Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -6 ° heiter

Navigation:
EU-Diskussion vor leeren Stühlen

Rathenow EU-Diskussion vor leeren Stühlen

Die Frage „Welche EU wollen wir?“ sollte zum Dialog herausfordern. Doch in Rathenow nahm das Gespräch niemand an. Und so fand die Diskussion, zu der die Vertretung der EU-Kommission eingeladen hatte, vor fast leeren Stuhlreihen statt.

Voriger Artikel
Kampf um die MS Sonnenschein
Nächster Artikel
50 Jahre Karneval in Rathenow

EU-Debatte. Staatssekretärin Anne Quart, Politikwissenschaftler Thomas Heineke und EU-Kommissionsvertreter Patrick Lobis (v.l.).

Quelle: foto: UWE Hoffmann

Rathenow. Zum Gipfel der EU-Regierungschefs am 19./20. Oktober in Brüssel trafen sich die Mächtigen Europas am Freitag erst zum gemeinsamen Frühstück und danach wurde über die Zukunft der EU beraten. „Welche Zukunft für die Europäische Union wollen wir?“ lautete auch das Thema des vom Politikwissenschaftler Thomas Heineke moderierten Bürgerdialogs am Donnerstagabend im Blauen Saal des Kulturzentrums.

Gespräch mit den Bürgern

„Wir wollen mit den Bürgern ins Gespräch kommen und vor allem Sie zu Wort kommen lassen“, sagt Anne Quart, Staatssekretärin im Europa-Ministerium. „Stehen wir wirklich noch in Europa zusammen? Da gibt es doch einige Probleme“, meinte Bürgermeister Ronald Seeger, verwies aber darauf, dass auch Rathenow viel durch EU-Förderprogramme profitiert hat. In der aktuellen Förderperiode 2013 bis 2020 erhält Brandenburg über verschiedene Förderprogramme insgesamt 2,3 Millionen Euro. „Man kann vieles an der EU kritisieren. Aber ich glaube, es gibt keine Alternative dazu“, so Anne Quart weiter. „Die Probleme in Europa und in der Welt können nicht mehr allein auf staatlicher Ebene gelöst werden.“

Veranstaltung des Pulse of Europe in Rathenow

Veranstaltung des Pulse of Europe in Rathenow.

Quelle: Christin Schmidt

René Hill, einer der wenigen Besucher des Dialogs, ist da nicht so euphorisch: „In den letzten Jahren habe ich mich eher zum EU-Skeptiker entwickelt“, sagte er. „Die EU mischt sich zu stark in das Leben vor Ort ein. Sie sollte sich mehr auf ihre Kernideen konzentrieren.“ Imme de Haen aus Gülpe, die den „Puls of Europe“ in Rathenow initiierte, bezeichnet Europa als „Herzensangelegenheit“. Aber es gebe eine Diskrepanz zwischen dem, was die EU-Institutionen entscheiden und dem, was die Menschen brauchen und wie es – eher schlecht – vermittelt werde.

Es gibt unterschiedliche Interessen

Dieses Problem sieht auch Patrick Lobis. Bei der Debatte verwies er auf eine neu gebildete Arbeitsgruppe, die überprüfen soll, welche Entscheidungen künftig wieder auf nationaler Ebene getroffenen können. „Es gibt unterschiedliche nationale Interessen, die in den Beschlüssen des EU-Rates zum Ausdruck kommen. Die Kommission setzt diese nur um“, so der Vertreter der Europäischen Kommission in Deutschland. „Dies wird in den Mitgliedsstaaten oft nicht genügend kommuniziert.“

Schon die zwölfte Veranstaltung

Das Europa-Ministerium veranstaltete bereits 2016 im Land fünf Bürgerdialoge. In diesem Jahr sind es sieben. „Es stimmt nicht, dass die Menschen sich nicht für Europa interessieren. Sie diskutieren darüber. Aber an den Stammtischen und nicht hier“, meint auch Thomas Weidlich. „Das liegt unter anderen daran, dass viele Verhandlungen im Geheimen stattfanden.“

Clark: EU ist nicht so schlecht

Die Diskussion mit der geringen Beteiligung, zeigte, dass die Menschen schon an Europa und der EU interessiert sind. Aber an einer bürgernahen EU, in der die Regionen mit ihren Besonderheiten besser ausgeprägt sind. Und die Gäste auf dem Podium bekamen mit auf den Weg, dass die Rathenower die Institutionen, die Europa präsentieren, öfter mal in der Region sehen wollen. Einen ebenso informativen wie emotionalen Blick auf Europa bietet eine neue Fernseh-Doku. „Europa gab es schon vor der EU“, sagte der australische Geschichtsprofessor und Europafan Christopher Clark im ZDF. Am Sonntag um 19.30 Uhr startet die erste von sechs Folgen der neuen Doku-Serie „Die Europa-Saga“.

Von Uwe Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
54cc601a-1560-11e8-badb-9de1240b9779
Neugeborene aus dem Havelland

Die Geburt eines Kindes ist das größte Glück und der bewegendste Moment im Leben vieler Menschen. Die MAZ begrüßt die kleinen Erdenbürger im Landkreis Havelland – und feiert die Ankunft der Zwerge mit einer fortlaufend aktualisierten Bildergalerie.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg