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Dieser Polizist half dem Baby im RE 4 auf die Welt

Spontangeburt im RE 4 Dieser Polizist half dem Baby im RE 4 auf die Welt

Um 4.01 Uhr war Michael O. in den ersten Morgenzug gestiegen und hatte sich einen ruhigen Platz gesucht, um auf der Fahrt das zu tun, was Bahn-Reisende eben so tun: Dösen, lesen, den Gedanken nachhängen. Doch dann hörte er Schreie – und wurde zum Geburtshelfer.

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Michael O. aus Rathenow half am Freitag einer Frau im Zug, ein Kind zur Welt zu bringen.

Quelle: Bundespolizei

Rathenow. Fast jeden Tag sitzt der Rathenower Michael O. im Zug, um zu seiner Arbeitsstelle am Bahnhof Zoo in Berlin zu gelangen. Aber diesen Freitagmorgen wird er nicht so schnell vergessen. Denn aus dem Bundespolizisten wurde von einer Sekunde auf die andere ein Geburtshelfer. Und zwar ein äußerst erfolgreicher. Der 45-Jährige half einer hochschwangeren Frau, ihr Kind zur Welt zu bringen.

Die Fahrt im Regionalexpress der von der Odeg betriebenen Linie RE 4 hatte begonnen, wie jede andere: früh. Um 4.01 Uhr war Michael O. in den ersten Morgenzug gestiegen und hatte sich einen ruhigen Platz gesucht, um auf der Fahrt das zu tun, was Bahn-Reisende eben so tun: Dösen, lesen, den Gedanken nachhängen. Doch nach einer guten halben Stunde war es mit der Pendlerroutine vorbei: Hinter Wustermark drangen laute Schreie aus einem Nachbarabteil. Michael O. eilte herbei und hatte die Lage mit einem Blick erkannt. Eine hochschwangere Frau wand sich auf ihrem Sitz. Offenkundig hatten die Presswehen schon eingesetzt.

Die Frau schrie „Baby kommt“ und dann sei es auch schon da gewesen

Höchste Eisenbahn also, um im Bild zu bleiben. Der Polizist sprach zwei Frauen an und bat diese, ihm zu helfen. Gemeinsam führten sie die Schwangere in das Fahrradabteil des Zuges und legten die 32-Jährige, notdürftig auf eine Jacke gebettet, auf den Boden. Lange Zeit, sich auf das Ereignis vorzubereiten, hatten die Helfer nicht. „Baby kommt“, habe die werdende Mutter geschrien, berichtete Thorsten Peters, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Berlin. Und dann sei es auch schon da gewesen. Und weil Michael O. bei der Geburt seiner beiden Kinder dabei war, machte er auch jetzt alles richtig. Legte das Kind mit Nabelschnur auf den Bauch der Mutter und beruhigte, von seinen Helferinnen unterstützt, die erschöpfte Frau.

Woher die junge Mutter stammt, ist bisher nicht bekannt

Die Servicemitarbeiterin der Odeg hatte derweil einen Notruf abgesetzt und die Sanitäter zum Spandauer Bahnhof beordert. Als der Zug dort planmäßig um 4.46 Uhr einfuhr, wurde die Mutter mit ihrem frischgeborenen Mädchen und einem kleinen Sohn, der sie begleitete, in Empfang genommen und in ein Berliner Krankenhaus gebracht. Am Vormittag wurde die Bundespolizei von dort darüber informiert, dass die kleine Familie wohlauf sei. Verbunden mit einem großen Lob an das Helfertrio. Das habe alles richtig gemacht.

Über die Identität der 32-jährigen Mutter konnte die Bundespolizei keine Auskunft geben. Das Krankenhaus habe aus datenschutzrechtlichen Gründen den Wohnort der Frau nicht bekannt gegeben, sagte der Polizeisprecher. Man wisse nicht, ob sie aus Brandenburg, Berlin oder einem anderen Bundesland stamme.

Den Geburtsort müssen Rechtsexperten klären

Auch der Geburtsort des Kindes ist nicht ganz klar. Zugabteil, das ist sicher. Aber ob der Geburtsort in Brandenburg liegt – zwischen Wustermark oder Elstal, wo die Geburt geschah – oder in Berlin, wo dann die Nabelschnur durchtrennt wurde, müssen Rechtsexperten klären.

Für die Odeg ist es übrigens nicht der erste Fall einer Zug-Geburt. Am 1. April des vergangenen Jahres kam in einem Zug der RB 46 am Bahnhof Forst ein Baby zur Welt. Die Mutter hatte ihr Kind in der Zugtoilette entbunden.

Wer sich jetzt mit der Frage beschäftigt, ob der Polizist es noch rechtzeitig zum Dienst geschafft hat, für den hat Thorsten Peters auch eine Antwort parat. Wer auf dem Weg zur Arbeit bei einem Notfall Erste Hilfe leiste, für den beginne damit der Dienst. Demnach kann sich Michael O. für Freitag mindestens eine Überstunde anschreiben lassen. Aber solche Kleinigkeiten dürften allen Beteiligten reichlich egal gewesen sein.

Geburten im Zug

Zuggeburten sind eine Seltenheit, aber wer im Internet recherchiert, der stößt auf einige Fälle von Kindern, die im Bahnabteil das Licht der Welt erblickten.

In der Regel werden die Mütter im Nachhinein vom Streckenbetreiber mit einem Blumenstrauß geehrt. Eine Sprecherin der Odeg konnte am Freitag noch nicht sagen, wie man die Mutter beglückwünschen will, die ihr Kind im RE 4 zur Welt gebracht hat.

Besonders generös zeigte sich im Sommer 2013 die Deutsche Bahn. Ein Mädchen, das im Zug auf der Strecke zwischen Leipzig und Halle geboren worden war, erhielt eine lebenslange Freifahrkarte für das Nahverkehrsnetz der Deutschen Bahn in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Von Markus Kniebeler

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