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„Die Spendenbereitschaft hat nachgelassen“

Tierheim Rathenow „Die Spendenbereitschaft hat nachgelassen“

Im Gespräch mit der MAZ spricht Jutta Schütze, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rathenow und Umgebung, über volle Tierheime, Tiere als Weihnachtsgeschenke und Katzen, die sich unkontrolliert vermehren. Außerdem gibt die Tierschützerin Tipps, wie Hund und Katze den Silvesterabend trotz Böllern und Raketen entspannt erleben können.

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92 Hunde konnte das Rathenower Tierheim 2015 in ein neues Zuhause vermitteln.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Jutta Schütze ist Vorsitzende des Tierschutzvereins Rathenow und Umgebung. Im Gespräch mit der MAZ blickt sie auf das Tierheim-Jahr 2015 zurück, erklärt, warum Tiere keine Weihnachtsgeschenke sind und wie man seinem Schützling den Silvesterabend erleichtern kann.

MAZ: Frau Schütze, ziehen Sie für uns eine kleine Bilanz. Wie lief das Jahr 2015 für das Rathenower Tierheim?

Jutta Schütze: Generell geht es leider allen Tierheimen schlecht. Die Spendenbereitschaft hat nachgelassen und viele Tiere warten sehr lange auf ein neues Zuhause – von diesen Problemen bleiben auch wir nicht verschont.

Welche sind die größten Herausforderungen für den Tierschutz?

Schütze: Neben der Tatsache, dass viele Tiere sehr lange im Tierheim bleiben, sind auch die alten und kranken Tiere eine Herausforderung. Viele verbringen ihren Lebensabend bei uns. Ein Problem ist auch, dass die Katzenpopulation nicht abnimmt. Deshalb können wir nur an alle Katzenbesitzer appellieren: Lassen Sie ihre Katze oder ihren Kater kastrieren und kennzeichnen, wenn er ein Freigänger ist. Auch die Tiere führen dann ein ruhigeres Leben.

Wie viele Tiere konnten in diesem Jahr erfolgreich vermittelt werden?
Schütze: Wir haben für 178 Katzen und 92 Hunde ein neues Zuhause gefunden. Trotzdem sind unser Tierheim und unsere Pflegestellen immer noch rappelvoll mit Hunden und Katzen. Ohne die Pflegestellen wäre das alles gar nicht zu bewältigen.

Hunde und Katzen werden also am häufigsten von Ihnen aufgenommen?
Schütze: Ja, Kleintiere haben wir hier eher weniger – das ist in den Großstädten anders, weil dort die Zoohandlungen auch ganz anders bestückt sind. Die Heime dort laufen nach den Feiertagen über vor Hamstern und Zwergkaninchen.

Kommen vor Weihnachten viele Interessenten mit dem konkreten Wunsch, ein Tier als Geschenk für jemanden holen zu wollen?

Schütze: Ja, aber es hat glücklicherweise nachgelassen – wir sagen da auch sofort ’Nein’. Schließlich sind wir dem Tier verpflichtet und die Anschaffung sollte gut überlegt sein, nicht spontan passieren. Ich muss mir außerdem sicher sein, ob derjenige wirklich ein Tier möchte.

Wie reagieren die Interessenten auf ein ’Nein’?

Schütze: Ich muss sagen, dass die meisten schon einsichtig sind. Und wer nicht einsichtig ist, der geht eben wieder. Der hätte dann auch gegenüber dem Tier keine Einsicht gezeigt. Außerdem gibt es ja die Möglichkeit, sich einen Gutschein vom Tierheim ausstellen zu lassen, den man verschenken kann. Dann kann der Beschenkte nach dem Trubel der Feiertage selbst im Tierheim vorbei kommen und sich ein Tier aussuchen – wenn er es wirklich möchte!

Wenn die Weihnachtstage vorbei sind, steht wenig später der Silvesterabend an. Wie kann ich meinem Schützling den Abend trotz Böllern und Raketen erleichtern?

Schütze: Wichtig ist, die Tiere sicher zu verwahren – damit sie vor lauter Panik nicht wegrennen können. Gut ist ein ruhiger Raum, möglichst weg von der Straße. Jalousien runter, Vorhänge zu und das Tier in Ruhe lassen. Aber am besten sollte man ganz auf die Knallerei verzichten und das Geld sinnvoller verwenden.

Aber Gassi gehen muss ich mit meinem Hund ja auch am Silvestertag...

Schütze: Das sollte man auf jeden Fall machen, bevor der ganze Trubel los geht. Und den Hund unbedingt an der Leine führen!

Was wünschen Sie sich für das Tierheim-Jahr 2016?

Schütze: Ein großer Wunsch ist die Einführung des Paderborner Modells. Danach muss jeder, der eine Freigängerkatze oder einen -kater hat, sein Tier kastrieren und kennzeichnen lassen. In Brandenburg wurde das Modell bis jetzt nur in Luckenwalde eingeführt. Mein zweiter Wunsch ist eine generelle Besserstellung der Tierheime – unsere Mitarbeiter arbeiten am Limit. Die meisten sind Ehrenamtler, weil wir uns keine Festanstellungen leisten können.

Das Paderborner Modell

Paderborn hat 2008 als erste Stadt Deutschlands eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen und -kater eingeführt – das sogenannte „Paderborner Modell“.

Die Verordnung besagt , dass männliche und weibliche Freigängerkatzen ab dem 5. Lebensmonat kastriert werden müssen.

Ausgangssituation war , dass die Zahl der im Stadtgebiet Paderborn ausgesetzten, herrenlosen und verwildert lebenden Katzen in sehr starkem Maße zugenommen hatten. Die betroffenen Tiere pflanzten sich unkontrolliert fort und mussten teilweise unter erbärmlichen und tierschutzwidrigen Umständen ihr Leben fristen.

250
weitere Städte sind dem Paderborner Vorbild bereits gefolgt – in Brandenburg wurde das Paderborner Modell bislang nur in Luckenwalde eingeführt.

Von Josephine Mühln

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