Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Dieser Imker wirbt für seine Passion
Lokales Havelland Dieser Imker wirbt für seine Passion
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:37 21.10.2016
Mit Sammelleidenschaft: Biene bei der Arbeit.  Quelle: Foto: dpa-tmn
Anzeige
Falkensee

 Der Falkenseer Rolf Bremer hat ab 1970 die Bienenschutzstelle der DDR in Hohen Neuendorf geleitet, er unterrichtete zur Bienengesundheit an der Humboldt-Universität und an der Freien Universität Berlin. Nun ist mit ihm ein Lehrgang im Havelland geplant.

Ralf Bremer in seinem Falkenseer Garten. Quelle: Marlies Schnaibel

 Der Imkerverein Falkensee bereitet einen Lehrgang „Honigbienen in der Stadt“ vor. Warum?

Rolf Bremer: Wir wollen Grundwissen über die Bienenhaltung vermitteln und erreichen, dass sich mehr Menschen für dieses Thema und die ökologischen Zusammenhänge interessieren.

Immer wieder werden bedrohliche Szenarien entwickelt – ohne Bienen, kein Leben, wie ist die Situation der Bienen?

Bremer: Die Honigbiene bevölkert seit fast 70 Millionen Jahren die Erde, sie hat auf viele extreme Veränderungen reagiert wie Eiszeit oder Trockenheiten. All das hat sie überstanden. Aber in der heutigen Kulturlandschaft ist der Bestand von Bienenvölkern ohne die Hilfe des Menschen gefährdet. Im westlichen Europa gibt es keine wild lebenden Honigbienen-Völker mehr.

Was macht den Bienen in unserer Kulturlandschaft so zu schaffen?

Bremer: Die Biene ist auf ein Nahrungsangebot vom frühen Frühjahr bis in den Herbst angewiesen. Aber die heutige Landwirtschaft bietet das oft nicht, die Förderpraxis der EU ist nicht unbedingt auf sinnvollen Anbau ausgerichtet. Die Diversität, die Pflanzenvielfalt, geht verloren. Dabei ist die Biene für die Landwirtschaft sehr wichtig. 80 Prozent der Pflanzen, die auf Fremdbestäubung angewiesen sind, brauchen dazu die Biene.

Wie reagieren die Tiere auf die Situation?

Bremer: Die Bienenhaltung verlagert sich aus den ländlichen Regionen in die städtischen Randgebiete. Die Gartenanlagen weisen oft noch die nötige Nahrungsvielfalt auf.

Wie viele Imker gibt es in Deutschland?

Bremer: Das meiste sind Freizeitimker, etwa 100 000 Bienenvölker werden gezählt. Im Land Brandenburg beschäftigen sich etwa 2300 Männer und Frauen als Imker. Bienenhaltung ist schön, man übernimmt aber auch Verantwortung.

Und in Falkensee?

Bremer: Der Imkerverein arbeitet seit 1941. Zu DDR-Zeiten waren die Imker unter dem Dach des VKSK, des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, organisiert, heute im Verein. Wir zählen rund 50 Mitglieder, aber nicht jeder hat Bienen. Wir schätzen, dass in Falkensee etwa 40 bis 50 Leute Bienen halten. Aber die Stadt könnte mehr vertragen.

Finden die Bienen in Falkensee und Umgebung genügend Nahrung?

Bremer: Im Altkreis Nauen ist insgesamt noch eine recht gute Situation mit Raps, Kastanien, Robinien, Linden, auch Ahorn und zunehmend Kornblumen. Aber wir mahnen in Falkensee immer wieder an, solche Arten zu pflanzen, die der Biene auch als Nahrungsangebot dienen können. Die Stadt ist also gut beraten, bei ihren Nachpflanzungen auf Bäume wie Linden und Ahorn zurückzugreifen. Auch den Gartenfreunden raten wir, nicht so stark auf Exoten und Koniferen zu setzen, sondern auf Obstbäume, Blütensträucher, Sommerblumen.

Was ist beim Imkern in der Stadt zu beachten?

Bremer: Da sind viele Standorte möglich. Ich rate allerdings davon ab, sich direkt neben einem Kindergarten niederzulassen. Die Flugrichtung ist zu beachten, eine Himbeerhecke zum Nachbarn kann verhindern, dass die Tiere zu flach über dessen Garten fliegen. Und beim Reinigungsflug im Frühjahr würde ich meinen Nachbarn freundlich vorher informieren.

Was tun, wenn der Nachbar Protest einlegt?

Bremer: Meist hilft ein freundliches Wort oder auch mal ein Glas Honig über den Gartenzaun. Ich bin in der Vergangenheit schon manches Mal bei juristischen Streitigkeiten als Gutachter eingesetzt worden, aber das kommt wirklich sehr selten vor. Vor drei Jahren gab es mal einen Fall in Schönwalde, der dann aber leicht beigelegt werden konnte. Natürlich gibt es Fälle, wo jemand lebensbedrohlich allergische Reaktionen auf Bienengift entwickelt, dann muss das berücksichtigt werden. Aber in unseren Gebieten ist Bienenhaltung im juristischen Sinne „ortsüblich“.

Es gibt mitunter Schnäppchenkurse „Imker in drei Stunden“. Was halten Sie davon?

Bremer: Wenig. Wir bieten ja gerade einen siebenteiligen Lehrgang an, um grundlegende Kenntnisse zu vermitteln. Die Bienenhaltung ist schön, aber auch eine ernsthafte Sache. Das Spektrum des Lehrgangs reicht von der Geschichte der Bienennutzung über anatomische Informationen bis zu Honiggewinnung, Krankheiten und dem Rechtsrahmen der Imkerei. Wir wollen den Menschen zeigen, worauf sie sich einlassen. Und wir wollen ihnen die Augen für unsere Natur öffnen.

Die Kurse werden seit 2010 angeboten, wie sind Ihre Erfahrungen?

Bremer: Das Interesse ist nach wie vor da. Zunehmend kommen auch Berufstätige, also längst nicht nur Ruheständler. Wir hatten sogar schon mal einen Entwicklungshelfer aus Ghana dabei. Manch Teilnehmer hatte als Kind in einer AG „Junge Imker“ gearbeitet und will nun daran anknüpfen.

Viele Menschen haben Angst vor Bienen, vor Bienenstichen.

Bremer: Ja, aber die Angst ist ziemlich unbegründet. Die Rassen sind auf Ertrag und Sanftmut gezüchtet. Werden sie richtig gehalten und verhält sich der „Bedrohte“ ruhig, passiert auch nichts.

Wurden Sie schon oft gestochen?

Bremer: In den letzten 45 Jahren schon einige Male, ich bin noch nicht immun geworden, aber bei einem Honigbrötchen ist der Schmerz vergessen.

Info: Der Imkerverein Falkensee führt ab 9. Februar einen Lehrgang durch. Anmeldung unter bremer-falkensee@t-online.de

 Interview: Marlies Schnaibel

Von Marlies Schnaibel

Mit der Firma Günter Schmidt aus Neukammer (Havelland) haben wohl schon die meisten Autofahrer aus dem Landkreis Bekanntschaft gemacht - vielleicht sogar, ohne es zu wissen. Denn das Unternehmen aus dem kleinsten Nauener Ortsteil ist im ganzen Kreis an vielen Baustellen für die Absicherung und Beschilderung von Baustellen zuständig.

21.10.2016

In Potsdams Ortsteil Groß Glienicke wächst der Unmut darüber, dass es bei den Verhandlungen zum teils gesperrten Uferweg „so langsam vorangeht“. Das sagt Ortsvorsteher Winfried Sträter (Groß Glienicker Forum) im Interview mit der MAZ. Er kritisiert das Krisenmagement des Potsdamer Rathauses.

21.10.2016

40 Falkenseer Kinder und Jugendliche proben derzeit den Märchenklassiker „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff. Schüler mit und ohne Bühnenerfahrung studieren in nicht einmal 14 Tagen Tänze, Textpassagen und Lieder ein und präsentieren das Ergebnis am letzten Ferienwochenende in der Falkenseer Stadthalle.

20.10.2016
Anzeige