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Wölfe tappen in die Fotofalle

Truppenübungsplatz Klietz Wölfe tappen in die Fotofalle

Immer wieder mal war zu hören, dass auf dem Truppenübungsplatz Klietz Wölfe sein sollen. Birgit Büttner, die Wolfsbeauftragte des Platzes, bestätigt jetzt: Aufnahmen von Fotofallen belegen, dass sich drei Wölfe seit drei Jahren relativ regelmäßig auf dem Übungsplatz aufhalten. Erste Anzeichen gab es vor sechs bis sieben Jahren.

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In die Fotofalle getappt. Diese zwei Wölfe hier sind vermutlich seit drei Jahren auf dem Truppenübungsplatz Klietz.

Quelle: Bundesforst

Klietz. Auch wenn es auf dem Truppenübungsplatz Klietz öfter mal knallt, schreckt das die sonst eher scheuen Wölfe nicht ab. Kurt-Werner Balke, Bereichsleiter Ost des zuständigen Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt, hat auf Nachfrage dieser Zeitung mitgeteilt, dass seit etwa drei Jahren drei Tiere auf dem Gelände des rund 10 000 Hektar großen Platzes relativ regelmäßig festgestellt werden. Vor fünf Jahren schon ist Birgit Büttner, die Revierbeamte im Revier Schollene, als Wolfsbeauftragte für den Übungsplatz berufen worden. Wie sie berichtet, wurden an verschiedenen Stellen des Platzes insgesamt sechs Fotofallen aufgestellt. Einmal pro Woche kontrolliere sie die Kameras, sagt sie, und die Aufnahmen zeigten klar: Seit drei Jahren seien drei Wölfe relativ regelmäßig anwesend.

Die Aufnahmen zeigen einmal ein Tier und einmal ein Paar

„Wölfe sind äußerst mobil und lauffreudig“, erklärt Kurt-Werner Balke. Die Bilder der Fotofallen zeigten einmal ein Tier und einmal zwei Tiere. Die Vermutung liege nahe, dass es sich bei den verschiedenen Fotos zu unterschiedlichen Zeiten um die gleichen Tiere handele. Es sei anzunehmen, ergänzt Birgit Büttner, dass die beiden Wölfe ein männliches und ein weibliches Exemplar sein könnten. Ein Tier sei etwas zierlicher als das andere – aber letzte Gewissheit gebe es allein durch die Fotos nicht.

Die Wolfsbeauftragte Birgit Büttner zeigt die Stelle auf dem Übungsplatz, wo es bislang die meisten Wolfsnachweise gab

Die Wolfsbeauftragte Birgit Büttner zeigt die Stelle auf dem Übungsplatz, wo es bislang die meisten Wolfsnachweise gab.

Quelle: Bernd Geske

Bereits vor sechs bis sieben Jahren hatten die Forstbeamten erste Hinweise, dass möglicherweise Wölfe auf dem Platz gewesen waren. Das Verhalten des Wildes hatte sich verändert. Das Rotwild, normalerweise in Gruppen von 15 bis 20 Tieren unterwegs, schloss sich zu großen Rudeln mit bis zu 150 Exemplaren zusammen. Auch das auf dem Übungsplatz einst künstlich angesiedelte Muffelwild bildete große Rudel. Doch weil das hierzulande eigentlich nicht heimische Mufflon ein Fluchtverhalten hat, mit dem es dem Wolf nicht entkommt, ist diese Art dort jetzt schon fast verschwunden. Als Gebirgstier rennt es nur ein kurzes Stück weg und schaut sich dann um, ob der Räuber noch hinter ihm ist. Man geht davon aus, dass im Laufe des nächsten Jahres die letzten noch vorhandenen Mufflons vom Platzgelände verschwinden werden. Das Schwarzwild, also die Wildschweine, sind vom Wolf wenig betroffen, weil sie sich wehrhaft zeigen. Rehe, die eine bevorzugte Beute des Wolfes sind, gleichen ihre Bestandsverluste durch mehr Nachwuchs aus.

Steckbrief: der Wolf

Der Wolf ist ein Raubtier aus der Familie der Hunde.

Männliche mitteleuropäische Wölfe haben eine Schulterhöhe von 70 bis 90 Zentimeter und wiegen bis zu 67 Kilo. Weibchen haben eine Schulterhöhe von 60 bis 80 Zentimeter und wiegen bis zu 50 Kilo.

Im 19. Jahrhundert wurde der Wolf in West- und Mitteleuropa durch starke Bejagung fast völlig ausgerottet.

In Deutschland wurde im Jahr 2000 erstmals wieder die Geburt von Wolfswelpen nachgewiesen.

Als Wolfbeauftragte ist Birgit Büttner auf dem Platz die Ansprechpartnerin für alle Fragen, die dieses Tier betreffen. Sie nimmt an den einschlägigen Fortbildungen teil und begutachtet Spuren, gerissene Tiere und Kadaver. Von Wölfen gerissene Nutztiere sind nicht registriert, weil es auf dem Truppenübungsplatz keine gibt. Kontakte mit Menschen gibt es dort aber schon. „Das Schlimmste, was Menschen tun können“, warnt Birgit Büttner, „ist, Wölfe zu füttern.“ Auf anderen Übungsplätzen sei das schon vorgekommen. Doch sei davon dringend abzuraten, denn der Wolf müsse seinen natürlichen Respekt vor dem Menschen behalten. Er sei und bleibe ein gefährliches Wildtier. Ein erwachsener Wolf fresse pro Tag bis zu fünf Kilogramm Fleisch.

Auch durch ihre Kothaufen sind Wölfe zu identifizieren. Weil diese viel mehr Haare und Knochenreste als die Hinterlassenschaften von Hunden enthalten, sind sie gut unterscheiden. Der Hund legt sein Häufchen zudem meist am Rande von Wegen ab, während der Wolf sie gut sichtbar mitten drauf platziert. Man beachte: Er markiert damit sein Revier. Zwar gibt es auf dem Truppenübungsplatz Klietz schon Wölfe seit geraumer Zeit, doch sind Welpen dort bislang nicht nachgewiesen worden. Kurt-Werner Balke und Birgit Büttner rechnen aber fest damit, dass die Wölfe dort in nicht allzu ferner Zukunft auch Nachwuchs haben werden.

Von Bernd Geske

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