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Havelland Diese Frau übernimmt die Schloss-Geschicke
Lokales Havelland Diese Frau übernimmt die Schloss-Geschicke
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00:18 13.05.2017
Das neue Dienstort von Evelyn Friedrich ist das Paretzer Schloss. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Paretz

Noch ist Evelyn Friedrich gar nicht richtig in Paretz angekommen. Neue Umgebung, neue Leute, neue Kollegen und ein Haus, das von einem prunkvollen Königshaus weit entfernt ist. „Schloss Paretz ist ein besonderer Kosmos. Den muss ich erstmal erkunden“, sagt die 57-Jährige. Eines habe sie aber schon mitbekommen in den wenigen Tagen: „Es ist hier sehr ruhig, zu ruhig. Das möchte ich ändern.“

Seit 1. April leitet Evelyn Friedrich den Betrieb im Schloss Paretz. Sie hat Lokalmatador Matthias Marr abgelöst, der in den Ruhestand gegangen ist. „Trotzdem hat er sein Büro noch bei mir nebenan in der oberen Etage, und darüber bin ich sehr froh, weil er mir natürlich viele Tipps geben kann“, ergänzt die neue Schlossherrin. Das Büro nebenan gehört dem Verein Historisches Paretz, dessen Vorsitzender Matthias Marr ist.

Die Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung hat Evelyn Friedrich, die Facharbeiterin für Dekoration gelernt hat, später Meister für Bühnentechnik war und zuletzt als Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros die Planung des Spielbetriebs am Theater Potsdam inne hatte, nach Paretz verschlagen. Ich wollte mich mit 57 Jahren einfach noch mal verändern und habe mich bei der Stiftung beworben. Nun bin ich hier.“

Zuvor arbeitete sie sechs Jahre, auch schon bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, als Schlossassistentin in der Orangerie und in den Neuen Kammern im Park Sanssouci. „Meine Aufgaben, den laufenden Betrieb zu organisieren, waren ähnlich wie jetzt in Paretz, aber vom Volumen, von der Veranstaltungsanzahl her ist es nicht vergleichbar“, schätzt sie ein.

Das Paretzer Schloss hatte sich Evelyn Friedrich lange vor ihrer Entscheidung zum Arbeitswechsel mehrfach angesehen. „Nur als Besucher“, betont sie und ergänzt: „Andere Schlösser, zum Beispiel Babelsberg, sind nichts für mich, weil ich die Zeit des 18. Jahrhunderts mag, weil die Geschichte spannend ist. Und nicht umsonst haben sich König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise für ihren Landsitz diesen Flecken Erde in Paretz ausgesucht.“

Aus ihrer Sicht sollten die „wunderbare Kutschenausstellung in der Remise und die Kunstausstellung mit den berühmten Papiertapeten mehr beworben werden“. Sie weiß, dass die Besucherzahlen aus 2010 mit der Ausstellungstrilogie zum Luisejahr wohl kaum wieder zu erreichen sind: Damals kamen genau 79 792 Leute ins Schloss. „Aber wir müssen uns hier im ländlichen Raum mit anderen Anbietern besser vernetzen und gemeinsame Angebote schaffen, damit mehr Gäste kommen“, sagt Friedrich.

Sie denkt dabei sowohl an den Tourismusverband Havelland, an das Schloss Ribbeck und an kleinere regionale Unternehmen im Bereich Tourismus. Das werde sie in den nächsten Wochen und Monaten angehen, wenn sie sich mit dem Schloss selbst vertraut gemacht hat. Wobei erstmal nicht geplant sei, selbst Führungen zu machen, so wie es Matthias Marr getan hat.

Zum Team um Evelyn Friedrich gehören zehn Leute – neben der langjährigen Mitarbeiterin Kathrin Hahn auch Kassierer, der Wachschutz, der Hausmeister, Reinigungskräfte und natürlich die Schlossführer. „Den Luxus einer individuellen Führung können die Besucher in Paretz genießen. Dafür muss man sich, außer an Wochenenden vielleicht, nicht anmelden, sondern einfach an der Kasse bescheid sagen und eventuell ein wenig Wartezeit einplanen“, sagt Friedrich.

Einen dringenden Wunsch hat die neue Paretzer Schlossherrin: „Das leerstehende, graue, aus DDR-Zeiten stammende Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses müsste schnellstmöglich abgerissen werden.“ Dort war der Sutter-Telefonbuchverlag bis zu seinem Umzug nach Potsdam im Vorjahr untergebracht. „Wenn 2018 der Grottenberg im Schlosspark (Tempelruine und Grotte) renoviert und restauriert wird, sollte freie Sicht geschaffen sein“, hofft sie.

Noch hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg als Eigentümer des Gebäudes keine Entscheidung über den Zeitpunkt des Abrisses getroffen.

Von Jens Wegener

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