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Ein Dorf feiert die Kittelschürze

Strodehne Ein Dorf feiert die Kittelschürze

Mit ihrem Projekt „Strodisign“ haben Gabriele Konsor und Birte Hoffmann das Haveldorf Strodehne Dorf neu eingekleidet. Über Monate haben sich 40 Frauen mit dem einstigen Statussymbol der Hausfrau auseinandergesetzt und individuelle Dorf-Couture geschaffen. Davon berichtet die neueste Ausgabe des Magazins Wahrsagers.

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Neu eingekleidet: Die Teilnehmerinnen des Projekts Strodisign.

Quelle: Landmade/B.Hoffmann

Strodehne. Es gibt sie in kurz und lang, mit und ohne Arm, mit Blümchen und Pünktchen, mit Rüschen, Latz oder Bliesen – die gute alte Kittelschürze. Während sie aus den meisten Kleiderschränken bereits vor Jahrzehnten verbannt wurde, sorgen Kulturschaffende in Strodehne derzeit für ein Revival des einstigen Statussymbols der Hausfrau. Gabriele Konsor und Birte Hoffmann vom Landmade Kulturversorgungsraum haben im vergangenen Jahr das Projekt „Strodisign“ ins Leben gerufen und gemeinsam mit 40 Frauen nicht nur individuelle Dorf-Couture geschaffen.

Sie haben Textildesignerinnen, Kulturschaffende, Großstadtfrauen und Frauen aus dem Dorf zusammengebracht und sich mehrere Monate intensiv mit der Kittelschürze, ihrer Bedeutung und ihrer Symbolkraft auseinandergesetzt. All das ist nun nachzulesen und vor allem nachzuschauen im neuen „Wahrsager“, dem gedruckten Landmade-Magazin.

Ein Statussymbol wird neu entdeckt

Am Sonntag haben Gabriele Konsor und Birte Hoffmann das Heft in Strodehne vorgestellt, am Montagabend präsentierten sie den neuen Wahrsager und ihr Projekt im Kreuzberger Salon in Berlin. „Das Interesse am Thema ist selbst in der Hauptstadt überraschend groß. Irgendwie haben wir damit einen Nerv getroffen“, freut sich Gabriele Konsor. Begeistert sind auch die Teilnehmerinnen, die nun alle eine eigene Kittelschütze haben. Dazu gehört auch Strodehnes Ortsvorsteherin Edeltraud Massow. Gut 30 Jahre ist es her, dass sie ihre Kittelschürze aus Nylon ablegte.

Ob in der Küche, auf der Dorfstraße oder dem Feld, die Strodisignerinnen machen mit ihren praktischen und farbenfrohen Kittelschürzen eine gut

Ob in der Küche, auf der Dorfstraße oder dem Feld, die Strodisignerinnen machen mit ihren praktischen und farbenfrohen Kittelschürzen eine gute Figur.

Quelle: landmade./B.Hoffmann

„Nach Hause kommen, Uhr ablegen, Schürze umbinden. So kannte ich es von meiner Mutter und meiner Oma, und so haben ich es auch gemacht.“ Dass sie nach all den Jahren noch einmal selbst einen Kittel in ihren Kleiderschrank hängen würde, war vor dem Projekt äußerst unwahrscheinlich. „Mit dem Triumphzug der Jeans in den 1980er Jahren wurde dieses Statussymbol der Hausfrau plötzlich überflüssig und kam aus der Mode. Man hatte das Gefühl, dass man die Schürze nicht mehr braucht“, erinnert sich die 67-Jährige. Nun hat sie einen neuen Kittel aus Baumwolle, mit praktischen Taschen, ein echtes Unikat und den wird sie sicher auch tragen, so Edeltraud Massow.

In Strodehne tragen sogar Straßenlampen Kittelschürzen

Lisa Ullrich, eine junge Frau aus Rhinow, trägt ihre Kittelschürze bereits. Mit dem bunten Kleidungsstück dürfte die Erzieherin in der Kita ein echter Hingucker sein und für gute Laune sorgen. Als Ortsvorsteherin freut sich Edeltraud Massow besonders darüber, dass das Projekt Alteingesessene und Zugezogene sowie Jung und Alt zusammengebracht hat – die jüngste Teilnehmerin war 13, die älteste 80 Jahre. „Wir Älteren haben uns noch einmal daran erinnert, wozu die Kittelschürze einst gut war“, erzählt Ortsvorsteherin Massow. Die jüngeren Teilnehmerinnen macht dagegen zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem nostalgischen Kleidungsstück, mit dem nicht nur die Frauen neu eingekleidet wurden, sondern auch das Dorf selbst. Anfang Oktober steckten in Strodehne sogar die Straßenlampen in Kittelschürzen.

„Wir wollten das Dorf neu einkleiden, nach dem Motto: Neue Kleider, neuer Geist“, erklärt Gabriele Konsor, die künstlerische Leiterin des Projekts. Mit dem Wahrsager haben sie und Fotografin Birte Hoffmann das Ganze nun noch in eine neue Form gebracht. Damit werden sie sicher bei manchem Leser nicht nur Erinnerungen wecken, sondern auch Wehmut. Denn nach 50 Seiten mit Bildern von glücklichen Frauen in farbenfrohen Kittelschürzen kann schnell der Wunsch aufkommen, Teil dieses Projekts zu sein. Der Wahrsager kann für fünf Euro bestellt werden, E-Mail an: wahrsager@landmade.org

Im Oktober präsentierten die Projektteilnehmerinnen ihre Kreationen im Rahmen einer Modenschau

Im Oktober präsentierten die Projektteilnehmerinnen ihre Kreationen im Rahmen einer Modenschau.

Quelle: Landmade/B.Hoffmann

Von Christin Schmidt

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