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Havelland Ein Helfer für drei Kirchen im Havelland
Lokales Havelland Ein Helfer für drei Kirchen im Havelland
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08:46 06.03.2018
Das hellblaue Kirchengestühl und der prachtvolle Kanzelaltar verleihen dem Inneren der Gohlitzer Kirche eine anheimelnde Atmosphäre Quelle: Astrid Wiebe
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Wachow

Auf halber Strecke an der Landesstraße zwischen Nauen und Brandenburg an der Havel liegt die Gemeinde Wachow mit ihren Ortsteilen Gohlitz, Niebede und dem namengebenden Wachow. Seit 2003 gehört die Ortschaft zu Nauen, hat über 870 Einwohner und ist damit einer der größten Nauener Ortsteile. Rund 250 Gemeindemitglieder leben in den drei Dörfern, die alle eine eigene Dorfkirche haben. Und das in einem Umkreis von nicht einmal eineinhalb Kilometern.

Der Förderverein „Drei Kleinode“ kümmert sich darum, dass die Gotteshäuser in Wachow, Niebede und Gohlitz gepflegt werden. Viele Pläne wurden schon umgesetzt.

„Daran sieht man, welche Stellung die Kirche in früheren Zeiten hatte. Sie war der Mittelpunkt des spirituellen, kulturellen und sozialen Lebens und jedes Dorf hatte seinen eigenen Pfarrer“, erzählt Bettina Radcke, die Vorstandsvorsitzende des Fördervereins „Drei Kleinode“. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Die drei Kirchen gehören seit Jahren zur Gemeinde des Evangelischen Kirchenkreises Nauen-Rathenow und der zuständige Pfarrer Thomas Zastrow hat seinen Pfarrsitz in Ketzin.

Keine Gottesdienste in Niebede

Im vierzehntägigen Wechsel finden in Gohlitz und Wachow Gottesdienste statt, doch die kleine, mitten im gerade einmal 80 Einwohner zählenden Sackdorf Niebede gelegene Kirche, liegt seit Jahren im Dornröschenschlaf. Dabei wird der massive, barocke Saalbau mit seinem Fachwerkturm und der auffälligen Schweifhaube bereits 1179 in alten Urkunden des Domstifts Brandenburg erwähnt.

Kontakte und Ansprechpersonen

Die Gohlitzer Kirche befindet sich in der Nauener Straße 21, die Kirche in Wachow in der Ernst-Thälmann-Straße 19 und die Kirche in Niebede liegt An der Schule 13.

Die Orte gehören seit 2003 zur Stadt Nauen.

Wer die Kirchen besichtigen möchte, meldet sich an unter dreikleinode@gmx.de

In Wachow und Niebede kann man sich an Bettina Radcke unter 033239/20967 wenden, in Gohlitz an Petra Liedtke unter 033239/70719.

Die drei Kirchen gehören zur Evangelischen Trinitatiskirchengemeinde Havelland, deren Pfarrer Thomas Zastrow ist: Rathausstraße 17, 14569 Ketzin, unter 033233/80568; ekgketzin.zastrow@arcor.de

In Wachow und Gohlitz finden im Wechsel alle 14 Tage sonntags Gottesdienste statt. Die Termine der Gottesdienste und Veranstaltungen stehen im aktuellen Gemeindebrief, der auf www.ev-kirche-ketzin.de als PDF-Datei heruntergeladen werden kann.

„Nur zu den Erntedankgottesdiensten wird die Kirche geöffnet und das ist einmal im Jahr“, erzählt Bettina Radcke und ist darüber sehr traurig. „Es fehlt ganz einfach an einer guten Nutzungsidee und vor allem an Unterstützern, die aus Niebede stammen.“ Denn die 20 Mitglieder, die sich seit Gründung des Fördervereins „Drei Kleinode“ im Jahr 2015 für den Erhalt der Kirchen einsetzen, wohnen alle in Gohlitz und Wachow.

Glocke schlägt alle 15 Minuten

Was aus der kleinen Kirche in Niebede wird, steht in den Sternen und fast schon trotzig klingt die Kirchenglocke, die dank eines automatischen Läutwerks, unbeirrt jede Viertelstunde läutet. Der Fachwerkturm, der sich in letzter Zeit verdächtig zur Seite neigt, wird zwar nicht heute, auch nicht gleich morgen einstürzen, aber er ist akut gefährdet.

Doch der kirchliche Handlungsspielraum für mögliche Hilfe ist eng. „Es ist aussichtslos um Fördergelder zu ersuchen, wenn es keine Kirchgänger gibt. Es muss auch über eine andere Verwendung des Gotteshauses nachgedacht werden“, erklärt Pfarrer Thomas Zastrow sachlich und nüchtern die Gründe.

Schockierendes Gutachten

„Oberste Priorität hat jetzt erst mal das Kirchendach in Wachow. Der Zustand ist deutlich schlechter, als wir angenommen haben. Das Gutachten über 475 000 Euro hat uns geschockt. Da müssen wir uns jetzt erst einmal zusammensetzen und überlegen, wie wir das gestemmt bekommen“, berichtet Pfarrer Thomas Zastrow.

Der mittelalterliche romanische Saalbau aus dem 13. Jahrhundert mit seiner auffällig spitzen und hohen Dachform hat drei verschiedene Dachkonstruktionen, die sich durch Ermüdung des Materials, Befall von Schädlingen und unsachgemäßen Reparaturen verformen und wieder stabilisiert werden muss, ohne die historische Substanz zu gefährden.

Denn über dem halbrunden Altarraum soll sich der älteste Dachabschnitt befinden. Gefolgt vom später errichteten Mittelbereich der Kirche, an dem sich einst der schiffbreite, mittelalterliche Kirchturm anschloss.

Umbau nach 20 Jahren vollendet

Nachdem Pfarrer Gottlieb Harte 1803 in einer Eingabe an den preußischen König Friedrich Wilhelm III., der zugleich Oberhaupt der lutherischen und der reformierten Kirche war, um die Vergrößerung der Kirche in Wachow gebeten hatte, dauerte es noch fast 20 Jahre bis der Umbau vollendet war.

Erst 1820, nach zähen Verhandlungen mit Bauinspektoren und nach mehreren Entwürfen und Kostenanschlägen hochrangiger Architekten, wurden die Bauarbeiten zum Turm- und Erweiterungsbau endlich genehmigt. Der inzwischen vollkommen baufällige Turm wurde bis auf Höhe des Kirchenschiffes abgetragen und die Umfassungswände des alten Turms in den Kirchenraum einbezogen.

Die Form eines schlanken Achtecks

Das Kirchenschiff wurde mit neuen Rundbogenfenstern und einem spitzbogigen Südportal ausgestattet und der neue, fast 25 Meter hohe Backstein-Turm erhielt die Form eines schlanken Achtecks.

Anfang 1822 war die Kirche mit mehr Platz für die Kirchgänger fertig und erhielt als krönenden Abschluss eine Orgel, die damals stolze 537 Taler Courant kostete und von dem bekannten Orgelbauer Johann Simon Buchholz aus Berlin gebaut wurde.

Sommerkino-Abende, Lesungen, Benefizkonzerte

„Wann die Sanierungsmaßnahmen in Wachow beginnen, steht zurzeit noch nicht fest. Aber Fakt ist, dass diese Arbeiten nur in mehreren Bauabschnitten geleistet werden können“, sagt der 59-jährige Thomas Zastrow und hofft auf die Unterstützung und die Ideen der, wie er sagt, „jungen Leute“ des Fördervereins, die Sommerkino-Abende, Lesungen oder Benefizkonzerte organisieren.

So gestalteten Gemeinde und Verein voriges Jahr gemeinsam die zentrale Veranstaltung zum Volkstrauertag des Landkreises Havelland. Die feierliche Zeremonie mit über 60 Gästen fand in der Gohlitzer Kirche statt, die laut Zastrow „in ihrem Bestand gesichert“ ist.

Das schlichte, hell-beige Gotteshaus, das mit seinem massigen Turm das kleine Dorf dominiert, wurde bereits 1173 in einer Urkunde des Bischofs Siegfried erstmals erwähnt. Damit zählt die Gegend zu den ältesten Siedlungsplätzen im Havelland.

Reiche, barocke Innenausstattung

Der Großteil des Kirchenschiffes und der Turm stammen aus dem 15. Jahrhundert und wurden im 18. Jahrhundert grundlegend verändert. Die Backsteinkirche wurde verputzt, bekam große Rundbogenfenster und ein neues Walmdach. Auch die reiche, barocke Innenausstattung stammt aus dieser Zeit und versetzt den Besucher in Erstaunen, wenn er zum ersten Mal die von außen unscheinbare Kirche betritt.

Denn die hufeisenförmige Empore mit floralen Bauernmalereien, das kompakte, hellblaue Kirchengestühl und der prachtvolle Kanzelaltar verleihen dem Kircheninneren eine anheimelnde Atmosphäre, die es wert ist, bei einer geführten Besichtigung entdeckt zu werden.

Von Astrid Wiebe

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