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Die erste technologisch geschaffene Frau

Transgender im Kino Die erste technologisch geschaffene Frau

„Wie Lili zu einem richtigen Mädchen wurde“ lautet der Titel der Doktorarbeit, mit der die gebürtige Rathenowerin Sabine Meyer 2015 promovierte. Grundlage für ihre Arbeit ist die Geschichte des dänischen Künstlers Einar Wegener, der als Lili Elbe seine Weiblichkeit entdeckt. Als wissenschaftliche Beraterin wirkte Meyer am Film „The Danish Girl“ mit, der jetzt im Kino läuft.

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Schauspieler Eddie Redmayne als Lili Elbe in „The Danish Girl“, einem eindringlichen Film über Transgender.

Quelle: Universal Pictures

Rathenow. In Sabine Meyers Doktorarbeit geht es um Transgender, um Menschen, die im falschen Körper stecken am Beispiel der Lili Elbe. Anders als man vermuten könnte, lebt diese aber nicht im 21. Jahrhundert, in dem Geschlechtsumwandlungen kein Tabuthema mehr sind. Elbe, Jahrgang 1882, war eine der ersten intersexuellen Menschen, die sich 1930/31 einer geschlechtsangleichenden Operationen unterzogen. Als Einar Mogens Wegener in Dänemark geboren, als Lilie Elbe 1931 in Dresden infolge postoperativer Komplikationen gestorben.

Sabine Meyer stieß während ihres Auslandssemester 2007 in Dänemark zufällig auf Lili Elbe. Ein Jahr später begann sie, sich intensiv mit dem

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Quelle: Sven Wehner

Thema auseinanderzusetzen. Wie ihre Arbeit deutlich macht, wurde Lili Elbe schon zur Weimarer Zeit zur Projektionsfläche für öffentliche Verhandlungen von Geschlecht und Identität. Vermeintlich als Mann geboren und operativ transformiert avanciert Elbe 1931 zum Sinnbild moderner Medizin: perfekter Hermaphrodit und erste technologisch geschaffene Frau zugleich. Meyers transdisziplinäre Studie nimmt sich der komplexen Zusammenhänge hinter der Projektion umfassend an und eröffnet neue und kritische Perspektiven.

Der Film zur Geschichte der Lili Elbe

Weniger kritisch als vielmehr unterhaltend geht der Regisseur Tom Hooper an die Figur Lili Elbe heran. In „The Danish Girl“ erzählt er nicht nur die Geschichte von Einar Wegener – gespielt von Oscar-Preisträger Eddie Redmayne – sondern rückt zudem die Beziehung zu dessen Frau Gerda (Alicia Vikander) in den Mittelpunkt. Das Paar lebt ein bewegtes Künstlerleben im Kopenhagen der zwanziger Jahre. Gerda findet in ihrem Mann die Muse, die sie zu Meisterleistungen inspiriert. Sie ist es, die Einar als weibliches Modell inszeniert und damit in ihm den unbändigen Wunsch auslöst, ganz als Frau zu leben. Als Vorlage für den Film diente der gleichnamige Bestseller von David Ebershoff.

„15 Jahre lang versuchte die Produzentin den Stoff umzusetzen. Es scheiterte aber stets an der Finanzierung“, verrät Sabine Meyer. Woher sie das weiß? Meyer hat selbst an der Entstehung des Films mitgewirkt. Als wissenschaftliche Beraterin hat sie Drehbuch und Pressematerial bearbeitet, das Team gecoacht und für das Thema sensibilisiert. Von ihrem profunden Wissen werden nun auch die Rathenower profitieren. Nachdem „The Danish Girl“ im September bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig Premiere feierte, läuft das Stück nun auch in deutschen Kinos.

Eine Kulturwissenschaftlerin referiert im Haveltorkino

Am 21. Februar zeigt das Haveltorkino in Rathenow um 17 Uhr „The Danish Girl“. Zu Gast ist dann auch Sabine Meyer, die ihrer Heimatstadt einen Besuch abstattet und das Kinopublikum mit einem Vortrag in das Thema einführt. Zudem steht sie nach dem Film in einer Diskussionsrunde als Gesprächspartnerin zur Verfügung. Ob Rathenow für dieses Thema bereit ist? „Ich bin mir sicher, dass auch hier offene Menschen gibt“, sagt Sabine Meyer.

Im falschen Körper geboren

Der Begriff „Transgender” bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Sie fühlen sich wie ein Mann, wurden aber als Frau geboren oder umgekehrt.

Die Schätzungen, wie viele Transgender es in Deutschland gibt, gehen weit auseinander. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität geht davon aus, dass mindestens einer von 1000 Menschen hierzulande vollständig die Geschlechtsrolle wechselt.

Als transidenter Mensch wird man geboren, festgelegt bei der Entwicklung im Mutterleib.

Es gibt sowohl Frauen, deren psychologisches Geschlecht männlich ist als auch Männer, deren psychologisches Geschlecht weiblich ist.

Transidentität lässt sich weder anerziehen noch kann man es wegtherapieren.

Die Transgender-Eigenschaft ist ebenso wie Transvestitismus unabhängig von der sexuellen Orientierung. Es ist also ein Irrglaube, dass Transgender und Transvestiten auch zwangsläufig homosexuell wären.

Unter Transvestitismus versteht man das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts.

Von Christin Schmidt

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