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Drama in Nauen: Die wichtigsten Antworten

Jäger schießt auf Pärchen im Feld Drama in Nauen: Die wichtigsten Antworten

Der Schock nach dem tödlichen Schuss eines Jägers auf Pärchen, das sich bei Nauen für ein romantisches Treffen in einem Maisfeld niedergelassen hat, sitzt weiter tief. Wir beantworten alle wichtigen Fragen rund um das Drama, bei dem ein Mann getötet und eine Frau schwer verletzt wurden.

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Am Mittwoch ist auf einem Feld nahe Nauen ein Mann von einem Jäger erschossen worden

Quelle: MAZ

Nauen.
Am Mittwochabend hat sich im Nauener Ortsteil Tietzow in einem Maisfeld ein wahres Drama abgespielt. In dem Feld hatte es sich ein Pärchen gemütlich gemacht, offenbar für ein romantisches Treffen. Wenig später fiel ein Schuss.

Wir beantworten alle wichtigen Fragen zu dem tödlichen Drama von Tietzow.

Was ist passiert?

Das Pärchen hatte sich in der Dämmerung in dem Feld niedergelassen. Offenbar für ein romantisches Treffen. Darauf deuten die Decke und ein Getränk hin, dass im Feld gefunden wurde. Kurz nachdem sich beide in dem Feld niedergelassen hatten, fiel ein Schuss.

Warum wurde geschossen?

Ein Jäger, der in der Nähe auf einem Hochsitz gesessen hatte, hörte ein Rascheln im Feld. Er vermutet ein Wildschwein und feuerte einen Schuss ab. Der Mann wurde dadurch tödlich verletzt, die Frau am Arm getroffen, sie musste notoperiert werden.

Wer sind die Opfer?

Der Mann ist der 31-jährige Norman G. Er soll in der nahegelegenen Pilzzuchtanlage gearbeitet haben. Er war außerdem ein äußerst beliebter Fußballer bei Blau-Weiß Groß Behnitz. Dort herrschte große Trauer und Entsetzen, nach dem der Verein von dem tödlichen Drama erfahren hatte.

>>> So trauert Norman G.s Fußballverein

Die Frau ist 23 Jahre alt, stamm aus Polen und soll als Saisonkraft in der Pilzzuchtanlage gearbeitet haben. Sie ist schwer am Arm verletzt worden und liegt derzeit noch im Krankenhaus.

Wer hat den Schuss abgegeben?

Geschossen hat nach jetzigem Ermittlungsstand ein 30-jähriger Jäger aus Brieselang, wo er als Bauunternehmer arbeitet. Er ist Vater zweier Kinder. Laut MAZ-Informationen hat er erst seit zwei Monaten einen Jagdschein.„Das sagt noch nichts über seine Routine aus, vielleicht ist er schon längere Zeit mitgelaufen“, sagt Udo Appenzeller, Obmann der Falkenseer Jäger, der auch viele Jäger ausbildet.

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft soll der 30-Jährige den Schuss aufgrund der tragischen Verwechslung abgegeben haben. „Wir haben bisher keine Anhaltspunkte für ein Eifersuchtsdrama und ermitteln wegen fahrlässiger Tötung“, sagte Nils Delius von der Potsdamer Staatsanwaltschaft. Sollte der 30-Jährige wegen fahrlässiger Tötung verurteilt werden, drohen ihm bis zu fünf Jahren Haft. Auch eine Geldstrafe ist möglich. In einer Polizeivernehmung hat der Jäger den tragischen Schuss bereits eingestanden. Als er seinen tödlichen Irrturm bemerkt hatte, rief er sofort einen Notarzt.

Der Mann wird in Brieselang als aufgeschlossener und hilfsbereiter Mensch beschrieben. Laut Bild-Zeitung soll gegen den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt werden.

Durfte der Jäger überhaupt schießen?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Auf der einen Seite dürfen Wildschweine das ganze Jahr über gejagt werden, es gibt keine Schonzeit (siehe Interview mit dem Landesjagdverband). Auf der anderen Seite muss sich ein Jäger absolut sicher sein, dass er auf ein Wildschwein schießt. Dazu müssen weitere Regeln eingehalten werden. Zum Beispiel muss der Jäger sicherstellen, dass die abgeschossene Kugel nicht unkontrolliert weiterfliegen kann, nachdem sie das Ziel getroffen. Sollte es zu einem Prozess kommen, dürfte die Frage, ob der Jäger überhaupt hätte schießen dürfen von enormer Wichtigkeit sein.

„Wenn ich mir nicht sicher bin, schieße ich nicht“

Interview mit Georg Baumann, Geschäftsführer des Landesjagdverbands Brandenburg.

Herr Baumann, ist die Wildschweinjagd zu dieser Jahreszeit zulässig oder gilt aktuell eine Schonzeit?

Wildschweine dürfen das ganze Jahr über gejagt werden. Vorsicht ist derzeit aber bei führenden Bachen geboten, den weiblichen Wildschweinen, die für die Aufzucht der Jungtiere verantwortlich sind. Deshalb muss ich als Jäger immer wissen, was vor mir steht.

War es richtig, vom Hochsitz aus zu schießen oder hätte der Jäger besser vom Boden aus schießen sollen?

Das spielt im Grunde keine Rolle, das oberste Gebot ist die Sicherheit! Dazu gehört auch, dass der Jäger sicherstellen muss, dass die Kugel nicht unkontrolliert weiterfliegt, abprallt oder zum Querschläger wird. Wenn man vom Hochsitz aus schießt, landet die Kugel im Boden. Ein Hochsitz bietet somit zusätzliche Sicherheit.

Welche ist die wichtigste Grundregel beim Jagen?

Wenn ich mir nicht zu 120 Prozent sicher bin, dann schieße ich nicht.

Interview: Josephine Mühln

Wem gehört das Feld, auf dem der tödliche Schuss fiel?

Das Feld gehört einem Mann aus Falkensee. Er kann das Feld an Jäger verpachten, die dann dort das Jagdrecht ausüben.

Wie reagiert der Jagdverband?

Der brandenburgische Jagdverband hat entsetzt auf das tödliche Drama reagiert und sich mit scharfen Worten von dem 30-jährigen Jäger distanziert. „Dieses Verhalten widerspricht allen Regeln und macht mich völlig fassungslos“, sagt Wolfgang Bethe, Präsident des Landesjagdverbands Brandenburg. Eine Erklärung des Jagdverbands im Wortlaut finden Sie hier.

Wie geht es weiter?

Der Jäger ist nach seiner Vernehmung entlassen worden, die angeschossene 23-Jährige konnte am Freitag vernommen werden. Wenn Staatsanwaltschaft und Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen haben, wird es zu einer Gerichtsverhandlung kommen. Damit ist aber erst in einigen Monaten zu rechnen.

Von MAZonline

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