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Havelland Drei Jahre Streit um die Windräder in Möthlitz
Lokales Havelland Drei Jahre Streit um die Windräder in Möthlitz
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02:16 17.07.2015
Der Möthlitzer Ortsvorsteher Uwe Litfin spricht von einer erheblichen Geräuschbelästigung. Quelle: Bernd Geske
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Möthlitz

Ob das Rauschen der Rotoren für die Einwohner störend ist? Der Möthlitzer Ortsvorsteher Uwe Litfin (Wählergemeinschaft Milower Land) atmet tief ein und sagt: „Die Geräuschbelästigung ist teilweise enorm.“ Besonders wenn der Wind aus Süden komme, töne es kräftig von den fünf Turbinen herüber – dieses schnell alternierende Rauschen.

Das am nächsten stehende Windrad sei nur 800 Meter vom Ortsrand entfernt, in der Straße der Technik zum Beispiel habe die Lebensqualität beträchtlich gelitten. Stört die Geräuschkulisse die meisten Möthlitzer oder haben sie sich mittlerweile daran gewöhnt? „Es kein tägliches Gesprächsthema auf der Straße“, erklärt Uwe Litfin, „aber dass wir uns damit abgefunden haben, kann man wirklich nicht sagen.“

Fünf Windräder bis zu 150 Meter Höhe

Vor drei Jahren ist bei Möthlitz der erste und immer noch einzige Windpark des ganzen Westhavellandes in Betrieb genommen worden. Errichtet wurden dort fünf Windräder, deren Rotoren bis zu 150 Meter in die Höhe reichen. Jedes einzelne hat eine Leistung von zwei Megawatt (MW). Bei einem Bürgerentscheid hatten sich die Möthlitzer schon in einer frühen Planungsphase mit großer Mehrheit gegen den Windpark ausgesprochen und auch die zuständige Gemeindevertretung Milower Land lehnte das Vorhaben an dieser Stelle ab.

Kurz nach der Fertigstellung hat die Baufirma den Windpark im Jahr 2012 an einen neuen Betreiber verkauft. Es ist die Genossenschaft „Elektra Baselland“ (EBL) aus der Schweiz. Mit der Betreiberfirma gebe es keine Probleme, berichtet Uwe Litfin. Es gebe gute Kontakte, die EBL spende regelmäßig für ortsansässige Vereine. „Wir sind nicht gegen Windenergie“, betont Uwe Litfin. Aber nicht an dieser Stelle und so nahe am Ort.

Er bekennt: Das Thema wühle ihn jedes Mal wieder emotional sehr tief auf. Einerseits sei da heute die ständige Geräuschbelästigung. Andererseits komme dadurch ständig neu die Erinnerung an die damalige Verfahrensweise wieder hoch. „Das Land hat einfach eine Baugenehmigung für den Windpark ausgestellt“, schimpft Uwe Litfin , „und damit in die Planungshoheit der Gemeinde eingegriffen.“ Die Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming habe damals stümperhaft gearbeitet und das chaotische Vorgehen setze sich auch heute noch fort.

Öko-Strom für über 4000 Haushalte

Der Windpark bei Möthlitz besteht aus fünf Anlagen, die einschließlich Rotoren 150 Meter hoch sind. Jede Turbine hat eine Leistung von zwei Megawatt (MW).

Betreiber ist die Genossenschaft „Elektra Baselland“ (EBL) aus der Schweiz, die den Windpark gleich nach der Fertigstellung von der Baufirma gekauft hat.

In den Jahren 2013 und 2014 hat der Windpark einen Energieertrag von rund 19 Millionen Kilowattstunden (kWh) erbracht.

Diese auf ökologische Weise produzierte Energiemenge würden reichen, um mehr als 4000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

„Die Situation ist heute schon wieder ähnlich wie damals“, sagt Milower-Land-Bürgermeister Felix Menzel (SPD). Gegen den Willen der Gemeinde weise der Regionalplan für den Raum Havelland-Fläming im Milower Land zwischen Großwudicke, Kleinwudicke, Schmetzdorf und Zollchow ein 640 Hektar großes „Eignungsgebiet“ für Windkraftanlagen aus.

Mit ihrem „Teilplan Wind“ hat die Gemeinde Milower Land sich dagegen für eine 72 Hektar große Fläche für Windanlagen zwischen Schmetzdorf und Sydow entschieden. Die Gemeinde bereite eine Normenkontrollklage gegen den Regionalplan vor, sagt Felix Menzel. Man sei nicht gegen die Windkraftanlagen, wolle sie aber wie einst im Fall Möthlitz an einem anderen Standort haben. Er merkt an: Käme der Regionalplan durch, dürfte übrigens der Windpark bei Möthlitz um noch eine Turbine erweitert werden.

„Die Ruhe hat unseren Ort früher ausgemacht“, blickt der Möthlitzer Ortsvorsteher Uwe Litfin zurück. Heute seien die Möglichkeiten zum Entspannen hier sehr stark eingeschränkt. Die Erfahrung zeige, dass die Windräder fast niemals still stehen. Am Abend ein paar Stunden in Ruhe im Freien sitzen, das könne man in Möthlitz vergessen. In der Dunkelheit komme noch das „unwahrscheinlich nervige“ Blinken der roten Positionslampen hinzu. Er schaue schon gar nicht mehr in diese Richtung. Trotzdem wisse er ja, sagt Uwe Litfin, dass die Lampen weiter blinken. Und wo, das sei auch klar. Aus dieser Richtung komme Rotorenrauschen.

Von Bernd Geske

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