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Die Jugend dirigiert bald in Rathenow

Rathenower Cello-Talent Die Jugend dirigiert bald in Rathenow

Der 19-jährige Simon Klaus aus Rathenow (Havelland) ist das jüngste Mitglied der Jungen Philharmonie Berlin. Als einziger Schüler unter hochtalentierten Studenten aus aller Welt hat er in dem Orchester seinen Platz gefunden. Nun soll auch Simons Heimat von seinem Erfolg profitieren.

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Simon Klaus, Abiturient aus Rathenow, darf in der Jungen Philharmonie Berlin spielen.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. Simon Klaus hat Freunde, die in den größten Konzerthäusern der Welt spielen. Sie kommen aus allen Teilen der Welt, studieren in Berlin und spielen mit ihm in der Jungen Philharmonie Berlin. Das Orchester vereint die besten Musikstudenten der renommierten Hochschulen „Hanns Eisler“ und Universität der Künste und mitten drin ein junger Mann aus dem Havelland, der kurz vor dem Abitur steht.

Seit mehr als zehn Jahren ist Simon Klaus Musikschüler an der Rathenower Musikschule. Hier hat er dem Cello, das Instrument, dass „der menschlichen Stimme am nächsten kommt“, wie er sagt, die ersten Töne entlockt. Dass das Cello zu seinem Instrument wurde, habe er auch seiner ersten Lehrerin zu verdanken. „Sie war so toll“, schwärmt der 19-Jährige.

Professor fördert den jungen Musiker

Seit zwei Jahren fährt Simon einmal im Monat nach Berlin, wo er zusätzlich von Professor Josef Schwab unterrichtet wird. Jelena Kuprikow, Cello-Lehrerin in Rathenow, vermittelte den Kontakt. Der Professor, der auf der ganzen Welt konzertiert hat und längst den Ruhestand genießen könnte, erkannte, dass ein Talent vor ihm saß und nahm Simon unter seine Fittiche. Mal üben die beiden in der Musikhochschule, mal in der Wohnung des Professors. Im letzten Jahr bekam Simon dann Dank Schwab eine Einladung zur Junge Philharmonie. Eine besondere Ehre, denn anders als beispielsweise bei der Jungen Philharmonie Brandenburg gibt es hier keine Vorspiele. Man kann sich nicht bewerben. Nur wer eine Einladung bekommt, ist dabei.

Junge Philharmonie

Die junge Philharmonie Berlin wurde im 2013 von Marcus Merkel gegründet.

Merkel, der auch Korrepetitor und Dirigent der Oper in Graz ist, stellte das Orchester für eine große Oratorienuraufführung in der Gethsemanekirche Berlin Prenzlauer Berg zusammen.

Die Junge Philharmonie besteht aus Musikstudenten sowie jungen und sogar erfahrenen Profis, die zusammen begeistert und frisch musizieren.

Mit seinen 19 Jahren ist Simon der Jüngste im Orchester. „Ich wurde aber ganz toll aufgenommen“, erzählt er. Zwischen Musikern aus Israel, Polen, Japan, Frankreich und Russland fühlt sich Simon wohl und er ist sehr dankbar, dass er diese Möglichkeit bekommen hat. Sein großer Wunsch ist es, die Junge Philharmonie Berlin für einen Auftritt in seine Heimatstadt zu holen. Und er hat auch schon eine konkrete Vorstellung: Kinder und Jugendliche aus Rathenow sollen das Orchester dirigieren.

Durch Musik begreifen, was man bewirken kann

Eine Schnapsidee, könnte man denken. Wie soll das funktionieren?, werden einige fragen. Die Antwort liefert das Projekt „Jugend dirigiert“. Dessen Initiator, der Musikwissenschaftler Dr. Alexander Saier, gibt völlig unerfahrenen jungen Menschen einen Taktstock in die Hand und zeigt ihnen nicht nur wie sie ein ganzes Orchester führen können, ohne eine einzige Note zu kennen. Saier lässt die jungen Dirigenten durch Musik begreifen, dass sie etwas bewirken können.

Schüler der Bürgelschule durften bereits erfahren, dass dieses Konzept aufgeht. Simon, Schülersprecher der Schule, hatte Saier nach Rathenow geholt. Nun wollen rund 30 Mädchen und Jungen mitmachen und das Orchester dirigieren. Auch am Jahngymnasium sind Workshops geplant. Ziel ist es, dass Rathenower Schüler ein Konzert der Jungen Philharmonie, das noch in diesem Jahr stattfinden soll, in ihrer Stadt dirigieren.

Für Simon wird es wohl der letzte Auftritt mit dem Orchester sein. Im Oktober geht er nach Lörach in Baden-Württemberg, um Gesundheitsmanagement zu studieren. Mit der Musikwelt will er zwar weiterhin verbunden bleiben, seinen Platz im Orchester räumt er aber. „Es wird schwer, das hohe Niveau während des Studiums zu halten und ich möchte niemanden den Platz wegnehmen.“

Von Christin Schmidt

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