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Havelland Die Mühle lebt, der Dorfladen ist weg
Lokales Havelland Die Mühle lebt, der Dorfladen ist weg
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19:25 09.03.2016
Torsten Wolter bei seiner täglichen Arbeit in der Mühle. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Buchow-Karpzow

Auf der ersten Blick hebt sich Buchow-Karpzow kaum von anderen Dörfern in der Region ab. Die Landesstraße 204 (Potsdamer Landstraße) führt mitten hindurch. Die Häuser links und rechts sind eher unauffällig. Farblich hervor sticht die einzige Gaststätte „Zum Engel“ und ein flaches Bauwerk mit einer großen Front aus Holz und einer runden Parkfläche. Dahinter verbirgt sich ein kleines Familienunternehmen von Birgit Lincke und Ralf Schick-Essigart. Mehrere Sorten Frucht- und Weinessig werden hier hergestellt. „Wir öffnen den kleine Verkaufsladen samstags und bieten nach Anmeldungen auch Führungen an“, sagt Ralf Schick. In absehbarer Zeit soll die optische Ansicht des Gebäudes verbessert werden.

Nur ein paar Meter weiter, kurz hinter dem Abzweig in Richtung Priort, steht die Mühle von Familie Wolter. „Es ist die einzige noch arbeitende Getreidemühle im Havelland“, erzählt Birgit Wolter. Wobei man das vierstöckige Haus mit Spitzdach zunächst nicht als Mühle erkennen würde. Tatsächlich aber verarbeitet Torsten Wolter hier jährlich etwa 2000 Tonnen Getreide zu Mehl. Führungen gibt es leider nicht in der 1905 erbauten, zwischenzeitlich abgebrannten und wieder aufgebauten Mühle.

Im Zuge der MAZ-Serie „Zu Hause in...“ stellen wir heute den Ortsteil Buchow-Karpzow vor. Der Havelkanal trennte ursprünglich beide Dörfer, die inzwischen gut zusammen gewachsen sind. Aber das alte Gutshaus braucht eine Schönheitskur.

Ein richtiges Zentrum gibt es in Buchow-Karpzow nicht. Die Brücke über den Havelkanal ist die alte Grenze zwischen beiden Orten, wobei die Kirche und die heutige Bürgerbegegnungsstätte in der Parkstraße in Karpzow liegen. Wo sich heute der Ortsbeirat trifft, wo eine Dauerausstellung etwas über die Geschichtes des Dorfes erzählt und wo die eine oder andere Feier abgehalten wird, war bis 1945 Hasso von Bredow zu Hause. Er lebte in dem Gutshaus, das im 18. Jahrhundert Kaspar Friedrich von Bredow erbauen ließ. Nach 1945 änderte sich die Nutzung des Gutshauses und des dazugehörenden Parkes. Ein Kindergarten, die Küche der LPG „Karl Liebknecht“ und ein Dorfkonsum zogen ein, erinnert sich Manfred Gähde, der 20 Jahre in Buchow-Karpzow die Feuerwehr anführte. 1963 wurde das Gebäude umgebaut, ein Stockwerk mit Wohnungen draufgesetzt. Deshalb ist das unscheinbare Gebäude als Gutshaus nicht zu erkennen.

Wer in Buchow-Karpzow ein rotes Gebäude der Feuerwehr sucht, sucht vergeblich. Seit Januar 2015 sind die Ortwehren von Buchow-Karpzow und dem Nachbarort Hoppenrade vereint. Das gemeinsame Depot steht in Hoppenrade. Die Buchow-Karpzower Brandbekämpfer kommen damit klar, sagt Manfred Gähde. Zumal sie in der Begegnungsstätte noch einen Schulungsraum nutzen können.

In der 2014 erneuerten Parkstraße, die Teile des ehemaligen Gutes der von Bredows durchschneidet, finden sich einige Gewerbebetriebe: Autowerkstatt, Zimmerei, Fensterbaufirma und zwei Metallbauwerkstätten. Ganz am Ende der Parkstraße ist auf einem einzelnen Mast ein Storchenpaar zuhause. „Die kommen jedes Jahr“, sagt der frühere Bürgermeister und heutige Ortsvorsteher Harald Schöne. Auch er kam nach der Wende in das kleine Dorf, erinnert sich an den Bau des neuen Wohngebietes „Am Igelpfuhl“ auf der andere Seite der Potsdamer Landstraße.

Heute leben dort etwa die Hälfte der knapp 430 Einwohner in auch äußerlich individuell gestalteten Einfamilienhäusern. „Wir sind zusammengewachsen“, sagt Schöne. Beim jährlichen Dorffest im Gutspark feiern „Ureinwohner“ und Zuzügler gemeinsam. Ebenso gut würden sich die Buchow-Karpzower mit den Mitgliedern der Gartensparte „Am Kanal“ verstehen, die vor allem aus Berlin und Potsdam kommen. Von den 68 Parzellen sind nur wenige nicht belegt.

Eher wenig Kontakt gibt es dagegen zum Verein der Haselhorster Wasserfreunde, der den kleinen Bootshafen am Havelkanal betreibt. Die etwa zehn Liegeplätze sind meist ausgebucht, vor allem auch deshalb, weil dort eine Anlage arbeitet, die das Wasser rings um den Steg im Winter eisfrei hält, erzählt Harald Schöne.

Schmerzlich vermisst wird in Buchow-Karpzow der kleine Lebensmittelladen, den Angelika und Peter Raue von 1978 bis 2009 betrieben haben. „Zu DDR-Zeit konnten wir diverse frische Wurst oder mal Fisch anbieten, die es so im Dorfkonsum nicht gab“, sagt Peter Raue. Aber am Ende sei das Geschäft einfach unrentabel gewesen. „Von der einen Tüte Mehl und Zucker, die manche zum Wochenende gekauft haben, konnte man nicht leben.“ Jetzt müssen die Buchow-Karpzower ihre Lebensmittel in Wustermark, Elstal, Berlin oder in Potsdam kaufen. Dorthin kommen sie an Wochenenden nur mit dem Auto, denn der Öffentliche Personennahverkehr macht samstags und sonntags um ihr Dorf einen großen Bogen. Was vor allem die jungen Leute im Dorf stört, wenn sie zur Party oder ins Kino wollen.

Von Jens Wegener

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