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Die berühmteste Stimme des Havellands

Countertenor Jochen Kowalski hat seine Autobiografie im Schillertheater vorgestellt Die berühmteste Stimme des Havellands

Jochen Kowalski hat einen eigenen Humor. Angesprochen auf seine Rolle als Kammerdiener Nireno, gestand er, eine Weile überlegt zu haben, ob er das manchen soll. "Aber so ist eine Karriere, man fängt an als Kammerdiener und, naja, in einem gewissen Alter ist man wieder Kammerdiener."

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Erst singen, dann reden: Jochen Kowalski.

Quelle: Marlies Schnabel

Berlin/wachow. Jochen Kowalski ist in "einem gewissen Alter". Der weltberühmte Countertenor, Sohn eines Fleischers aus Wachow, wird bald 60 Jahre alt und da haben ihn viele "sanft gedrängt", doch eine Autobiografie zu schreiben. Die hat er am Sonntag vorgestellt. 200 Zuhörer erlebten eine äußerst charmante, unterhaltsame Stunde.

Daran hatte auch das Salonorchester Unter'n Linden seinen Anteil, es spielte an diesem Vormittag im Gläsernen Foyer des Berliner Schillertheaters, begleitete den Sänger bei der Arie des Nireno. Die hört man sonst nur bei Salzburger Festspielen, wo Händels Oper "Julius Cäsar" nämlich ungekürzt aufgeführt wird. Ansonsten wird die Rolle des Kammerdieners gern gestrichen. Wie schade, meinten alle Zuhörer am Sonntag. Sie erlebten einen gut aufgelegten Jochen Kowalski, der nach der musikalischen Begrüßung Susanne Stähr Rede und Antwort stand. Sie ist Dramaturgin der Hamburger Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen, hat bereits mehrere Bücher verfasst. Mit Jochen Kowalski hat sie seine Autobiografie als Gesprächsbuch gestaltet. Lebhaft wie das Buch wurde auch das Gespräch der beiden.

Über Lehrjahre als Requisiteur an der Deutschen Staatsoper: Was für große Namen hat er da erlebt. Über Kindheit im havelländischen Wachow: mit Westfernsehen und den Segnungen eines Grammophons. Über das Studium an der Musikhochschule "Hanns Eisler" Berlin: Beim ersten Bewerben durchgefallen. Über seine erste Westerfahrung: Triumph für die Komische Oper und Kowalski als Giustino in Händels gleichnamiger Oper ‒ 35 Minuten Schlussapplaus. Über seinen Auftritt auf der Festveranstaltung zum 40. Jahrestag der DDR: "Ich sang Händel und starrte auf Arafat."

Heiteres und Ernstes kam zur Sprache. Der liebste Ort der Welt? Pankow. Die Paraderolle? "Naja, profan gesagt, meine Eigentumswohnung konnte ich mir von den Gagen des Orlofsky kaufen." Kowalski war der erste Countertenor, der diese Rolle in der "Fledermaus" gesungen hat. Mit Riesenerfolg in Berlin, Wien, London und auch an der Metropolitan Opera in New York.

Nach schwerer Krankheit war es 2003 Kammersängerin Jutta Vulpius, die ihn wieder zum glanzvollen Singen brachte. "Jedes Alter hat sein Repertoire", sagt er, er singt weiterhin Händel, aber auch russische Romanzen, wie im Pique-Dame-Programm mit Dieter Mann, oder Eulenburgs Rosenlieder beim Liebenberger Musiksommer. Das "komische Datum", wie Jochen Kowalski es nennt, kommt am 30. Januar 2014. Dann wird der Sänger arbeiten, wer mag kann ihn an dem Abend mit dem Salonorchester im Berliner Tipi erleben. Im nächsten Jahr ist der berühmte Sänger auch zwei Mal im Havelland zu hören: im Mai in der Rathenower Kirche und im Juni auf Schloss Ribbeck.

Von Marlies Schnaibel

Das Buch "Der Countertenor Jochen Kowalski" ist im Bärenreiter-Henschel-Verlag erschienen, 192 Seiten, 60 Abbildungen, 24,95 Euro.

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