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Die Zukunft ist bunt und womöglich nass

Gewagte Prognose: Semlin im Jahr 2041 Die Zukunft ist bunt und womöglich nass

Im Jahr 2041 feiert Semlin seinen 600. Geburtstag. Bis dahin vergeht noch eine Menge Zeit. Doch es gibt tatsächlich Menschen, die sich bereits heute Gedanken über das künftige Erscheinungsbild des Örtchens machen. So hat der Schriftsteller Martin Keune nun ein äußerstspannendes Zukunftsbild Semlins gezeichnet.

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Wenn die Polkappen schmelzen: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Semliner Kirche 2041 im Wasser steht, gibt Martin Keune mit 25 Prozent an.

Quelle: M. Keune

Semlin. Ende der 1940er-Jahre begab sich Eric Arthur Blair, besser bekannt als George Orwell, auf eine gedankliche Zeitreise und malte in seinem utopischen Roman „1984“ ein ziemlich düsteres Bild unserer Gesellschaft. Ähnlich beklemmend wirken auch die Bilder in Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“, entstanden 1968. Da möchte man doch lieber mit Michael J. Fox „Zurück in die Zukunft“ und in das Jahr 2015 reisen, um mit einem Hoverboard über dem Asphalt zu schweben oder in ein fliegendes Auto einzusteigen.

Der Blick in die Zukunft fasziniert bis heute. Inzwischen müssen wir uns aber damit abfinden, dass Autos noch immer nicht fliegen können. 2015 ist keine Utopie mehr, sondern Realität. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht in 25 oder 30 Jahren. Wie dann das Havelland und insbesondere das Dorf Semlin aussieht, darüber hat sich der Autor der Semliner Hefte, Martin Keune, Gedanken gemacht. Die 20. Ausgabe nahm er zum Anlass einen Blick in das Jahr 2041 zu werfen. Dann feiert Semlin seinen 600. Geburtstag.

600. Geburtstag im Jahr 2041

Die Festrede könnte ein nigerianischer Bürgermeister halten, das hält Martin Keune jedenfalls für sehr wahrscheinlich. In einer von sechs Zukunftsskizzen beschreibt er Semlin als ein Multi-Kulti-Dorf mit Ärzten aus Syrien, dem Kosovo oder dem Kongo, die im Ärztehaus des Dorfes – in dem sich heute noch ein Tattoostudio befindet – die Wehwehchen der Landbevölkerung heilen und ihnen zugleich die Angst vor den Fremden nehmen. Eine Utopie, von der man hofft, dass sie genau so eintritt.

Das Semlin-Büchlein

Seit Ende 2010 erscheinen die „Semliner Hefte“ regelmäßig alle drei Monate im Eigenverlag von Martin Keune.
Heike Brett und Martin Keune graben dafür längst vergessene Dorfgeschichten aus, sammeln Rezepte oder lüften dunkle Geheimnisse.
Für zwei Euro gibt es die Hefte im Ferien- und Freizeithof Rausch, in der Buchhandlung Tieke und der Bio-Insel.

Weniger Vorfreude auf 2041 kommt dagegen auf, stellt man sich den idyllischen Ort komplett überflutet vor. Erreichbar nur noch auf dem Wasserweg, die Häuser verlassen, geplündert. Die alte Dorfkirche ragt aus gut anderthalb Meter trübem Wasser, ein „Morast aus Trümmern, giftigen Blaualgen und schwimmendem Müll“. Auch die Vorstellung, Semlin könnte sich in 25 Jahren in einen riesigen Vergnügungspark mit künstlichem Vulkan, feuerspuckendem Seeungeheuer und einer Großraumdisco mit Dauerbeschallung wandeln, sorgt eher für Zukunftsangst als Euphorie. Lässt man die düsteren Bilder, die Keune zeichnet, auf sich wirken, verspürt man unweigerlich den Drang, zum Semliner Strand zu eilen, sich auf den Rasen zu werfen und mit allen Sinnen zu spüren, dass doch noch alles beim Alten ist – havelländische Dorfidylle pur.

Straßen aus Solarzellen

Aber – und das ist die Botschaft dieses Semliner Heftes – um die Weichen für die Zukunft zu gestalten, gilt es schon jetzt, sich mit Optionen und Gefahren auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch das Sinnieren über technische Errungenschaften, die das Leben bereichern könnten. Was für Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ die Hoverboards (eine Art schwebendes Skateboard) sind in Keunes Utopie die Induktionsbretter, auf denen seine Urenkel von Rathenow nach Semlin gleiten. Der Name klingt wenig attraktiv, die Idee dahinter umso mehr: Ganze Stadtteile werden mit Straßenbelag aus Solarzellen ausgestattet, die ihren Strom nur ein, zwei Tage speichern und das meiste gleich wieder als Induktionsstrom freigeben.

Bleibt zu hoffen, dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch auf diesen Brettern durch das Dorf sausen kann, sonst ist ja all das Warten auf diese schöne Utopie für die Katz. Bis dahin können sich die Semliner mit der Lektüre der Semliner Hefte die Zeit vertreiben. Denn eines steht fest, den Autoren gehen die Ideen nicht aus.

Von Christin Schmidt

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