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Ein Dorf will sich vergrößern

Paaren im Glien Ein Dorf will sich vergrößern

Eine ganze Generation Paarener muss nach und nach das Dorf verlassen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Wohnungen sind Mangelware, Baugrundstücke im Paarener Zentrum gibt es zwar, was jedoch fehlt, ist ein gültiger Bebauungsplan.

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Vier Generationen Paarener wollen in einem Dorf bleiben und nicht gezwungenermaßen voneinander wegziehen.

Quelle: Laura Sander

Paaren im Glien. Tag für Tag pendelt Yasmin Forkert von ihrer Nauener Wohnung über Perwenitz, wo sie Tochter Pauline in die Kita bringt, nach Charlottenburg zu ihrer Arbeitsstelle. Aufgewachsen ist die junge Frau in Paaren im Glien, möchte die Verbindung zu ihrem Heimatort nicht verlieren, verbringt jede freie Minute in dem kleinen Schönwalder Ortsteil. „Hätte ich nicht gemusst, wäre ich nie weggezogen. Paaren ist meine Heimat“, so Forkert, die vor einigen Jahre nach Nauen gezogen ist, weil es in „ihrem“ Dorf nicht genügend Wohnraum gibt. Und damit ist sie nicht alleine.

Eine Generation muss das Dorf verlassen

Eine ganze Generation Paarener muss nach und nach das Dorf verlassen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Wohnungen sind Mangelware, Baugrundstücke im Paarener Zentrum gibt es zwar, was jedoch fehlt, ist ein gültiger Bebauungsplan. „Bereits vor Jahren wurde für die eine Hälfte des Dorfes ein Bebauungsplan erstellt – von der Landesstraße bis zur Bäckerstege. Für die zweite Hälfte des Dorfes von der Bäckerstege über die Hauptstraße hinaus einschließlich des Kienberger Weges jedoch nicht“, so Ortsvorsteher André Barkowski (SPD). „Die Freiflächen gehören zum Teil privaten Eigentümern, zum Großteil jedoch der Kirche. Die ist laut Kirchenrat daran interessiert ihre Flächen nach Erbbaurecht für die Bebauung zur Verfügung zu stellen“, so der Ortsvorsteher weiter.

Wohnungen sind Mangelware

Die Kinder der Paarener, die mittlerweile selber kleine Familien gegründet haben, würde das natürlich freuen. „Außerdem müssten Möglichkeiten geschaffen werden, für Leute, die nicht das Geld haben, sich ein eigenes Haus zu bauen. Mietwohnungen werden dringend gebraucht“, so Leeroy Schreiber, der mit Freundin Julia zusammenziehen und seinen Heimatort ebenfalls nicht verlasen möchte. „Das Dorf stirbt aus, wenn alle jungen Leute gezwungen sind, hier wegzuziehen“, befürchtet Alt-Paarener Udo Flucht (71).

Was die Gemeinde davon abhält den zweiten Teil des dringend geforderten Bebauungsplanes in Auftrag zu geben, weiß Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU): „Die Gemeinde hat den Bebauungsplan „Hauptstraße Teil I“ damals erstellt, um das historische Dorf zu erhalten. Gleich sechs neue Einfamilienhäuser waren geplant gewesen, die drohten den typischen Dorfcharakter zu zerstören – das war damals mit dem Ortsbeirat so abgestimmt“, sagt Bodo Oehme. Für den zweiten Teil gebe es derzeit keine Dringlichkeit. „Möchte die Kirche ihr Land zur Bebauung freigeben, können Interessenten jederzeit eine Bauvoranfrage stellen. Im Innenbereich darf nach Paragraf 34 grundsätzlich gebaut werden“, so Oehme.

Sitzen in Sachen Landschaftsschutz im selben Boot

Sitzen in Sachen Landschaftsschutz im selben Boot: Horst Miericke, Diana Michaelis und Christian Zobel (v.l.).

Quelle: Laura Sander

Anders verhält es sich mit den Grundstücken von Christian Zobel und Horst Miericke, die direkt hinter dem Paarener Ortseingang an der Landesstraße 16 gelegen sind. „Neben dem Haus meiner Eltern gibt es eine Freifläche, die wir gerne bebauen würden. Eine Bauvoranfrage, die wir vor rund zwei Jahren gestellt haben, war ernüchternd“, so Zobel. Demnach läge das Grundstück, das der Familie seit Jahrzehnten gehört, im Landschaftsschutzgebiet und dürfe somit nicht bebaut werden. „Seit 1994 ist Landschaftsschutz heiliger als die Kühe in Indien. Die Gemeinde hätte dem zuständigen Landesamt glaubhaft begründen müssen, warum hier Bauland entstehen soll – das war uns nicht möglich, da zum Beispiel am Schmiedeweg noch genügend Baugrund vorhanden ist“, so Oehme. Für Christian Zobel und Freundin Diana Michaelis jedoch keine Option. Ein Baugrundstück im Schmiedeweg müsste die junge Familie teuer kaufen, obwohl sie bereits geeignetes Bauland besitzt.

Von Laura Sander

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