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Havelland Die Ketziner wollen keine neuen Windräder
Lokales Havelland Die Ketziner wollen keine neuen Windräder
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15:56 15.02.2017
Von weiteren Windrädern wollen die Ketzner nichts wissen. Quelle: Peter Geisler
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Ketzin/Havel

Die Botschaft ist verstanden: Die Bürger wollen keine weiteren Windräder in Ketzin und den Ortsteilen. Speziell aus Falkenrehde regte sich in den letzten Wochen reger Widerstand gegen das Aufstellen neuer Anlagen, was am Dienstagabend in der von der Stadtverwaltung einberufenen Bürgerversammlung in der Aula der Europaschule Am Mühlenweg noch einmal deutlich wurde.

Die 100 Plätze reichten nicht, einige Einwohner mussten stehen, andere kamen erst gar nicht mehr in den Saal. Nach zweieinhalb Stunden teils reger Diskussion haben die anwesenden sechs oder sieben Stadtverordneten registriert, was sie erwartet, wenn sie (wahrscheinlich) in der nächsten Stadtverordnetenversammlung entscheiden werden, ob sie die einst beschlossene Höhenbegrenzung von 150 Metern für neue Windräder aufheben und ob sie ohne Bedenken, dem Aufstellen von 15 neuen Windkraftanlagen in der Gemarkung Ketzin, die von drei potenziellen Investoren gewünscht wird, zustimmen.

MAZ-Kommentar: „Mein Name ist Hase...“ (von Jens Wegener)

Gleich vorneweg: Ich möchte auch nicht in der Nähe von Windrädern wohnen. Ich möchte auch die Aussagen von Ärzten oder Gutachtern, die gesundheitliche Schäden prophezeien, wenn die Räder vor der Nase hat, nicht anzweifeln.

Was jedoch einfach nicht stimmt, ist die Aussage der Ketziner und Falkenrehder Bürger, sie hätten ja von dem Thema Windkraftanlagen früher nichts erfahren. Frei nach dem Motto: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Seit Ende 2015 wird in den Ketziner Gremien darüber beraten. Mehrfach ging es um die Anpassung der Bebauungspläne an die Vorgaben des Regionaplanes 2020. Die Sitzungen sind öffentlich, stehen im Internet, werden in der Zeitung angekündigt und stehen an den Informationskästen in den Ortsteilen. Dass nicht jeder Bürger von der Verwaltung angeschrieben wird, sollte klar sein.

Es kann zum jetzigen Zeitpunkt nur noch darum gehen, einen Kompromiss zu finden, dass nicht alle geplanten 15 Anlagen errichtet werden. Und natürlich um die Höhenbegrenzung. In dem Punkt haben die Stadtverordneten noch Entscheidungsspielraum.

Auf den Tisch kamen am Dienstagabend alle Argumente der Windkraftgegner: Belästigung der Menschen durch Lärm, Infraschall, Schlagschattenbildung, die Verschandelung der Landschaft, das Töten von Fledermäusen, das Verdrängen des Rotmilans bis hin zur Wertminderung der Grundstücke. „Wir wollen einfach in Ruhe und Frieden in Falkenrehde weiterleben, ohne gesundheitliche Schäden davontragen zu müssen“, hatte Ortsvorsteherin Gisela Drehmel geäußert.

Naturschützerin Jamila Wichniarz aus Paretz ärgerte sich unter anderem darüber, dass die Experten zum Thema Windenergie, die die Bürger einladen wollten, nicht zur Versammlung zugelassen wurden, weil sie nicht in Ketzin wohnen. „Aber die Experten der Investoren dürfen ja auch hier ihre Argumente vorbringen“, warf sie Bürgermeister Bernd Lück vor. Der hatte die Aula der Europaschule als Veranstaltungsort ausgewählt, weil es das kommunale Gebäude mit dem größten Platzangebot ist und aus seiner Sicht, nicht Ketziner vor der Tür bleiben sollten und Auswärtige innen mitreden.

Egal, was die Vertreter der potenziellen Windkraftinvestoren auch vorbrachten, sie ernteten Unverständnis, teils gar hämisches Gelächter. Die Gutachten zur Umweltverträglichkeit und zum Schutz der Menschen vor den Belästigungen der Windräder seien alles „Gefälligkeitsgutachten im Sinne der Investoren“, lautete ein Vorwurf, der allerdings nicht belegt wurde und den die Gutachter vehement zurückwiesen.

Als es in der Diskussion um die zu erwartenden Vorteile neuer Windräder für die Kommune ging, wiederholte Bürgermeister Bernd Lück (FDP) seine Aussage aus dem letzten Hauptausschuss: „Bisher haben wir aus den stehenden knapp 50 Windrädern noch keinen Cent an Gewerbesteuereinnahmen bekommen.“ An die von den Windenergieinvestoren in Aussicht gestellten Gegenleistungen wie der Bau eines Bolzplatzes, das Aufstellen von Bänken und Spielgeräten, das Aufforsten bestimmter Bereiche in Ketzin oder das mögliche Sponsoring von Vereinen oder Veranstaltungen glaubte kaum einer der Bürger im Saal. „Damit können Sie uns nicht abspeisen. Davon kommt sowieso nichts hier an“, rief jemand.

Was am Dienstagabend trotz mehrfacher Wiederholung seitens des Bürgermeisters wenig Beachtung fand, ist die Tatsache, dass die Ketziner Stadtverordneten keinen Einfluss auf die Ausweisung des Windeignungsgebietes 13 „Nauener Platte-Ost“ hatten, sondern man das vom Gesetzgeber – in diesem Fall von der Regionalen Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming – vorgegeben bekam. „Im Oktober 2015 ist der Regionalplan Havelland-Fläming 2020 mit neuen Grenzen der Windeignungsgebiete in Kraft getreten. Wir haben als Kommune ein sogenanntes Anpassungsgebot an diese Vorgaben. Das bedeutet, unserer Flächennutzungsplan, der gerade überarbeitet wird, muss diese neuen Grenzen berücksichtigen“, so Lück.

Und aus diesen neuen Grenzen ergibt sich, dass neue Windräder in Richtung der Ortslage Falkenrehde möglich sind. Andere, bestehende Anlagen, darunter drei in Etzin, liegen nicht mehr im Eignungsgebiet und fallen deshalb langfristig weg. Was genau langfristig bedeutet, konnte aber niemand sagen. Von einer Laufzeit von etwa 20 Jahren war die Rede.

Einen Vorwurf mussten sich die Bürger allerdings gefallen lassen. Stadtverordnete Renate Donat (Linke) stellte klar: „Warum engagieren Sie sich erst jetzt? Warum ist kaum einer in die öffentlichen Ausschusssitzungen vorher gekommen, als es um die Windräder ging? Für ihre Forderungen, gar keine neue Windräder haben zu wollen, sind wir Stadtverordnete der falsche Ansprechpartner. Diese Bedenken hätten sie bei der Regionalen Planungsgemeinschaft vorbringen müssen.“

Ob es noch eine zweite Bürgerversammlung zur Windenergie in Ketzin geben wird, will der Bürgermeister mit den Stadtverordneten besprechen. Ebenfalls noch unklar ist, ob das Thema schon in der nächsten Ketziner Bauausschusssitzung am 1. März behandelt wird. „Wir haben Zeit. Treiben lassen müssen wir uns nicht “, so Lück.

Von Jens Wegener

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