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Ehemalige Rathenowerin schreibt Erinnerungsbuch

Gegen das Vergessen Ehemalige Rathenowerin schreibt Erinnerungsbuch

Anja Bandermann ist in Rathenow aufgewachsen. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie in München und arbeitet als freie Texterin. Anja, die ihre journalistischen Fähigkeiten bei einem Praktikum in der MAZ-Lokalredaktion in Rathenow entdeckte, hat ein Buch geschrieben, mit dem Demenzkranke ihre Erinnerungen aufschreiben können, damit sie diese später behalten.

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Demenz - die Krankheit löscht Erinnerungen.

Quelle: dpa

Rathenow. Texten, schreiben – das liegt Anja Bandermann im Blut. Und es liegt in der Familie. Anja, die aus Rathenow stammt und in München lebt, hat eine Journalistenfamilie. Ihr Mann Sascha ist den Zuschauern von Sport 1 bekannt. Dort moderiert er Eishockey und andere Sportarten.

Während Sascha durch die Weltgeschichte tourt, hat Anja Zeit und die wollte sie nutzen. „Erinnerungen an mein Leben“ heißt der Band, der eigentlich gar kein richtiges Buch ist sondern eine Hülle. Eine Hülle, die mit Gedanken und Erinnerungen gefüllt werden soll. Gedanken und Erinnerungen von Menschen, die an Alzheimer oder Demenz leiden.

Anja hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt: „Das Buch soll ein Mittel für die so wichtige Biografie-Arbeit sein, das es in dieser Form noch nicht gibt.“ Fragen, die das Kurz- und das Langzeitgedächtnis ansprechen, sollen an Demenz erkrankte Menschen dazu bringen, über sich nachzudenken, mit Pflegern und Pflegenden zu sprechen und sich über Erlebtes auszutauschen.

Die 32 Jahre alte Texterin hatte die Idee zu dem Album, als ihre große Tochter Karla (3 Jahre) mal wieder mit einem Freundebuch aus dem Kindergarten kam. Anja: „Erst dachte ich daran, etwas in der Art für Senioren zu machen, die in einem Pflegeheim leben und sich so besser kennen lernen könnten. Dann wurde mir aber klar, dass ältere Leute wahrscheinlich wenig Spaß daran haben, immer und immer wieder dieselben Fragen zu beantworten, es aber gut und sinnvoll wäre, Erinnerungen für sich und seine Angehörigen festzuhalten.“ Entstanden ist jetzt ein Album für Menschen mit Demenz (so die politisch korrekte Bezeichnung), ein ansprechendes Mittel für die Biografiearbeit.

Alzheimer und Demenz

Eine Demenz ist ein psychiatrisches Syndrom, das bei verschiedenen degenerativen und nichtdegenerativen Erkrankungen des Gehirns auftritt. Demenz umfasst Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und führt zu Beeinträchtigungen sozialer und beruflicher Funktionen.

Vor allem ist das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik, bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Maßgeblich ist der Verlust bereits erworbener Denkfähigkeiten im Unterschied zur angeborenen Minderbegabung. Heute sind Ursachen einiger Demenzen geklärt, bei vielen Formen gibt es jedoch noch keine klaren, unumstrittenen Erkenntnisse zu den Ursachen.

Einige wenige Formen von Demenz sind heilbar.

Platz für Fotos und andere Erinnerungen machen das Album besonders persönlich. Im Hinteren Teil finden Familie und andere Wegbegleiter Platz, wichtige und schöne Anekdoten aufzuschreiben, die sie mit Erkrankten verbinden.

Einmal ausgefüllt, kann das Album immer wieder zur Hand genommen werden, um Erinnerungen aufzufrischen oder sich einfach mit dem eigenen „Ich“ auseinanderzusetzen. Ein Kranker kann darin lesen, sich täglich erinnern. Er kann anhand der Fotos sein Leben nachvollziehen. Die Menschen, denen die Erinnerung an eigene Lebensgeschichte genommen wurde, können sich wieder erinnern.

Verstirbt der Mensch mit Demenz, ist das Buch der Erinnerungen ein sehr persönliches Andenken für die Hinterbliebenen.

Anja Bandermann

Anja Bandermann

Quelle: Sascha Bandermann

Um mit dem Projekt voranzukommen hat sich Anja Bandermann mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Verbindung gesetzt. Geschrieben und entwickelt ist ein Buch flott. Aber es hängt noch mehr daran. Zum Beispiel Vertrieb und Druck. Anja Bandermann wusste Rat: „Ich habe ein Druckhaus an der Hand, das den Druck zu ausgesprochen günstigen Konditionen übernehmen würde.“

Außerdem möchte Anja Bandermann ihre Verbindungen zum Fernsehen nutzen Am 21. September ist Welt-Alzheimer-Tag. „Das könnte eine gute Gelegenheit, für eine Charity-Spezial-Sendung sein. Die Zielgruppe des Senders, den ich im Auge habe, sind Damen über 50 Jahre. Von denen haben wahrscheinlich einige eine Mama oder einen Papa mit krankheitsbedingter Demenz oder Altersdemenz.“

Aber wenn nichts anderes funktioniert, würde Anja Bandermann das Buch auch im Eigenverlag vertreiben. „Schöner wäre natürlich, einen Verlag im Rücken zu haben.“

Anja ist guten Mutes, dass ihr Vorhaben ein Erfolg wird. „Demenz ist ein Thema, das wirklich alle anspricht.“ Darum ist sie auch ein Stück weit selbst gespannt, auf welchem Weg ihr Projekt nun den Weg in die Öffentlichkeit findet.

Von Joachim Wilisch

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