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Havelland Ein Heimatmuseum im Wandel
Lokales Havelland Ein Heimatmuseum im Wandel
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07:09 28.06.2018
Mitarbeiterinnen des Tourismuszentrums am Modell eines Ringofens, der die Ziegeleigeschichte veranschaulicht Quelle: Helmut Augustiniak
Ketzin

Das Ketziner Stadtmuseum kann auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. Nur einige Jahre nach der Gründung des Nauener Museums im Jahre 1901 durch Gebhard Eckler, regte der Ketziner Bürgermeister Otto Zesch an, auch ein Museum zur Stadtgeschichte ins Leben zu rufen.

Seit mehr als 100 Jahren vermittelt die Dauerausstellung Eindrücke aus dem Leben und Wirken der Menschen in dem Städtchen an der Havel.

Während der Amtszeit von Zesch, die immerhin von 1889 bis 1923 dauerte, vollzogen sich in Ketzin/Havel grundlegende Veränderungen, die in den folgenden Jahrzehnten das Leben in der kleinen Stadt prägten. Die Eisenbahnstrecke von Ketzin nach Nauen wurde gebaut, die Zuckerfabrik und die Gasanstalt entstanden. Vor allem aber bestimmte die Ziegelei-Industie mit ihren 18 Ringöfen das wirtschaftliche und soziale Bild von Ketzin.

Dieser wirtschaftliche Aufschwung der Stadt verlangte auch eine Weiterentwicklung von sozialen und kulturellen Einrichtungen. Es entstanden ein Krankenhaus, ein Kindergarten, eine private höhere Mädchenschule und Vereine, die die Interessen der Bürger wahrnahmen.

Die Einrichtung des Stadtmuseums entsprach den Bedürfnissen der wohlhabenden und gebildeten Bürger der Stadt. Bürgermeister Otto Zesch bot der Stadt im Jahre 1908 seine umfangreiche Sammlung prähistorischer historischer Fundstücke aus Ketzin/Havel und Umgebung an – für 3000 Reichsmark. Die Stadtverordneten lehnten ab.

Sammlung für den Aufbau

Fünf Bürger erwarben danach die Sammlung auf eigene Rechnung. Sie hatten wahrscheinlich so viel Einfluss auf die Abgeordneten, dass diese dem Kauf für den Aufbau eines Museums 1911 zustimmten.

Das letzte bekannte Inventarverzeichnis aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts verzeichnete 515 germanische, slawische und mittelalterliche Gefäße, Bronzegeräte und Schmuck, Steinwaffen und Geräte aus Eisen und Holz. Alle diese Fundstücke waren archiviert und mit ihrem Fundort registriert.

Anschrift und Öffnungszeiten

Das Museum liegt in der Rathausstraße 18 in 14669 Ketzin/Havel.

Es ist barrierefrei und hat eine mobile Rampe für Rollstuhlfahrer.

Führungen für Schulklassen und andere Gruppen werden angeboten – nach Vereinbarung unter unter tourismus@ketzin.de oder 033233/73830.

Geöffnet ist die Ausstellung montags, mittwochs und freitags in der Zeit von 10 bis 15 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr. Von Mai bis September ist das Museum außerdem samstags und sonntags von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. An Feiertagen ist es geschlossen.

Nähere Informationen stehen im Internet unter www.ketzin.de

Das Museum hatte seine Blütezeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Danach nahm seine Bedeutung ab. Mit dem Ausscheiden des auf Lebenszeit als Bürgermeister gewählten konservativen Zesch, übernahm die SPD die Regierung in Ketzin/Havel. In den politischen Wirren der Weimarer Republik verkam das Museum.

Auf einer Frühjahrstagung deutscher Museen in Landsberg an der Warthe (heute Gorzow in Polen) wurde dann auch festgestellt, „dass Ketzin/Havel keine Opfer für sein Museum bringt und dieses damit als aufgelöst zu betrachten ist“.

Der Ketziner Magistrat war empört. Der Pensionär und Gründer des Museums Otto Zesch wurde beauftragt, zu prüfen, „was die Museumssammlung macht“. Diese Untersuchung ergab, dass die Sammlung in zwei Räumen des Schulhauses an der evangelischen Kirche hinter verschlossenen Drahttüren aufbewahrt wurde. Die Exponate waren mit einer dicken Staubschicht bedeckt.

Umzug in die Potsdamer Straße 8

Das widersprach dem Ansehen der Stadt. Das Museum wurde reaktiviert und durch den Ankauf weiterer Exponate von Ketziner Bürgern in seinem Bestand vergrößert. Es wurde im Haus Potsdamer Straße 8, dem heutigen Ärztehaus untergebracht. Als dieses 1933 der Inneren Mission übergeben wurde, zog das Museum wieder ins Schulhaus. Mit der Zunahme der Schülerzahl in Ketzin/Havel wurden die Museumsräume als Klassenzimmer gebraucht.

Von 1948 bis 1952 waren die Exponate auf mehrere Standorte in der Stadt verteilt. Von 1952 bis 1962 war das Museum dann im Kultursaal des ehemaligen Volkspolizei-Reviers in der Potsdamer Straße 4 untergebracht, danach im Kantorenhaus Am Markt 5. 1969 erfolgte die Schließung des Museums.

Bis 1980 wurden die Exponate im Rathaus und in der Schule gelagert. Ab 1980 bemühte sich die Ortsgruppe der Nationaldemojkratischen Partei um die um das Wiederentstehen des Ketziner Museums. 1982 hatte sie Erfolg. Der Ketziner Bürgermeister Jürgen Fischer eröffnete 1982 das Museum in der Rathausstraße 32, einem der ältesten Häuser des Ortes.

Neue Besitzer verlangten Miete

20 Jahre später musste es geschlossen werden, weil die neuen Besitzer eine Miete verlangten, die der Stadt als unangemessen hoch erschien. Seit dem Jahre 2003 ist es wieder an jenen Standort zurückgekehrt, an dem es einst gegründet worden ist.

Das Museum ist heute ein Teil der Touristeninformation Ketzins. Es macht die Besucher des Hauses mit der Geschichte der Stadt bekannt. In einem kleineren Raum sind prähistorische Funde ausgestellt, in anderen Teilen des Tourismuszentrums kann der Besucher sich mit der Vergangenheit Ketzins als Fischer- und Schifferstadt sowie als Ziegeleistandort bekanntmachen.

In der Obhut des Heimatvereins

Im historischen Archiv des Hauses werden in der Obhut des Heimatvereins Ketzin/Havel Schriftstücke aus der Vergangenheit des Ortes aufbewahrt. Die Mitarbeiter der Tourismus-Information verwalten Gegenstände aus Haushalt und Handwerk sowie Modelle der Ziegelindustrie.

Auch eine ehemalige Ausstellung, die von der Interessengruppe Eisenbahn des Heimatvereins gestaltet wurde, ist zugunsten einer Schulausstellung ins Depot gewandert.

Sonderausstellungen

Interessante Sonderausstellungen, die im Regelfall über sechs bis acht Wochen gehen, ergänzen die Dauerausstellung. Von Seiten des Heimatvereins und anderen Vereinen wurden Ausstellungen zum 500-jährigen Reformationsjubiläum gestaltet, zum Leben in Ketzin/Havel von 1933 bis 1949, zur Entwicklung der Gas-Industie in Ketzin/Havel, eine Ausstellung zur Geschichte der Familie von Eckenbrecher (Rittergutsbesitzer in Gutenpaaren), eine zur Entwicklung der Ziegeleien in Ketzin/Havel und der Umgebung und viele mehr. Gegenwärtig wird die Ausstellung „Störche im Osthavelland“ gezeigt.

Von Helmut Augustiniak

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