen darf. Sie, die 89 Jahre ist, und er, der bald 93 wird, können das Ereignis mit ihrem Alter angemessen guter Gesundheit angehen. Das erkennt man auch daran, dass sie bei entsprechenden Pausen in der Lage sind, die Festlichkeit in drei Akten über die Bühne zu bringen. Das betreute Wohnen im altersgerechten Block der Premnitzer Wohnungsbaugesellschaft, Im Winkel 2, bietet ihnen das richtige Umfeld dafür.

Zuerst geben sie um 11 Uhr im Gemeinschaftsraum einen kleinen Empfang. Der Bürgermeister, eine Abgesandte des Landrates und Vertreter des Vermieters haben ihr Erscheinen zugesagt. Ärzte, Pflegekräfte und weitere Gäste werden dabei sein. Um 15 Uhr folgt an gleicher Stelle noch ein zweiter kleiner Empfang. Die große Familienfeier findet erst am Sonnabend im Gasthof Milow statt.

Schwere Zeiten, als Käte und Heinz am 27. September 1947 heirateten

Es waren schwere Zeiten, als Käte und Heinz am 27. September 1947 in ihrer damaligen Heimatstadt Haldensleben (Sachsen-Anhalt) geheiratet haben. Er, Betriebselektriker bei der Brawag gelernt, war 1942 mit 18 Jahren als Soldat eingezogen worden. Zwei Jahre Krieg in Russland, 1944 zur Invasion nach Frankreich versetzt, in der Eifel verschüttet nach Tieffliegerbeschuss und zum Kriegsende in Holland interniert. Sie wohnte mit Mutter, Oma und kleiner Schwester zusammen und war die einzige, die in der Familie damals Geld verdiente. Ihr Vater war als Soldat im Osten vermisst und kam nie zurück. Nach ihrem Pflichtjahr auf einem Bauernhof hatte sie eine kaufmännische Ausbildung gemacht und mit 16 Jahren bei der Post im Fernmeldeamt angefangen. Wie man es in alten Filmen sehen kann, hat sie unter anderem als Fräulein vom Amt die Telefonverbindungen gestöpselt.

Die beiden schienen für einander geschaffen zu sein. „Schon als Kind habe ich davon geträumt, einmal einen Mann mit dunklen Augen zu haben“, weiß Käte noch ganz genau. Und Heinz berichtet: „Sie war ein hübsches Mädchen – mit einer Bombenfigur. Und kochen konnte sie auch!“ Es muss in der Tanzstunde gewesen sein, als es zwischen dem Elektriker und dem Fräulein vom Amt das erste Mal so richtig funkte. Sie war unten im Saal und suchte einen Tanzpartner. Er wollte erst nicht und schaute von der Galerie oben zu. Dann aber habe er sich doch noch angemeldet, erzählt Käte verträumt. Sie hätten beide getanzt: „Es war wunderschön!“ Auch heute noch tanzen sie immer wieder gern. Nach einer Unterschenkelamputation vor ein paar Jahren fällt das Heinz Henniges zwar nicht mehr so leicht wie einst, aber verzichten will er auf diese altvertraute Zweisamkeit keinesfalls.

Die Operation war der Grund, warum Käte und Heinz Henniges nach Premnitz gekommen sind. Ihr Sohn Bernd Henniges (66), lange Geschäftsführer der Premnitzer Stadtwerke und nun Rentner, hat sie 2014 aus Haldensleben zu sich geholt, um sich um seine Eltern kümmern zu können. Eine Pflegekraft kommt bei ihnen in der Wohnung regelmäßig vorbei und nach Bedarf nehmen sie auch andere Dienstleistungen des betreuten Wohnens an. Aber viele Dinge des täglichen Lebens erledigen sie allein. Noch immer kaufen sie selber ein. Schwere Sachen wie Getränke bringt ihnen zwar der Sohn, doch die vielen kleinen Dinge suchen sie in den Geschäften noch immer selber aus. Mit ihren beiden Rollatoren machen sie sich zum Premnitzer Zentrum auf den Weg. In den Körben ihrer Gehhilfen können sie die Einkäufe gut verstauen und auf deren Sitzflächen können sie sich unterwegs ausruhen.

Besondere Hochzeitstage

Hochzeitstage, also die Jahrestage der Eheschließung, sind im deutschen Sprachraum zum Teil mit besonderen Bezeichnungen verbunden.

Bereits aus dem 19. Jahrhundert sind die Silberhochzeit (25 Jahre), die Goldene Hochzeit (50 Jahre) und die Diamantene Hochzeit (60 Jahre) bekannt.

Eiserne Hochzeit kann nach 65 Jahren Ehe gefeiert werden.

Die Gnadenhochzeit wird nach 70 Jahren festlich begangen.

Nach 75 Jahren Ehe würde es die Kronjuwelenhochzeit geben und nach 80 Jahren die Eichenhochzeit.

Gern gefeiert wird von jüngeren Paaren die Rosenhochzeit nach 10 Jahren.

Käte und Heinz Henniges gehen zu Konzerten der „Stunde der Musik“ in Premnitz, besuchen musikalische Veranstaltungen im Kulturzentrum Rathenow und sind regelmäßig dabei, wenn es bei der Awo im Kulturhaus Liebigstraße Tanznachmittage gibt. „Wir brauchen die Abwechslung“, teilt Käte mit. Das große Interesse an Kunst und Kultur liegt wohl darin begründet, dass ihr Mann Heinz jahrzehntelang im Raum Magdeburg für die Konzert- und Gastspieldirektion Veranstaltungen organisierte.

Am Sonnabend wird das Jubiläum mit Familie im Gasthof Milow gefeiert. Unter anderem werden die vier Enkel und vier Urenkel erwartet. Dass sie den Tanz eröffnen werden, steht für Käte und Heinz Henniges schon lange fest. Die Musik nehmen sie von der neusten CD des Schlagerduos Judith und Mel. Das Lied heißt: „Ein Leben lang lieben.“

Von Bernd Geske

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