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Die Jugend haut mächtig auf die Pauke

Serie: „MAZ zu Hause in Markee“ Die Jugend haut mächtig auf die Pauke

In unserer Serie „MAZ zu Hause in...“ sind wir diesmal in Markee. Das mehr als 800 Jahre alte Dorf hat gleich zwei Kirchen – eine in Markee und eine in Markau. Seit drei Jahren kümmert sich der Bürgerverein zusammen mit den anderen Vereinen des Ortes um das Dorfleben. So hat er unter anderem das Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.

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Beim Musikprojekt wird die Jugend von Patrick Thons, Sandra Bluhm (3.v.r.) und Nadine Croux (5. v. r.) angeleitet.

Quelle: Andreas Kaatz

Markee. Immer wieder freitags wird es laut im Dorfgemeinschaftshaus. Dann üben Kinder und Jugendliche auf dem Schlagzeug oder versuchen sich auf kleinen Trommeln. „Ich finde das toll“, meint die zwölfjährige Fabienne. Seit Mai ist sie beim „Musikprojekt Markee“ mit dabei, hat sich sofort fürs Schlagzeug interessiert. Aber unter anderem auch Lea (14) und Vanessa (13) kommen regelmäßig dort hin, ebenso wie Lisa (11), die schon seit mehreren Jahren Gitarre spielt.

„Wir bringen den Kindern erst einmal die Grundformeln des Schlagzeugs bei, üben mit ihnen einfache Beats und Lieder“, sagt Patrick Thoms. Der 27-jährige Markeer ist selbst Drummer bei der Band „Pusteblumenzecken“. Er hat Freude an dem Projekt, das seit Ende 2015 läuft. Die Idee dazu wurde in einer Versammlung des Bürgervereins geboren. Danach ging an die Stadt Nauen ein Antrag auf finanzielle Unterstützung, von dem Geld wurden unter anderem Trommeln gekauft. Eine Familie steuerte das Schlagzeug bei. Beim Jubiläum des Fußballvereins konnten die Kinder bereits ihr Können unter Beweis stellen. Jetzt wollen sie bei der Nauener Meile auftreten.

Beim Projekt geht es aber noch um mehr. „Wir wollten ein Angebot für Jugendliche schaffen, um den Jugendclub wiederzubeleben“, sagt Sandra Bluhm, die sich beim Projekt mit engagiert. Sie bedauert jedoch, „dass die Jungs im Moment noch zurückhaltend sind“.

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In unserer Serie „MAZ zu Hause in...“ sind wir diesmal in Markee. Das mehr als 800 Jahre alte Dorf hat gleich zwei Kirchen – eine in Markee und eine in Markau. Seit drei Jahren kümmert sich der Bürgerverein zusammen mit den anderen Vereinen des Ortes um das Dorfleben. So hat er unter anderem das Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.

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Markee – mit 884 Einwohner derzeit der bevölkerungsreichste Ortsteil von Nauen – ist offenbar eine gute Adresse für junge Familien. In der Vergangenheit haben viele in den Wohngebieten Am Gutspark und am Dorfschulzenweg gebaut. So wie Kathleen Motzek. Die 35-Jährige ist in Nauen geboren, hat immer die Ferien bei ihren Großeltern in Markee und in Röthehof verbracht. „In unserer Straße wohnen sehr viele Kinder“, sagt sie. Vor acht Jahren zog die Familie von Nauen nach Markee.

Der Ort selber bestand früher aus zwei eigenständigen Dörfern – Markee und Markau. Nachdem ersterer 1928 eigenständig geworden war, stellte Markau im November des gleichen Jahres den Antrag auf Zusammenlegung beider Orte, was die Markeer aber ablehnten. Am 1. Juli 1950 schließlich wurde Markau zu Markee eingemeindet. Davor, aber auch noch eine Weile danach spielte die Schmalspurbahn eine Rolle für Markee. Sie führte mitten durch den Ort. Im früheren Bahnhaus an der Hauptstraße lebt seit jeher Rainer Schubert. Sein Vater war einst Fahrdienstleiter in Neugarten. 1966 wurde die Kleinbahnlinie vor Schuberts Haustür stillgelegt. Als das Wohnhaus 2002/03 saniert wurde, zog er vorübergehend ins einstige Gutshaus Markau, in dem zu DDR-Zeiten der Kindergarten und Wohnungen waren. Mittlerweile ist das Gutshaus aber abgerissen. „Ich fühle mich in Markee sauwohl, möchte mit keinem tauschen.“ Dort hat Rainer Schubert die Kindheit verbracht, ging später zur Disko in den „Grünen Baum“.

Das Lokal steht jetzt leer, wurde nur bis Anfang der 90er-Jahre betrieben. Ein paar Jahre später zog dann doch noch mal Leben ein in das Haus, als aus Markee kurzzeitig Bandelwitz wurde, ein Mord geschah und der Engel aus der Markeer Kirche verschwand. Im Dorf wurde der Polizeiruf „Alte Freunde“ gedreht. Einer, der mit dabei war, war Horst Gollnow. Der heute 80-Jährige saß an einem Tisch und sorgte mit für eine geräuschvolle Kneipenatmosphäre. „Wir brauchten nicht viel machen. Das Bier, das wir bekamen, war aber richtiges Bier“, meinte er. Anschließend gab es ein paar Mark, die er sich im Gemeindebüro abholen konnte. Vor ein paar Wochen wurde der Film in der Markeer Kirche gezeigt. Die Zuschauer erkannten in einigen Szenen ihren Ort wieder.

1983 kam Steffen Schindler nach Markee. Wenn der 72-Jährige heute vom „Grünen Baum“ spricht, dann spricht er vom „größten Schandfleck“. Im Gegensatz dazu lobt er, was aus dem ehemaligen Gut Neuhof geworden ist. „Gehen Sie da mal heute hoch. Da können Sie sich die Finger lecken, was die Fazenda daraus gemacht hat“, sagt er zu dem Objekt, in dem drogenabhängige Jugendliche eine neue Perspektive erhalten. Schindlers Worte kann auch Ralph Bluhm bestätigen, der Ortsvorsteher. „Wir haben gute Kontakte zur Fazenda und darüber hinaus auch eine gute Kooperation mit der Havellandschule“, meinte er. Bluhm engagiert sich auch im 2013 gegründeten Bürgerverein Markee. Als er im Jahr 2000 nach Markee kam, gab es noch einen Frisör und einen Tante-Emma-Laden. Damit ist es seit einiger Zeit vorbei. „Wir müssen zusehen, dass wir nicht zum Schlafdorf werden“, sagt er. Und so will der Bürgerverein dafür sorgen, dass immer etwas los ist im Dorf – zusammen mit den anderen Vereinen. „Der Bürgerverein verfolgt das Ziel, für Markee mit seinen Ortschaften Markau, Neugarten, Röthehof, Neuhof und Mühlenberg ein attraktives soziales und kulturelles Umfeld zu bewahren“, sagt Bluhm. So haben die Markeer selbst mit angepackt und das Dorfgemeinschaftshaus, in dem auch der Jugendclub drin ist, umgebaut. Auch die Senioren nutzen es für ihre Veranstaltungen.

Dank des Vereins hat Markee seit 2014 am Kreuzweg Schwanebecker/Tremmener Weg auch wieder Gerichtslinden. Die mächtigen Vorgänger waren schon Mitte des 19. Jahrhunderts zerfallen. Dort soll in alten Zeiten mit Raubgesellen kurzer Prozess gemacht worden sein. „Wir haben mit Hilfe eines alten Fotos den Standort gesucht, wussten anfangs nur, dass er am südlichen Ortsrand war“, sagt Bluhm, der sich mit seinen Mitstreitern auch um die beiden Dorfkirchen in Markee und Markau kümmert. „Wir versuchen dort Veranstaltungen zu machen, um Geld für den Erhalt der Kirchen zu bekommen“, sagt er. Denn auch Kultur und Heimatpflege gehören zu den Aufgaben des Vereins. So bewahrt er auch die achtbändige Ortschronik und macht Ausstellungen mit historischen Bildern.

Aber auch die heutigen Probleme beschäftigen Ralph Bluhm, dessen Dorf von Windrädern umzingelt ist. Dem geplanten Bau noch höherer Anlagen steht er skeptisch gegenüber. Kein Freund davon ist auch Andreas Hübscher. Der 55-Jährige lebt seit 22 Jahren am Zickenberg, kam aus Berlin, damit die Kinder in einer ländlichen Umgebung aufwachsen können. „Wir haben ein Siedlerhäuschen saniert. Und kurz, nachdem wir sesshaft geworden sind, waren um uns herum Windräder“, meint er. Trotzdem schätzt er das Leben in Markee.

Von Andreas Kaatz

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