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Havelland Die ganze Welt am Sanddornstrauch
Lokales Havelland Die ganze Welt am Sanddornstrauch
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07:38 01.09.2016
Teamleiterin Clara Hirschmann (links) und die freiwilligen Helfer aus der ganzen Welt. Quelle: Laura Sander
Berge

Gekonnt schneidet Lanfranco Covià aus Italien Ast für Ast von den großen Sanddornsträuchern und reicht sie seinen Mithelfern. Die zerschneiden die piksenden Äste in mühevoller Handarbeit. Insgesamt 1,5 Tonnen Sanddorn erntet der Jugendhof in Berge, auf dem derzeit 10 freiwillige Helfer aus der ganzen Welt zu Gast sind, in nur drei Tagen. Für die 15 Bewohner des Jugendhofes und die jungen Freiwilligen aus Deutschland, der Türkei, Mexiko, Kirgistan, Italien und Spanien eine Arbeit, die zusammenschweißt. „Anschließend wird der Sanddorn schockgefrostet und abgeholt. Aus unserem Sanddorn wird Saft und Mus gemacht“, so Jugendhofleiterin Gudrun Klinner.

Freiwillige kommen seit knapp 20 Jahren

Bereits seit 1998 kommen einmal im Jahr Freiwillige auf den Hof und stellen die verschiedensten Projekte mit den Jugendlichen, die oft aus schwierigen Verhältnissen kommen, auf die Beine. Für Lanfranco Covià ist es bereits das zweite Jahr in Folge und auch für Teamleiterin Clara Hirschmann aus Erlangen ist es schon das zweite Workcamp für die gemeinnützige Organisation Service Civil International (SCI). „Insgesamt sind wir drei Wochen auf dem Jugendhof, am Freitag findet leider bereits das große Abschiedsessen statt.

Hilfe aus der ganzen Welt. Quelle: Laura Sander

Es gibt türkisches Brot, mexikanische Tacos und einen deutschen Nachtisch“, so die 22-jährige Studentin. „Ich halte die Freiwilligenarbeit für eine gute Sache und habe großen Spaß mit den internationalen Leuten“, sagt Hirschmann und lässt die kleine Gartenschere zuschnappen.

Nachhaltigkeit

Während ihrer Zeit im Havelland unternahm die Gruppe Ausflüge nach Berlin und Potsdam. Und auch der Landwirtschaftsbetrieb Agro-Farm in Neukammer war Ziel der Freiwilligen. „Hier konnten sie mit der Besichtigung der Biogas- und Photovoltaikanlage vieles über Nachhaltigkeit und erneuerbare Energie lernen. Sie zeigten sich sehr interessiert“, so Klinner. „Außerdem bringen die jungen Freiwilligen immer gute Stimmung auf den Hof. Ich habe das Gefühl, dass unsere Bewohner dann so richtig aufblühen und sich besonders viel Mühe geben“, sagt die Leiterin, die bis Mai ausschließlich Jungen in Berge aufnahm.

Die Freiwilligen hatten viel Spaß bei der Ernte. Quelle: Laura Sander

„Jetzt wohnen auch zwei Mädchen bei uns“, so die psychologische Leiterin Jessika Nitzschker. „Die Nachfrage ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen und wir haben uns entschlossen es zu versuchen. Für die Jungen ist es toll, dass jetzt auch Mädchen auf dem Hof sind – so kommen sie in Kontakt und sind nicht so unbedarft und überfordert, wenn sie irgendwann nicht mehr hier wohnen“, sagt Nitzschker weiter. „Wir haben ein drittes Haus aufgemacht und mehr Personal eingestellt. Bislang läuft es ganz gut“, so Leiterin Gudrun Klinner, die auch im Bereich betreutes Wohnen einen Erfolg verzeichnen kann.

Selbstgemachtes

Aus Pflaumen, Äpfeln und Birnen von Fallobstwiesen rund um den Jugendhof stellen die Jugendlichen mit ihren Betreuern Mus und Marmelade für den Eigenbedarf her.

Am 17. September feiert der Jugendhof ab 14 Uhr gemeinsam mit der Gemeinde Berge ein Erntedankfest. Nach dem Gottesdienst versorgt der Hof die Gäste mit Essen und Obstkuchen.

„Ein Junge, der insgesamt vier Jahre bei uns auf dem Hof gelebt hat und damals mit einer sehr schlechten Sozialprognose zu uns gekommen ist, hat eine feste Anstellung als Tierpfleger in Ribbeck. Er ist jetzt 19 Jahre alt und weder süchtig, noch obdachlos oder kriminell“, so Klinner, die verstärkt auch Anfragen für Jugendliche zur Haftvermeidung erhält. „Sie kommen aus ihrem gewohnten Umfeld zu uns und erleben einen ganz anderen Tagesablauf. Die Arbeit mit unseren Schafen, Ziegen, Kaninchen und Pferden hilft ihnen sehr – seitdem die beiden Mädchen bei uns sind, gibt es auch wieder mehr therapeutische Reitstunden, weil sie sich dafür einfach mehr interessieren, als unsere männlichen Bewohner“, sagt Klinner.

Von Laura Sander

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