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Ein Jahr mit Party und Protest

Das war 2015 in Schönwalde-Glien Ein Jahr mit Party und Protest

Zum zweiten Mal richtete Schönwalde-Glien 2015 das Landeserntefest aus. 20 000 Besucher kamen nach Paaren im Glien und waren begeistert. Es war der emotionale Höhepunkt eines Jahres, das von Debatten um den Asylstandort im Erlenbruch, das Strandbad und eine mögliche Pferdesteuer und der Sorge um den größten Arbeitgeber der Gemeinde geprägt war.

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Umfassendes Energiekonzept beschlossen: Der Energieverbrauch der Gemeinde soll bis 2030 jährlich um ein Prozent sinken.

Quelle: dpa

Schönwalde-Glien. In diesem Jahr gab es in Schönwalde-Glien einiges zu feiern. Zum zweiten Mal nach 2007 (Grünefeld) richtete die Gemeinde das Brandenburger Dorf- und Erntefest aus, dieses Mal im Ortsteil Paaren im Glien. 20 000 Besucher kamen und waren begeistert. Am Ernteumzug unter dem Motto „Unsere Dörfer im Wandel der Zeit“ beteiligten sich über 60 liebevoll dekorierte Wagen und Landmaschinen, ein Dutzend davon allein aus dem Ortsteil Perwenitz. Der gesamte Paarener Dorfanger hatte sich in eine Festmeile verwandelt, am Abend trat Kultband City auf. „Das ist ein perfekter Tag für das Dorf“, jubelte Ortsvorsteher André Barkowski (SPD). Und eine Bewohnerin meinte: „Meinetwegen könnte das jetzt jedes Jahr bei uns stattfinden.“ Kleiner, aber nicht weniger liebevoll organisiert war das Siedlungsfest, das eine Woche nach dem Landeserntefest nach einigen Jahren Pause wieder neu auflebte.

Gestritten wurde um die mögliche Einführung einer Pferdesteuer

Gestritten wurde um die mögliche Einführung einer Pferdesteuer.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Es wurde allerdings auch gebangt: Das Fleischwerk in Perwenitz, größter Arbeitgeber in der Gemeinde mit mehr als 200 Beschäftigten, steht womöglich vor dem Aus. „Der Erhalt hängt am seidenen Faden“, sagte Bürgermeister Bodo Oehme (CDU). Der Eigentümer des Werks, die Tengelmann-Gruppe, will den Standort schließen, falls die beantragte Fusion des Konzerns mit Edeka genehmigt wird. In Berlin wird derzeit noch darüber verhandelt – Ausgang ungewiss.

Das Brandenburger Dorf- und Erntefest lockte viele Besucher nach Paaren im Glien

Das Brandenburger Dorf- und Erntefest lockte viele Besucher nach Paaren im Glien.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Es wurde gehadert: Als der Landkreis Anfang Juni verkündete, dass im Gewerbegebiet im Erlenbruch eine Flüchtlingsunterkunft für 400 Personen errichtet wird, hagelte es Proteste. Vor allem an der Zahl der Asylbewerber störten sich viele, vor allem aus dem Dorf, andere wiederum bemängelten die schlechte Erreichbarkeit des Standorts mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die mangelhafte Informationspolitik des Landkreises. Es nützte nichts – das Heim wird gebaut und soll Anfang 2016 eröffnen. Um die Neuankömmlinge besser in der Gemeinde zu integrieren, hat sich in Schönwalde im Sommer die Willkommensinitiative „Neue Nachbarn“ gegründet. „Der Umgang mit den Flüchtlingen ist ein Zeichen dafür, wie menschlich unsere Gemeinde ist und wie solidarisch sie sich in einer Krisensituation verhält“, so Wilfried Seiring (SPD), einer der Initiatoren. Nicht nur er war deshalb entsetzt, als im November auf dem Gelände des Schullandheims, das als temporäre Notunterkunft für knapp 50 Asylbewerber genutzt wird, ein Schuppen in Flammen stand. Ob das Feuer aber tatsächlich, wie von vielen vermutet, einen rechtsextremen Hintergrund hat oder es sich doch um einen technischen Defekt handelte, konnte bislang nicht geklärt werden.

Auch das Schönwalder Strandbad war im letzten Jahr ein Streitpunkt

Auch das Schönwalder Strandbad war im letzten Jahr ein Streitpunkt.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Es wurde gestritten: Um den Ausbau des Strandbads in der Siedlung, wo die Gemeinde unter anderem eine Beachvolleyballanlage und zusätzliche Parkplätze bauen will und zudem die angrenzenden Fußballplätze um einen Kunstrasenplatz mit Tribüne erweitert werden. Die Gegner des Vorhabens kritisierten die dafür notwendigen Baumfällungen, eine höhere Lärmbelastung und mangelnde Bürgerbeteiligung. Sie fühlten sich überrumpelt – genau wie die Pferdewirte, als sie im November von der Idee des Bürgermeisters erfuhren eine Pferdesteuer einzuführen. Beschlossen wurde zwar noch gar nichts, doch allein Oehmes Aussage sorgte für mächtig Wirbel. Der Pferdezuchtverband Brandenburg-Anhalt drohte gar mit einem Boykott der nächsten Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung (Brala) in Paaren im Glien, falls die Gemeinde Schönwalde-Glien tatsächlich eine Pferdesteuer einführt.

Das Fleischwerk in Perwenitz, größter Arbeitgeber in der Gemeinde mit mehr als 200 Beschäftigten, steht womöglich vor dem Aus

Das Fleischwerk in Perwenitz, größter Arbeitgeber in der Gemeinde mit mehr als 200 Beschäftigten, steht womöglich vor dem Aus.

Quelle: Marotzke

Doch es wurde auch angepackt: Die Paarener kämpfen um den Erhalt ihres Dorfkonsums und haben dazu in diesem Jahr ein Konzept erstellen lassen, damit gerade die älteren Bewohner des Dorfes künftig wieder eine Einkaufsgelegenheit vor Ort bekommen. Die Gemeinde verabschiedete außerdem ein umfassendes Energiekonzept. Bis 2030 soll der Energieverbrauch in Schönwalde jedes Jahr um ein Prozent gesenkt werden. Falls es gelingt, wäre das sicher auch ein Grund zum Feiern.

Von Philip Häfner

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