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Havelland Die Region trauert um Martin Keune
Lokales Havelland Die Region trauert um Martin Keune
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11:20 22.02.2018
Martin Keune in seiner Kreativwerkstatt, der Werbeagentur Zitrusblau, in Berlin. Quelle: Christin Schmidt
Semlin

Das Urlauberdorf am See – Semlin – war seine Kraftquelle. Aus ihr wollte er tanken, nachdem er vor knapp drei Monaten erfuhr, dass er an einem Glioblastom, einem bösartigem Hirntumor litt und kurz darauf querschnittsgelähmt ans Bett gefesselt war. Den Jahreswechsel kann Martin Keune nicht mehr in seinem geliebten Semlin verbringen. Er ist am Mittwoch im Alter von 59 Jahren gestorben. Die Mediziner konnten ihm nicht mehr helfen.

Frühe Liebe

Die Liebe zu Semlin wuchs in Martin Keune, der seit 1989 mit seiner Frau eine Werbeagentur in Berlin führte, schon frühzeitig. Bereits Mitte der 1990er Jahre verguckte sich in den See und die Natur und beschloss zu bleiben. Semlin war für ihn Rückzugs- und Erholungsort. Kurz darauf, das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, schenkte er seinem Semlin auch eine Webpräsenz. Hier erzählte er Neuigkeiten aus dem Dorf und informierte über Termine.

Drei Seen Lauf Semlin 2017. Martin Keune war auf dem Fahrrad dabei. Quelle: Joachim Wilisch

Später gehörte er zu den Gründern des Drei-Seen-Lauf-Vereins. Der Verein, inzwischen haben Nachfolgeorganisatoren die Aufgaben übernommen, machte den Drei-Seen-Lauf über die Grenzen der Region hinaus bekannt und zu einem Tourismusereignis erster Sahne. Martin Keune und der See. Das gehörte zusammen. Wie oft sah man ihn den See in Laufschuhen umrunden oder mit der Kamera die Natur in Bilder festhalten. Viele seiner Bilder fanden sich später in den Semliner Heften wieder.

Wer war Axel Rudolph?

Eine enge Zusammenarbeit entwickelte sich zwischen Martin Keune und der Semlinerin Heike Brett, die sich für die Geschichte der Ziegeleien in der Region interessierte. Zusammen machten sich die beiden Geschichtsfans auf die Spur von Axel Rudolph – ein Schriftsteller, der in Semlin lebte und Groschenromane schrieb. „Der Groschenroman“ hieß das Buch, das damals aus der Feder von Martin Keune entstand. Es folgten weitere Bücher – Kriminalromane, die in den 1930er Jahren spielen. 2015 stieg er für die Premiere seines Romans „Knock Out” sogar erstmals in einen Boxring, allerdings ohne Boxhandschuhe, stattdessen mit seinem Werk in der Hand.

„Das war fantastisch, es war das Leben, das ich immer haben wollte. Das Kleine mit dem Großen zu verbinden, vom Dorf auf das Allgemeine zu kommen, das war für mich immer sehr wichtig. Ich habe nichts gesehen, von dem ich sage, das möchte ich nicht erlebt haben“, erklärte Martin Keune Ende November. Trotz unglaublicher Schmerzen blickte er auch zu diesem Zeitpunkt voller Optimismus in die Zukunft, ging offen mit seiner Krankheit um und machte den Menschen, die ihm nahe standen, Mut.

Bestürzte Wegbegleiter

Seine Wegbegleiter aus dem Westhavelland wussten nur teilweise über die Krankheit Bescheid, die Keune zuletzt quälte. Sie reagierten bestürzt. „Martin hat mit all seinem Tun die Welt zu einem besseren Ort gemacht, auf ungezählten Wegen. Er hat mein Leben wie das so vieler verändert. Vom Zaudern zur Tat. Von der Idee zum Werden. Vom Ego zum Wir. Mein bester Freund ist tot“, sagt die Sängerin Nina Omilian.

Hauke Czyborra, Martin Keune und Jens Rausch (von li.) haben mit vielen Helfern und Sponsoren den Drei-Seen-Lauf initiiert. Quelle: Heike Wilisch

Martin Gorholt hatte das Wirken von Martin Keune als Kulturstaatssekretär aktiv begleitet. „Das ist ja furchtbar“, sagte Gorholt am Donnerstag. „Wir hatten geplant, im kommenden Jahr über neue Projekte zu reden.“ Die Betroffenheit und die Trauer sitzen tief. Ob bei den Freunden des Drei-Seen-Laufes, ob bei Semlins Ortsvorsteher Alfred Mantau oder bei Heike Brett, mit der er so viel für das Dorf auf den Weg gebracht hat.

Bevor ihn die Diagnose Anfang Oktober aus dem Leben riss, hatte Martin Keune noch an einem neuen Semliner Heft gearbeitet. Im Mittelpunkt stand dabei der Kirschbaum, den er für das Dorf gepflanzt hatte und an dem sich alle Semliner bedienen sollten. Ein Geschenk an sein geliebtes Semlin, das die Menschen zusammenbringen sollte. Jetzt ist sein letzter Gruß.

Martin Keune hinterlässt ein großes Erbe

„Ich will noch nicht sterben. Ich will nicht sagen, Freunde ich hab’ Krebs, ich leg mich hier hin und ihr tut etwas. Ich versuche intensiv zu begreifen, was in meinem Körper geschehen ist.“ Mit diesen Worten hatte er vor vier Wochen mutig dem Krebs den Kampf erklärt. Er hatte sich intensiv mit der Krankheit auseinandergesetzt, hat gekämpft. Bis zum Schluss war er ein Mann, der vor Energie und Kreativität nur so strotzte. Der für das Gute kämpfte, sich unerschrocken für Flüchtlinge und gegen rechtes Gedankengut einsetzte.

Ein Dorf und seine Geschichten. Martin Keunes „Semliner Hefte”. Einige Kunden bestellen sie sogar vor. Quelle: Christin Schmidt

Unvergessen seine Versteigerung der Schokolade mit dem Autogramm des Fußballstars Boateng. Keune hatte Alexander Gaulands Bemerkung „Einen Nachbarn wie Boateng möchte niemand haben.“ 2016 für eine Spendeaktion genutzt. 3800 Euro kamen dabei zusammen. Mit dem Geld konnte die von Keune gegründete Organisation „Flüchtlingspaten Syrien“ ein Kind retten.

Die Flüchtlingspaten hat Martin Keune an „unglaublich tolle Menschen abgegeben“. Eine große Erleichterung für ihn, wie er vor wenigen Wochen erklärte. Martin Keune hinterlässt drei Söhne, seine Frau und ein unglaublich großes Erbe. Er hatte noch so viele Ideen, so viele Projekte, die er umsetzen wollte – das müssen nun andere übernehmen.

Von Joachim Wilisch und Christin Schmidt

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