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Havelland „Diskriminierung ist ein Zeichen von Angst“
Lokales Havelland „Diskriminierung ist ein Zeichen von Angst“
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00:31 20.05.2018
Die Regenbogenfahne ist das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. Quelle: dpa
Havelland

„Ich hatte das Gefühl, für die Einwohner war es viel exotischer, dass zwei Berliner in ihr Dorf ziehen und weniger, dass wir ein schwules Paar sind“, sagt Marcel Klose. Der 50-Jährige lebt seit 2003 mit seinem Mann in einem Dorf in der Nähe von Friesack und ist stellvertretender Landesvorsitzender der SPDqueer Brandenburg. Doch Klose weiß auch, dass Menschen, deren Lebensweise von der scheinbar „normalen“ abweicht, längst nicht immer so friedlich aufgenommen und akzeptiert werden.

Es geht vor allem um Aufklärung

„Laut einer Studie fühlen sich 43 Prozent der LSBTIQ*-Menschen in ihrer Familie Diskriminierungen ausgesetzt, noch einmal fast genauso viele haben dieses Gefühl in ihrer Freizeit oder der Schule“, erzählt Marcel Klose. Die komplizierte Abkürzung steht dabei für Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle sowie queere Menschen. Der Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie, der heute international begangen wird, möchte genau auf dieses Problem aufmerksam machen. Dabei geht es vor allem um Aufklärung. „Diskriminierung ist ein Zeichen von Angst, die Angst vor dem Unbekannten“, so Klose.

Stefan Sakreida (l.) und Marcel Klose setzen sich für mehr Akzeptanz im Havelland ein. Quelle: Danilo Hafer

Seit vergangenem Jahr gibt es in Brandenburg zwar einen Aktionsplan gegen Homophobie und Transphobie, der unter anderem zum Ziel hat, diskriminierungsfreie Räume in der Schule sowie im öffentlichen Raum zu schaffen, bei konkreten Anfragen bekommt Marcel Klose aber häufig die gleiche Antwort von den Schulen: „Das ist bei uns kein Thema.“ Dabei leben laut Klose im Havelland rechnerisch rund 12 000 LSBTIQ*-Menschen. Er glaubt daher, dass sich viele Lehrer und Schulleiter schlicht vor dem Thema scheuen, da sie nicht wissen, wie sie mit den Schülern darüber reden sollen oder nicht unnötig Aufmerksamkeit auf die Schule ziehen wollen.

Regenbogencafé Falkensee ist einziger Treffpunkt im Havelland

Dabei sind die Beratungsangebote und Anlaufstellen im Havelland rar gesät oder nicht existent. „Es gibt im Grunde nur eine geheime Szene, die sich privat trifft“, so Klose. Eine Ausnahme bildet das Falkenseer Regenbogencafé, das einmal im Monat im Interkulturellen Zentrum B80 stattfindet. Das Café soll Treffpunkt für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender sein, ist aber für jeden offen. Abwechselnd finden Lesungen, Filmvorführungen und andere kulturelle Angebote statt.

„Man muss offen darüber reden“

Regelmäßig mit dabei ist auch Stefan Sakreida. Der 50-Jährige lebt gemeinsam mit seinem Mann, einem lesbischen Paar und zwei Kindern als Regebogenfamilie in Falkensee. „Ich finde Falkensee hat einen offenen Geist, wir haben hier nie Probleme gehabt“, erzählt der 50-Jährige, der ursprünglich aus Niederbayern stammt. Negative Erfahrungen, wenn er mit seinem Mann Händchen haltend, wie jedes normale Paar, durch Falkensee läuft, habe er noch nicht machen müssen. „Man muss einfach offen darüber reden und dann ist die Neugierde der Menschen auch schnell befriedigt“, so Sakreida.

Das Regenbogencafé bietet dem 50-Jährigen eine gute Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten und Interessierten auszutauschen. Immer wieder treffen sie auch auf neugierige Fragen. „Vor allem viele ältere Menschen fragen mich häufig, wer der Mann und wer die Frau in der Beziehung ist“, erzählt Marcel Klose.

Es geht um den Menschen nicht um Sex

Eines nervt Stefan Sakreida und Marcel Klose bei der Diskussion um Akzeptanz, Aufklärung und gleiche Rechte für Schwule, Lesben und queere Menschen jedoch besonders. „Viele Leute beschränken das Thema nur auf den sexuellen Bereich, dabei geht es hier doch um Menschen, die einander lieben, Verantwortung für den jeweils anderen übernehmen und auch mal schlechte Zeiten durchmachen“, so Klose. Ein klares Zeichen, dass es bei der Aufklärung noch immer viel zu tun gibt.

Von Danilo Hafer

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