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Havelland Die Rhinspatzen wachsen wortreich auf
Lokales Havelland Die Rhinspatzen wachsen wortreich auf
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00:16 21.03.2017
Als Gärtnerin darf sich Carolina (r.) aus der Kita „Rhinspatzen“ versuchen. Unter den Augen von Erzieherin Laura Schmied (links) und Facherzieherin Sarah Napiralla gibt sie Kresse-Samen in einen Topf mit Erde. Jetzt heißt es abzuwarten, was aus dem kleinen Experiment wird. Quelle: Andreas Kaatz
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Friesack

Ein Kleinkind zu wickeln, gehört zu den routinemäßigen Aufgaben im Alltag der Kita-Erzieherinnen. Sie können dies schweigend tun oder sich währenddessen mit dem Kind unterhalten. „Oder aber sie können dem Kind dabei auch ein Lied vorsingen“, empfiehlt Sarah Napiralla. Die Facherzieherin für Sprache, die in dieser Funktion unter anderem in der Friesacker Kita „Rhinspatzen“ tätig ist, nennt dies alltagsintegrierte sprachliche Bildung.

Hinter der komplizierten Bezeichnung verbirgt sich am Ende nichts anderes, als dass Sprache in den Alltag eingebettet wird – überall, wo es möglich ist. „Es geht darum, dass beispielsweise mit den Kindern bei den Mahlzeiten geredet und ihnen erklärt wird, was sie auf ihrem Teller haben“, sagt die 32-Jährige. Geredet wird mit ihnen aber auch gezielt, wenn es um die Lösung von Konfliktsituationen geht. „Dann muss man ihnen auch deutlich machen, dass sie dem anderen Kind gerade wehgetan haben“, sagt Sarah Napiralla. „Der Alltag bietet eben viele Situationen, bei denn man mit den Kindern sprechen und ihnen etwas erklären kann und somit die Sprache vorlebt. Wir schenken den Kindern Worte.“

Schon seit mehreren Jahren gehört dieses Thema in der Kindertagesstätte „Rhinspatzen“, die sich Sprach-Kita nennt, zur Arbeit. Es begann 2012 mit der „Offensive frühe Chancen“, bei der es speziell um die Sprachförderung von Kindern im Alter von unter drei Jahren ging. Seit dem vergangenen Jahr ist die Einrichtung auch aus dem Nachfolgeprogramm mit Fördermitteln bedacht worden. Der Titel des Bundesprogramms lautet: „Sprach-Kita: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. Bis 2019 stehen den Friesackern daraus 100 000 Euro für die Finanzierung einer halben Stelle als Facherzieherin zur Verfügung. Man geht davon aus, dass Sprache großen Einfluss auf den künftigen Bildungsweg hat.

Hintergrund

Die zweite Förderwelle des Bundesprogramms „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ startete Anfang 2017 dieses Jahres.

Schwerpunkte sind neben der Weiterentwicklung der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung die Förderung einer inklusiven Pädagogik und der Zusammenarbeit mit den Familien.

Das Programm richtet sich hauptsächlich an

Kitas mit überdurchschnittlich hohem Anteil an Kindern mit besonderem sprachlichem Förderbedarf.

Eine Förderung erhält im Amtsbereich Friesack jetzt auch die Kita Senzke. Zudem werden bald die Kitas in Vietznitz, Retzow und Pessin Sprach-Kitas.

„Meine Aufgabe ist es, das Kita-Team zu beraten, zu begleiten und zu unterstützen“, sagt Sarah Napiralla, die wiederum Kontakt zu einer Fachberaterin hat. Das Geld aus dem Bundesprogramm sei vor allem dazu gedacht, Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien oder aber aus Familien mit Migrationshintergrund sprachlich zu fördern. Für die Facherzieherin ist das aber kein Dogma: „Das Angebot, das wir hier machen, richtet sich an alle Kinder.“

Denn in anderen Familien müsse es nicht automatisch besser sein. Ohnehin sei die Einbeziehung der Eltern Teil des Konzeptes. „Die Eltern sind schließlich die Experten für die Kinder“, sagt Sarah Napiralla. „Wir begegnen ihnen auf Augenhöhe und stehen mit Rat und Tat zu Seite.“ Die 32-Jährige leitet zudem seit Januar eine Krabbelgruppe, die sich in Pessin trifft. Fingerspiele und Lieder sind bereits bei den „Krabbelkäfern“ an der Tagesordnung.

Kita-Leiterin Mandy Riehe ist froh über die sprachliche Förderung. „Das kommt allen zugute. Sprache ist immer wichtig und wir Erzieherinnen werden für das Thema sensibilisiert und bekommen Anregungen.“ Jan-Peer Michalek von der Amtsverwaltung bezeichnet die halbe Stelle als Erleichterung für die Arbeit der Kita. „Die Sprachförderung könnte ansonsten angesichts des Betreuungsschlüssels nicht so erfolgen wie es jetzt möglich ist.“

Das fängt schon bei der „sprachanregenden Raumgestaltung“ an. An Schränken und Regalen prangen in großen Buchstaben die Worte Teller, Puzzle oder Memory, die die Kinder als Bilder wahrnehmen. Manche von ihnen finden das so toll, dass sie die Buchstaben schon abgepolkt haben. „Da müssen wir dann wieder neue anbringen“, meint Mandy Riehe schmunzelnd.

Von Andreas Kaatz

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