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Die Jugend soll in Rathenow dirigieren

Kommando an den Nachwuchs Die Jugend soll in Rathenow dirigieren

Wenn alles klappt, dann wird die Junge Philharmonie Berlin noch in diesem Jahr in der havelländischen Kreisstadt Rathenow ein Konzert geben. Das allein wäre schon eine Meldung wert. Noch bedeutsamer wird dieses Konzert aber durch die wirklich außergewöhnliche Besetzung des Dirigierpostens.

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Ein ganzes Orchester folgt diesem jungen Mann.

Quelle: „Jugend dirigiert“„

Rathenow. Nicht ein eingefleischter Profi soll den Takt angeben, sondern Rathenower Schüler. Klingt unmöglich, ist es aber nicht, sagt Dr. Alexander Saier. Der Berliner Musiklehrer und Musikwissenschaftler hat das Projekt „Jugend dirigiert“ zusammen mit Prof. Gernot Schulz entwickelt und bereits bewiesen, dass das junge Berliner Orchester Brahms, Beethoven oder Schubert ebenso wunderbar spielt, wenn ein 13-Jähriger den Taktstock schwingt.

Das kann auch der 19-Jährige Simon Klaus bezeugen. Er ist Schüler der Rathenower Bürgelschule, spielt in der Jungen Philharmonie Cello und ist von dem Projekt so begeistert, dass er es in seine Heimatstadt holen möchte. An der Bürgelschule haben Simon Klaus und Alexander Saier schon einige Schüler dafür begeistern können, vergangene Woche stellten sie die Idee nun am Jahngymnasium vor.

Es geht nicht um musikalische Perfektion

Geplant sind Workshops an zwei Wochenenden für interessierte Jugendliche. Im ersten Teil sollen Schlagfiguren geübt werden, im zweiten ein konkretes Werk. Niemand muss am Ende dirigieren, wer will darf am Ende den Auftritt mit dem Orchester wagen. „Es geht dabei nicht um musikalische Perfektion, sondern um den Entwicklungsprozess junger Persönlichkeiten. Sie lernen, mit dem Potenzial ihrer nonverbalen Kommunikation umzugehen und über sich hinaus zu wachsen.

Es geht darum, zu lernen und zu erleben, andere für die eigenen Ideen zu begeistern und eine Gruppe auf ein gemeinsames Ziel auszurichten“, sagt Saier. Die Schüler sollen lernen, vor vielen Menschen aufzutreten, erfahren wie es ist, eine Masse zu führen und lernen, sich selbst gut zu verkaufen. Sie sollen spüren, wie sie auf andere wirken. „Wenn ihr merkt, das klingt so, wie ihr es wollt, dann ist das ein irres Gefühl“, ermutigte Saier die Gymnasiasten.

Finanzierung noch nicht gesichert

Anke Heinsdorff, von der Musik- und Kunstschule Havelland, und Beate Kämmerling, Vorsitzende des Fördervereins der Musikschule Rathenow, sind bereits in die Pläne eingeweiht und durchaus angetan von der Idee. „Es ist natürlich nicht so, dass Kinder dirigieren lernen oder das Orchester künstlerisch beeinflussen, aber sie kommen auf wunderbare Weise mit klassischer Musik in Berührung. Sie werden an handgemachte Orchestermusik herangeführt und lernen, dass Musik nicht aus dem Computer kommt“, erklärt Anke Heinsdorff.

Selbstverständlich werde man das Projekt unterstützen, mit Räumlichkeiten, Instrumenten und so weit möglich auch finanziell. „Ein fünfstelliger Betrag muss für dieses Projekt aufgebracht werden. Diese Summe kann unser Förderverein niemals allein stemmen. So ein Projekt muss auf breite Schultern gestellt werden“, so die Musikschullehrerin.

Aber nicht nur die Schüler profitieren von dieser Erfahrung. Die Musiker lernen Dank dieses außergewöhnlichen Konzepts, sich flexibel auf unterschiedlichste Führungs- und Kommunikationsstile seitens des Dirigenten einzustellen und einzulassen. Das Spiel und die Reaktion innerhalb des Klangkörpers wachsen. Noch einen Tipp hat Saier für alle Skeptiker. „Wer denkt, das funktioniert nicht, sollte sich unser nächstes Konzert am 1. Juni im Berliner Konzerthaus anschauen.

Mit Musik zum Erfolg

Über zwei Jahre arbeiteten Dr. Alexander Saier, Musiklehrer der Freien Schule Anne-Sophie Berlin, und Prof. Gernot Schulz, Dirigent und Professor für Schlagzeug der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, an der Entwicklung und Umsetzung des pädagogischen, musikalischen sowie dirigentischen Konzepts zu „Jugend dirigiert“.

Im November 2015 feierte das Projekt Jugend dirigiert in Berlin Premiere. Zusammen mit Marcus Merkel, Chefdirigent und Gründer der Jungen Philharmonie Berlin, dirigierten sieben Schüler das 80-köpfige Orchester der Jungen Philharmonie Berlin. Werke von Mozart, Brahms und Tschaikowsky wurden gespielt.

Zusammen mit Prof. Gernot Schulz entwickelte Dr. Alexander Saier ein eigenes Konzept für die Schüler. Die Kooperation mit der Jungen Philharmonie Berlin wurde 2014 ins Leben gerufen. Für das Projekt wurde das Orchester 2015 reorganisiert und neu zusammengestellt.

Das Orchester wurde 2013 von Marcus Merkel, damals Dirigierstudent an der Universität der Künste Berlin, mittlerweile Kapellmeister in Graz, gegründet.

Von Christin Schmidt

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