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Havelland Die Suche nach dem digitalen Ich und Du
Lokales Havelland Die Suche nach dem digitalen Ich und Du
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09:05 04.05.2016
Auf „Considercologne“ bei Youtube gibt es allerhand Stylingtipps. Quelle: Youtube
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Havelland/Oberhavel

„Be what you want to be“ – Sei, was du sein möchtest. So steht es in kunstvollem Graffiti auf der Front der Turnhalle des Falkenseer Lise-Meitner-Gymnasiums geschrieben. Aber natürlich haben Jugendliche Schulpflicht. Das Leben als Popstar muss also warten. Oder doch nicht? Gefühlt ist das Internet voll mit jungen Menschen, die zwischen Frühstücksmüsli und Theater-AG den Durchbruch schaffen.

Troye Sivan, Jahrgang 1995, krempelte von der Videoplattform Youtube die Märkte um: Film, Musik, Webvideokunst. Das Portfolio ist so breit wie sein Schmunzeln. In Australien gestartet, gibt er mittlerweile auch in Deutschland Konzerte – alles ausverkauft.

„Was mit Fabian“ heißt ein Youtube-Kanal, vermarktet von Radio Bremen. Quelle: Youtube

Auch hierzulande blühen und glühen die Online-Phänomene. Spieler, Schminker, Bäcker, Bastler, Sänger und Quatscher – oder eben die Allesmacher. Am Anfang steht dabei oft ein unbeholfen zusammengebasteltes Video mit schrottigen Effekten. Stars der ersten Stunde: „Die Außenseiter“ oder „Y-Titty“. Mittlerweile ist die deutsche Webvideo-Szene gewachsen und vielseitiger.

Die Berufsperspektive „Videokünstler“ klingt zwar nach 20 Jahren Design-Ausbildung, ist an sich aber greifbar für Hinz und Kunz – sei es als Nebenverdienst oder wahre Profession. Dazu gehören oft auch eine eigene Modelinie, Werbeverträge oder Talkshow-Auftritte. Das kommt an und schindet Eindruck bei den Gleichaltrigen. Allzu nahbar erscheint der Star auf dem Bildschirm, hat man sie oder ihn doch immerhin seit Jahren online begleitet.

Y-Titty gehörten zu den Pionieren der professionellen Youtuber. Quelle: Youtube

Diese Attitüde bringt unterschiedliche Dinge ins Rollen: Zum Beispiel halten viele junge Menschen sich und ihren Input für absolut unentbehrlich im Social-Media-Universum, tröten „Inhalte“ durch die Gegend, ungefiltert, unreflektiert, selbstgefällig. Hauptsache Klicks und gesehen werden.

Charlotte (14), Lisa (13) und Hilde (13) vom Lise-Meitner-Gymnasium sind ziemlich genervt von digital überpräsenten Leuten. Die drei sind am liebsten auf dem Foto-Portal Instagram unterwegs. „Also, was zum Beispiel gar nicht geht, sind diese ganzen like-geilen Personen. Schau mich an, klick mein Zeug. Spam Spam Spam“, sagt Charlotte. Die Mädchen würden sich selbst eher als passive Instagram-Nutzer bezeichnen. Viel schauen, wenig posten. Charlotte zum Beispiel hat was für Landschaften übrig, Hilde für süße Tiere. Lisa hat ein Auge für’s Schöne und die Kunst. Stumpfe Bilder von sich, sich und sich, darauf verzichten sie gern.

„Einen Tag offline war ich irgendwann im Winter 2015 das letzte Mal“, schätzt Hilde. Im Gegensatz zu einigen Mitschülern könnten sich die drei aber durchaus vorstellen, auch mal eine Zeit lang ganz auf das Online-Sein zu verzichten, wenn es denn sein muss. Die drei stellen damit wohl mittlerweile eine Ausnahme dar in ihrer Altersgruppe.

Bei aller Aufdringlichkeit und fehlendem Schamgefühl muss man dem neuen Zeitgeist eines zu Gute halten: Es ist doch genau diese Haltung, die es braucht, um Großes hervorzubringen. Ambition, Motivation, Visionen und eine Schippe Hochmut. Treffen diese Eigenschaften auf Talent, stehen die Chancen sogar gut, mehr zu sein, als der schillernde Witz der Stunde.

Auf dem Youtube-Kanal „Dickermannfilme“ aus Oranienburg geht es um Videospiele. Quelle: Youtube

Übrig bleibt aber eine hysterische Basis, die als überengagierter Katalysator kostenlos die PR-Arbeit für die Online-Talente übernimmt. Fan-initiiete Crowdfunding-Kampagnen, organsierte Massen-Events, Social-Media- Feldzüge auf Profi-Ebene. Und warum all das? Es scheint, als hätte sich eine neue Art der Popularität etabliert: geteilte Berühmtheit, wenn man so will. Dein Erfolg ist mein Erfolg. Ich mach dich groß, nimm du mich mit. Eigentlich ein schönes Konzept, wenn auch getragen von der Tristesse der Durchschnittlichkeit: Dein Image lass abfärben auf mein Profil.

Natalie (17) aus Falkensee beispielsweise ist Fan des Youtubekanals „Considercologne“. „Mir gefällt die Natürlichkeit und die Inspiration“, sagt sie. Auf der Seite geht es um den Look, um Friseuren, Produkttipps und mehr. Für Natalie ist es eine künstlerische Freiheit, sich so in Videos auszudrücken.

Aber es gibt auch schon eine Übersättigung. „Wenn es jeder macht, ist es nichts besonderes mehr“, sagt Florian (19) aus Falkensee. „Wenn es irgendwelche ,Wannabes’ machen, ist das Ganze nicht besonders interessant.“ Dennoch findet auch Florian diese Art der Selbstdarstellung gut. „An sich ist es ganz cool“, sagt er.

Auch Tony (19) aus Grüneberg im Löwenberger Land nutzt solche Kanäle, „um immer up to Date zu sein.“ Er verfolgt die Youtube-Videos der Berlin Recycling Volleys. Tony kann dem Treiben im Netz viel abgewinnen. „Viele Menschen lernen von diesen Darstellern neue Dinge kennen. In der Schule werden solche Videos ja auch schon verwendet.“

Aber ließe sich der breiten Masse ein gewisses Angeödet sein vom eigenen Alltag unterstellen? Der Wunsch nach ein bisschen Glitzer und Bling-Bling, morgens 7.15 Uhr im Bus zur Schule. Dabei stets im Kopf die Worte auf der Wand der Falkenseer Turnhalle: „Sei, was du sein möchtest.“ Und dazu im Kanon die Worte der Eltern: „Aber erstmal Abi!“

Von Carolin Makus, Elisa Schütz und Robert Tiesler

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