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Durch die Blume gesagt

Gartenschau-Macher beim Abschied der IGS in Hamburg Durch die Blume gesagt

Natürlich hat die Buga-Mannschaft um Dietlind Tiemann tapfer gelächelt und Zuversicht verbreitet beim Abschied der Internationalen Gartenschau in Hamburg angesichts der verheerenden Botschaften. Einige waren dennoch etwas bleich um die Nase geworden. Was passiert bei uns, auch wenn das Defizit nicht gleich 37 schwindelerregende Millionen erreicht? Haben wir alles bedacht?

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Plakate kündigten schon die Buga in der Havelregion an.

Quelle: André Wirsing

Havelregion. Gibt es ein paar Fallstricke, die wir vielleicht schon durchschnitten haben? Verzagtheit und Zuversicht wechseln sich ab an diesem kühlen Sonntag im Süden der Elbmetropole. Der Sprung über die Elbe war einfach zu groß für die Nordhamburger, war ein oft gehörtes Argument bei den Erklärungsversuchen fürs Ausbleiben der Besucher. Hier an der Havel gibt es keine irrwitzig erscheinenden Diskussionen um rechts- oder linksrheinisch, um nördlich oder südlich der Elbe. Die Preispolitik war auch in einer vermeintlich reichen Stadt falsch gewählt: 21 Euro fürs Ticket, fünf fürs Parken, 7,50 Euro für die Monorailbahn auf ihrem 3,5 Kilometer langen Rundkurs. Viel zu spät wurde nachgesteuert mit Ermäßigungstarifen für Bedürftige, preisgesenkter Feierabendkarte und nach der IGS-Halbzeit das Halbieren des Dauerkartenpreises.

Noch höhere Rabatte hätten das Defizit weiter erhöht. 37 Millionen Verlust sind es nach jetzigen Schätzungen in Hamburg. Interessant ist die Zusammensetzung des Mankos: 23 Millionen Euro fehlen aus Ticketeinnahmen – statt erhoffter 2,5 Millionen Besucher kamen gerade 1,05 Millionen Gäste. Sieben Millionen Euro Verlust fährt die Monorailbahn ein, der Betreiber hat sich wohl in den Verträgen ein Erstatten durch die IGS GmbH sichern lassen. Weitere sieben Millionen Euro fehlen bei den Einnahmen aus Standmieten, Souvenirverkauf oder Abgaben von Gewerbetreibenden. Das sollte hier die Verantwortlichen im Zweckverband hellhörig machen. Einige Betriebe scheuen wohl das Risiko und lassen sich das durch die Veranstalter absichern. Eine kleine Kostprobe gab es bereits bei den bereits mehrfach gescheiterten Ausschreibungen für den Schiffsshuttle auf der Havel in der Stadt Brandenburg.

Betriebe sollten nicht nur ihr Risiko minimieren, sondern selbst auch die volle vertraglich zugesicherte Leistung bringen. Es gab beispielsweise einige Beschwerden über Polster Catering in Hamburg, für die Havelregion in eineinhalb Jahren hat das Unternehmen schon den Zuschlag. Am letzten Tag hatte dort offensichtlich kaum noch jemand Lust zum Arbeiten, fast alle waren nur am Zusammenpacken und beim Vorbereiten der letzten Vip-Partys, die Gäste liefen hungrig rum. Die wenigen verbliebenen Stände waren dicht umlagert.

Den IGS-Verantwortlichen kann man solche Vorwürfe nicht machen, alle Anlagen waren auch am letzten Tag top gepflegt, bis Ende kommenden Jahres ist das Unterhalten für 1,4 Millionen Euro bereits gesichert. Bereits gestern wurden alle Tore abgebaut, der IGS-Park wurde zum Wilhelmsburger Inselpark – nutzbar für alle Menschen. Neben viel Grün mit Schwimmhalle, Basketballhalle, Sportpark und urbanem Wohnen an den Rändern. Im Zuge der parallel laufenden Internationalen Bauausstellung entstanden Wohnungen – in Hybridhäusern, schwimmenden Gebäuden und in Formen und Farben variierenden Türmen.

Alles super, hätte durchaus viel mehr Besucher verdient. Aber allein die Anreise war recht mühsam. Der zentrale Parkplatz war mehr als eineinhalb Kilometer entfernt, auf dem Fußweg entlang von Industriebrachen mit dem einzigen Farbklecks einer McDonald’s-Filiale können schon demotivieren. Wer beim Zweckverband hören, sehen und schlussfolgern kann, kam schlauer vom IGS-Besuch zurück – vieles wurde dort durch die Blume gesagt, die bunte Pracht darf nur den Blick auf die Fallstricke nicht verstellen.

Von André Wirsing

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