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Die Jugend soll nicht laut sein

Taste of Hip Hop Rathenow Die Jugend soll nicht laut sein

Als zu laut empfanden einige Anwohner das Taste of Hip Hop Festival, das am 6. August an der Havellandhalle in Rathenow stattfand. Sie verständigten die Polizei. Obwohl das Festival von der Stadt genehmigt war, mussten die Organisatoren daraufhin die Lautstärke reduzieren. Zu recht, finden die einen. Andere wünschen sich mehr Toleranz.

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Überraschender Besuch beim Taste of Hip Hop Festival: Polizeibeamte forderten die Veranstalter auf, die Musik leiser zu drehen.

Quelle: Privat/Facebook

Rathenow. „Liebe Bürger der Stadt Rathenow, ihr seid selbst Schuld, wenn ihr der Jugend gar nichts gönnt!“ Mit diesen Worten machte sich am Samstagnachmittag Jugendarbeiter André Neidt auf Facebook Luft. Er hatte gemeinsam mit weiteren Organisatoren das vierte „Taste of Hip Hop“ Festival organisiert und war sichtlich überrascht, als gegen 15.30 Uhr Polizeibeamte die Veranstaltung besuchten.

Anwohner hatten sich über die Lautstärke der Musik beschwert. Neidts Argument, die Veranstaltung sei angemeldet, ließen die Beamten nicht gelten. Sie warteten, bis es tatsächlich leise wurde. „Aus Respekt und um Ärger zu vermeiden, haben wir die Musik leiser gemacht. Allerdings hätte ich mir von den Beamten in diesem Fall mehr Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Jugend gewünscht“, so Neidt.

Die Veranstaltung war angemeldet

Wie Rathenows Ordnungsamtsleiter Matthias Remus am Montag bestätigte, hatte der Kreissportbund Havelland das Festival am 11. Juli angemeldet, am 13. Juli wurde es von der Stadt genehmigt. Damit lag den Organisatoren eine Ausnahmegenehmigung für die Verwendung einer Musikanlage im Freien vor. „Sie hatten quasi die Berechtigung die Anwohner mit erträglicher Lautstärke zu belästigen. Das müssen die Bürger dann in einem bestimmten Umfang hinnehmen“, so Remus.

Dass die Veranstaltung angemeldet war, erfuhren die Polizeibeamten allerdings erst vom Veranstalter vor Ort, wie Jana Birnbaum von der Pressestelle der Polizeidirektion Brandenburg West am Montag erklärte. „Wenn wir Beschwerden von Anwohnern haben, reagieren wir auch. Aus meiner Sicht haben die Kollegen korrekt gehandelt und für ein friedliches Miteinander gesorgt“, machte Birnbaum deutlich. Zudem müsse vor Ort theoretisch das Ordnungsamt kontrollieren, ob die Lautstärke angemessen ist.

Abgeordnete diskutierten auf Facebook

Wie laut es tatsächlich war, ist schwer zu sagen. Auf dem Platz konnten sich die Gäste jedenfalls problemlos unterhalten, bestätigt André Neidt. Möglich ist, dass Wind und Schall dazu beitrugen, dass der Hip-Hop-Sound in einige Wohnzimmer drang.

Auf Facebook entbrannte noch am Samstagnachmittag eine heftige Diskussion. Allein André Neidts Beitrag wurde 50 Mal geteilt. Während sich die meisten in ihren Kommentaren über das Vorgehen der Beamten und das Unverständnis einiger Anwohner aufregten, schob René Hill (CDU), Mitglied im Rathenower Ausschuss für Bildung, Kultur, Jugend, Sport und Soziales, dem Veranstalter den schwarzen Peter zu: „Das Problem ist, dass nicht nur der Sportplatz, sondern ein ganzer Stadtteil, beschallt wird.“

Anders sieht das Thomas Lotsch: „Wenn die Veranstaltung angemeldet ist, sollte die Durchführung möglich sein, sonst könnte man auch das Stadtfest verbieten.“ Auch Daniel Golze, der für Die Linke in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, äußerte sich dazu: „Es besteht eine ziemlich große Kulturlosigkeit und eine gehörige Portion Intoleranz in Rathenow. Wie wollen wir Jugendliche dazu animieren, hier zu bleiben oder mit ihren Kindern wieder zu kommen, wenn ihnen überall gesagt wird, ihr seid hier nicht willkommen?“

Mehr Toleranz der Jugend gegenüber gewünscht

Bei den Veranstaltern bleibt die Enttäuschung – trotz eines insgesamt gelungenen Festivals. „Auf der einen Seite beklagen sich die Menschen, dass so wenig für junge Menschen getan wird, dass die Jugend sich nicht benimmt, Alkohol trinkt und auf öffentlichen Plätzen herumlungert. Stellt man dann eine solche Veranstaltung für Jugendlichen auf die Beine, die mit dem Wegfall der Skaterhalle keinen Anlaufpunkt mehr haben, ist es einigen plötzlich zu laut“, ärgert sich André Neidt.

Er wünscht sich mehr Toleranz von den Rathenowern, wenn es um solche Veranstaltungen geht. Zum einen, weil diese die Möglichkeit bieten, sich sinnvoll zu beschäftigen und kreativ zu entfalten. Zum anderen weil es in Rathenow nur noch zwei Veranstaltungen dieser Art gibt: Das Laut und Bunt Festival und Taste of Hip Hop.

Von Christin Schmidt

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