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Ein Dorf kümmert sich um seine Kirche

MAZ-Serie „Zu Hause in Börnicke“ Ein Dorf kümmert sich um seine Kirche

In unserer Serie „MAZ zu Hause in ...“ geht es diesmal nach Börnicke. Der Ortsteil liegt im Norden des Nauener Stadtgebietes. Auf dem großzügigen Dorfanger steht eine niedliche Kirche, die seit einigen Jahren schrittweise saniert wird. Viele Einwohner spenden dafür Geld. Außerdem gibt es in dem Dorf eine Feuerwehr, die keine Personalprobleme hat.

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Einen idyllischen Anblick bietet die kleine Dorfkirche auf dem Anger in Börnicke.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Börnicke. Im Oktober 2013 machte das kleine Dorf Börnicke weit über das Havelland hinaus Schlagzeilen. Die Kirche auf dem Dorfanger war in eine Plane in den Nationalfarben schwarz-rot-gold eingepackt. Was nach einer besonders patriotischen und gleichzeitig künstlerischen Verhüllungsaktion aussah, entpuppte sich aber schnell als rein praktische Maßnahme. Denn auf diese Weise ließ die Kirchengemeinde Börnicke-Kienberg ihr Gotteshaus vom Holzwurm befreien. Nachdem die Kirche luftdicht eingepackt war, wurde den gefräßigen Plagegeistern mittels Gas zu Leibe gerückt.

Mittlerweile ist unter anderem mit Hilfe von Spenden und Fördermitteln noch viel mehr passiert an und in der Kirche. Zuletzt wurde der Altar restauriert. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Jörg Schütt ist zufrieden: „Ich sehe die Kirchensanierung als meine Lebensaufgabe. Bisher hat alles wunderbar geklappt.“ Viele Menschen haben das Vorhaben unterstützt, vor allem mit Spenden. „Der Festgottesdienst anlässlich der Fertigstellung des Altars war ein voller Erfolg“, sagt Schütt, der seit mehr als 15 Jahren im Gemeindekirchenrat ist. Unterstützung erhält dieser bei der Kirchensanierung insbesondere von Heidrun Held, die fast ehramtlich die Baumaßnahmen vorbereitet und betreut hat. „Mir liegt es am Herzen. Die Kirche ist das älteste Gebäude hier und sie ist ortsbildprägend.“ Demnächst beginnt die Restaurierung der Kanzel, die Finanzierung dafür steht.

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In unserer Serie „MAZ zu Hause in ...“ geht es diesmal nach Börnicke. Der Ortsteil liegt im Norden des Nauener Stadtgebietes. Auf dem großzügigen Dorfanger steht eine niedliche Kirche, die seit einigen Jahren schrittweise saniert wird.

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Das 1355 erstmals erwähnte Börnicke hat mit seinen 804 Einwohner derzeit die dritthöchste Bevölkerungszahl der 14 Nauener Ortsteile. Es gibt den Schützenverein, zwei Angelvereine – in Börnicke und Ebereschenhof – und auch den Förderverein der Feuerwehr. Ein Bäcker ist im Ort, auch eine Arztpraxis. Mit dem Landhotel Börnicke gibt es zumindest noch eine Gaststätte im Dorf – dort, wo einst das Ferienobjekt der staatlichen DDR-Handelsorganisation (HO) war.

Früher hatte Börnicke sogar zwei Lokale. An der B 273/ Ecke Mitteldorf erinnern nur noch Fundamente an das Lokal, das zeitweilig auch mal „Russenwäscherei“ war, wie sich die alten Börnicker erinnern. „Das Haus war schon vor dem Krieg Kneipe“, meint Helmut Glagow. Es habe dort einen großen Raum gegeben, in dem zu DDR-Zeiten die Feuerwehrkameraden gefeiert haben, so der Börnicker. Darüber hinaus existierte an der Grünefelder Straße bis in die 90er-Jahre das Lokal mit Saal von „Oma Stagemann“, in dem es Tanz und sogar Kinovorstellungen gab, wie Rudi Grau weiß. Die Wirtin stand noch bis ins hohe Alter selbst hinterm Tresen und hat Bier gezapft. Der 65-jährige Rudi Grau war 1976 nach Börnicke gezogen, hatte dort ein altes Haus rekonstruiert. „Das einzige, was es gab, war die Feuerwehr“, sagt er. Doch der bauliche Zustand an der Scheune, die als Depot diente, wurde immer schlechter. Nach der Wende fiel unter anderem der Putz von der Decke, einen Aufenthaltsraum gab es ohnehin nicht. So traf man die Entscheidung für einen Neubau. „1999 erfolgte dann der Umzug in das neue Gerätehaus“, sagt Grau.

Ortsvorsteher Markus Arndt ist froh, dass die 1909 gegründete Börnicker Wehr gegenüber anderen Orten positiv heraussteche. „Wir haben keine Personalprobleme, etwa 30 Kameraden sind aktiv dabei. Auch eine Jugendfeuerwehr gibt es“, sagt Arndt und fügt hinzu: „Die Feuerwehr ist noch immer der soziale Mittelpunkt des Ortes.“

Auch mit dem Zuzug ist er zufrieden. „Das entwickelt sich sehr gut, es gibt kaum noch freie Flächen. Viele Leute fragen an“, sagt er. Börnicke werde zum nahezu reinen Wohnort. Gerne hätte er es, wenn sich auch noch ein Einkaufsmarkt im Ort ansiedelt. Die Einwohner fragen ständig nach. Denn die Zeiten, als es noch einen Konsum gab, sind lange vorbei. Die beiden Häuser, in denen er nacheinander sein Domizil hatte, dienen jetzt Wohnzwecken. „Wir haben Gespräche mit Unternehmen geführt, aber für die ist der Einzugsbereich zu gering“, sagt Arndt. So sind die Börnicker weiter auf fliegende Händler angewiesen oder müssen in andere Orte fahren.

Immerhin gibt es aber noch immer einen Bäcker im Ort, was für ein Dorf wie Börnicke nicht eben typisch ist. Ina und Karsten Hackmann bieten dienstags bis sonnabends frische Backwaren und Kuchen an, und das schon seit 20 Jahren. 2016 sind es genau 50 Jahre her, dass die Eltern von Karsten Hackmanns die Bäckerei vom Vorgänger übernommen haben. „90 Prozent unserer Kunden sind Stammkunden“, sagt Ina Hackmann. Sehr viele kommen aus den umliegenden Orten, und selbst Nauener scheuen nicht den Weg nach Börnicke. Darüber hinaus hält auch mancher Lkw-Fahrer an der Bäckerei an, die am Ortsteingang direkt an der B 273 liegt. Dann gehen Kaffee und Brötchen über den Ladentisch. „Wir haben sogar einen Kunden, der kommt täglich mit dem Fahrrad von Nauen hierher, holt sich seine Brötchen und ein Stück Kuchen und fährt dann wieder zurück“, sagt Karsten Hackmann.

Die LPGen Tier- und Pflanzenproduktion waren zu DDR-Zeiten die größten Arbeitgeber im Ort. Mit der politischen Wende 1989 setzte der Strukturwandel ein. Dafür steht auch das neue Wohngebiet. Zu DDR-Zeiten gab es dort eine Schweineanlage der LPG Tierproduktion, zu der auch Ställe in Tietzow, Kienberg und Grünefeld gehörten. Heute entsteht auf dem Areal ein Einfamilienhaus nach dem anderen. Ob es allerdings noch die in Aussicht gestellte Kita geben wird, da ist Markus Arndt skeptisch. Die bisherige, die sich am Ortseingang befand, war 2003 geschlossen worden. Die Schule, die der Ort mal hatte, gibt es indes schon lange nicht mehr. 1973 war Schluss.

Neu im Ort ist seit einiger Zeit ein Verein, der den interessanten Namen „Motschenhöhle“ trägt. Der Name stammt aus dem Jugendtreff, in dem gern ein Bierchen, Motsche genannt, getrunken wurde. Der Verein mit mehr als 100 Mitgliedern organisiert Veranstaltungen.

 

Von Andreas Kaatz

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