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Ein Flickenteppich mausert sich

Falkensee Ein Flickenteppich mausert sich

Mehrere Siedlungswellen schwappten über die Dörfer Seegefeld und Falkenhagen und machten sie zur größten Stadt des Havellandes. Im Museum Falkensee kann die Siedlungsgeschichte aufgespürt werden – ein Serienteil in der Reihe „MAZ zu Hause in...“

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Museumsleiterin Gabriele Helbig mit einer historischen Karte von Falkensee und Umgebung.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Die bunte Landkarte von Falkensee und Umgebung ist der Verkaufsschlager im Museum. Den Nachdruck der 90 Jahre alten Karte haben Gabriele Helbig und ihre Kollegen schon oft verkauft. Es sind alte und neue Falkenseer. „Sie gucken und staunen, weil sich viel verändert hat“, sagt Gabriele Helbig. Die Karte gibt es zum Einrollen und Mitnehmen in Papierform und als Fußboden in der Dauerausstellung zu begutachten.

Diese Karte wurde um 1925 gedruckt, ganz genau ist es nicht auszumachen. Falkensee sieht darauf wie ein Flickenteppich aus. „Es war damals ein Ort auf dem Sprung“, sagt Gabriele Helbig, auf dem Sprung zur dritten Besiedlungswelle.

Angefangen hatte alles ganz klein. Zwei Siedlungskerne gab es, mit einfachen Häusern an Handelswegen. Die zwei Dorfanger künden noch heute davon. Seegefeld und Falkenhagen sind im 13. und 14. Jahrhundert erstmals erwähnt worden. Über Jahrhunderte hat sich an der Dorfstruktur nichts geändert. Und noch heute grasen an einer Hauptstraße von Falkensee, eigentlich nur wenige Meter vom Rathaus entfernt, die Schafe. Der Ort hat seine dörfliche Anmutung erhalten, und das trotz seiner 43000 Einwohner.

Dornröschenschlaf endete im 19. Jahrhundert

Der Dornröschenschlaf von Falkenhagen und Seegefeld war Ende des 19. Jahrhunderts jedoch vorbei. Die große Siedlungswelle ist hier eng mit dem Namen Bernhard Ehlers verbunden. Der Berliner Unternehmer war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Er hat zu spekulativen Zwecken große Flächen des Rittergutes Seegefeld gekauft“, erklärt Gabriele Helbig, Berlinnähe und Bahnanschluss waren ihm wichtig. 1892 begann er, Flächen in Finkenkrug zu verkaufen, die wurden aufgesiedelt. Fast zeitgleich begann auch die Besiedlung von Falkenhain, nördlich des Schlaggrabens. „Das Areal zwischen Falkenkorso und Friedrich-Engels-Allee, die damals Kaiser-Wilhelm-Allee hieß, war dort der Anfang“, beschreibt Gabriele Helbig die Entwicklung. Um 1900 folgte die Kolonie am See, zuerst wurde hier nur die Südseite bebaut. Auch Waldheim wurde entwickelt, hier hatte die Deutsche Ansiedlungsbank das Sagen.

1907 wurde die „Gartenstadt Falkenhagen-West“ aus dem sandigen Boden gestampft. Sie umfasst etwa den Bereich um die südliche Hansastraße. In der Werbung wurde ausdrücklich auf das Wohnen im Grünen gesetzt und auf den Großstädter geschielt.

Wo Häuslebauer erst den Wald rodeten

Eine weitere Siedlungswelle schwappte in den Zwanziger Jahren über den Ort. Im Falkenhorst begann die Genossenschaft „Frieden“ zu bauen. Die Siedlung der Falkenseer Alpen entstand. Die Gesellschaft „Märkische Scholle“ begann ab 1922 siedlungswillige Berliner ins Grüne zu locken, die Kolonie Falkenhöh entstand. „Das war für einfachere Leute, die mussten zum Teil den Wald roden und haben selber gebaut“, erzählt die Museumsleiterin. Waren nach Neu-Finkenkrug die gutsituierten Bürger gekommen, kamen hier auch Leute mit etwas weniger Geld zum Zuge. Bloß die ganz Armen kamen nicht, Mietskasernen entstanden in Falkensee nicht.

Das Gebiet östlich des Falkenhagener Sees lag damals auf dem Gebiet, das zum Forstamtsbezirk Damsbrück gehörte. „Erst auf Anweisung von Potsdam kam der Gutsbezirk Damsbrück 1928 zu der noch jungen Landgemeinde Falkensee,“, rechnet Gabriele Helbig vor. In dem Jahr begann auch die große Straßen-Umbenennung, um die Doppelnamen zu vermeiden. So verloren zum Beispiel die Finkenkruger ihren Goethe und Schiller ans Dichterviertel am See.

Zu DDR-Zeiten wurde vor allem im Falkenhorst gebaut, die Mehrgeschosser aus den Fünfziger Jahren sind Genossenschaftsbauten. Die Plattenbauten wurden in den 80er-Jahren errichtet und zum Teil erst nach der Wende fertiggestellt. Hier sind auch noch unbebaute Flächen für künftige Bauten zu finden.

Offiziell hat die Stadt Falkensee keine Ortsteile mit eigenen Ortsteilparlamenten und Ortsteilbürgermeistern. Aber die Stadtverordneten haben 1998 beschlossen, sogenannte Wohngebiete auszuweisen. Darin sind die Gemarkungen Alter Finkenkrug, Falkenhain, Falkenhagen, Falkenhöh, Finkenkrug, Seegefeld und Waldheim genannte. Sie sollen der besseren Orientierung im Stadtgebiet und im Stadtplan dienen. Für diese Gebiete sind auch die Verkehrszeichen 385-50 aufgestellt, es sind die grüne Schilder an den Straßenrändern.

Von Marlies Schnaibel

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