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Ehrliche Küche, doch kaum noch Gäste

Nitzahn (Havelland) Ehrliche Küche, doch kaum noch Gäste

Das „Nitzahner Eck“ in Nitzahn (Havelland) ist eine der letzten Dorfkneipen der Region. Hier wird noch ehrlich gekocht – ohne Schnickschnack und Gedöns. Doch die Zeiten, da sich die Dorfbewohner nach Feierabend zum Bier in der Kneipe trafen, sind vorbei. Durchreisende und Urlauber halten das Geschäft am Laufen.

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Willkommen in der Dorfkneipe. Gabriela und Bernd Poschitzki hintern Tresen in ihrem „Nitzahner Eck“.

Quelle: Markus Kniebeler

Nitzahn. In diesem Text geht es um eine aussterbende Art. Oder vielmehr um einen der letzten Vertreter dieser Art. Von Tieren und Pflanzen soll allerdings nicht die Rede sein. In diesem Text geht es um eine Dorfkneipe – um eine ganz einfache Gaststätte ohne Schnickschnack und Firlefanz: es geht um das Nitzahner Eck.

Der Name Eck könnte treffender nicht sein. Wer auf der L 96 aus Richtung Knoblauch durch den Ort fährt, der muss Obacht geben, dass er nicht ins Eck hineinrauscht, so nah wurde das Haus an die Milower Straße/Ecke Schulstraße herangebaut. Einen großen Vorteil hat diese exponierte Lage natürlich. Man kann das Nitzahner Eck beim besten Willen nicht verfehlen.

Und das ist vielleicht der Grund dafür, dass es die Gaststätte noch gibt, während in den umliegenden Dörfern seit Jahrzehnten das große Kneipensterben wütet. Denn ein Großteil der Gäste sind jene Menschen, die auf der L 96 unterwegs sind und zur Mittagsrast einkehren. Einfacher geht es kaum. Blinker setzen, Auto auf dem hauseigenen Parkplatz abstellen und zwei Mal stolpern – schon sitzt man am frisch gedeckten Tisch. Und kann sich erholen von den Strapazen, die das moderne Leben bereithält.

Durchreisenden sind lebenswichtig fürs Geschäft

„Wenn wir die Durchreisenden nicht hätten, dann wäre es schlecht um uns bestellt“, sagt Gabriela Poschitzki, die die Gaststätte seit 1992 betreibt. Unterstützt wird sie von ihrem Mann Bernd, der mittlerweile in Rente ist. Feste Angestellte gibt es nicht, nur eine Aushilfe, die das Ehepaar stundenweise unterstützt.

Bernd und Gabriela Poschitzki vor ihrer Dorfkneipe Nitzahner Eck

Bernd und Gabriela Poschitzki vor ihrer Dorfkneipe Nitzahner Eck

Quelle: Markus Kniebeler,

Die Durchreisenden also sind lebenswichtig fürs Geschäft. Und die Urlauber, die sich auf den Campingplätzen in Kützkow und Lutze (zwischen Kützkow und Plaue) erholen. „Darunter sind einige Stammgäste, die schon seit Jahren zu uns kommen“, sagt Gabriela Poschitzki. Aber natürlich beschränke sich diese Kundschaft vor allem auf die warme Jahreszeit. Im Winter kann es im Nitzahner Eck sehr ruhig werden.

Was fehlt, und damit mangelt es der Dorfkneipe an einem Urbestandteil ihrer Art, sind die Dorfbewohner. Die Zeiten, in denen sich die arbeitende Bevölkerung nach Feierabend um die Theke versammelte, um die Ereignisse des Tages bei einem Bierchen Revue passieren zu lassen, sind schon lange vorbei. „Die Leute trinken heutzutage ihr Bier lieber zu Hause“, sagt die Chefin. Das sei zwar schade, aber nicht zu ändern.

Die Wirtin sagt: „Schnitzel gehen immer“

Weil es die klassischen Biertrinker nicht mehr gibt, die bei dem ein oder anderen frisch Gezapften an der Theke Wurzeln schlagen, haben die Poschitzkis vor einiger Zeit auf Flaschenbier umgestellt. Für ein paar Bier am Tag lohnt sich die aufwendige Wartung und Pflege der Zapfanlage einfach nicht. Wenn aber eine Gesellschaft sich anmeldet und Bier vom Hahn wünscht, dann wird auch frisch gezapft.

Das Kerngeschäft im Nitzahner Eck ist aber ohne Zweifel das Essen. Täglich steht Gabriela Poschitzki in der Küche und bereitet die Speisen zu. „Alles frisch, alles handgemacht“, sagt sie. Und die Frage nach dem beliebtesten Gericht ist schnell beantwortet: „Schnitzel gehen immer“.

Wie bei einer ländlichen Gaststätte üblich, richtet sich die Speisekarte nach der Saison. Momentan stehen Pfifferlinge hoch im Kurs. Im Frühjahr gibt es natürlich Spargel in allen Variationen. Und auch in der Weihnachtszeit machen die Poschitzkis den Gästen entsprechende Angebote.

30 Plätze gibt es im Innern der Gaststätte, auf der Terrasse kommen im Sommer noch mal 20 dazu. Proppenvoll ist es nur bei Familienfeiern und angemeldeten Veranstaltungen. Ansonsten verteilt sich das Geschäft über den Tag. Als vor ein paar Tagen eine Gruppe mit 16 Radfahrern unangemeldet auftauchte, da ging der Puls der Gastgeberin kurzzeitig in die Höhe. Am Ende waren sie alle zufrieden und kündeten an, noch mal wieder zu kommen.

In der Küche bereitet Gabriela Poschitzki gute alte Hausmannskost zu. Nix mit Sellerie-Espuma an Hummerschwänzen, nix mit Süppchen, Törtchen und Schäumchen. Sondern Matjesfilet mit Bratkartoffeln, Ragout fin oder eben Schnitzel mit Pfifferlingen. Und genau wegen dieser ehrlichen, unspektakulären Küche kommen die Leute ins Nitzahner Eck. „Schmeckt wie bei Mutti“, hört die Wirtin immer wieder. Ein schöneres Kompliment kann man ihr kaum machen.

Von Markus Kniebeler

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