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Havelland Ein Jahrhundert Industrieort
Lokales Havelland Ein Jahrhundert Industrieort
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00:39 09.07.2015
Der Wohnungsbau in der August-Bebel-Straße im Jahr 1953. Quelle: CFW-Archiv
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Premnitz

In Döberitz wurde bereits im Mai 1945 die Novoktan („Bleitetra“)-Anlage unter sowjetischer Leitung wieder in Betrieb genommen, bevor sie ab 1946 demontiert wurde. Im September 1945 nahmen die Kunstseiden- und ein Teil der Aktivkohleanlage ihre Produktion wieder auf. Im Werk Döberitz, ab 1945 ein Zweigbetrieb des Premnitzer Werkes, ging ein System der Schwefelsäureanlage wieder in Betrieb. Im Dezember 1945 gab es wieder 2148 Beschäftigte.

Langsam kam im Ort wieder normales Leben in Gang. Bereits am 17. Mai 1945 öffnete wieder ein Kindergarten, auch das Kino nahm im Mai auf sowjetische Weisung den Spielbetrieb auf. Im Ort herrschten eine dramatische Wohnungsnot und eine äußerst angespannte Versorgungslage. Die Einwohnerzahl war durch den Zuzug von Heimatvertriebenen im Jahre 1946 von 5250 auf 6425 gestiegen. Die Schule war überlastet. 1947 wurden in 26 Klassen 1235 Schüler unterrichtet. Schichtunterricht und die Nutzung von Gaststättensälen waren unumgänglich.

Unter Treuhandverwaltung

Der Fortbestand der Werke in Premnitz und Döberitz war gefährdet, denn die I.G. Farben-Werke waren enteignet worden, und der größte Teil der Betriebsanlagen wurden wegen Reparationsleistungen demontiert. Gemäß Kontrollratsgesetz Nr. 9 und der Befehle 124 und 126 der SMAD vom Oktober 1945 wurden die Werke unter die Treuhandverwaltung des Landes Brandenburg gestellt. Nachdem 1948 die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Kunstfaser in Glauchau das „Kunstseidenwerk Premnitz“ in Verwaltung übernommen hatte, wurde das Werk ab 1. März 1949 ein Volkseigener Betrieb (VEB) und trug ab Januar 1950 den Namen „Friedrich Engels“.

Premnitz wird Stadt

Die sowjetische Kommandantur war der Meinung, dass ein Ort mit so einem großen Werk eine Stadt sein muss. Also beschloss sie 1945 kurzerhand, Premnitz zur Stadt zu erklären.
Es wurde ein Wappen eingeführt, das die Kopfbögen der Stadtverwaltung zierte. Es zeigte vor einem Bogen der Hafenbahnbrücke eine Zwirnspule als Hinweis auf das Kunstseidenwerk und einen Fisch im Wasser.
Mit Bescheid der Landesregierung Brandenburg vom November 1946 wurde der Beschluss aufgehoben. Premnitz blieb zunächst ein Dorf.

Zu Beginn der 1950er Jahre wurde das vor dem Krieg begonnene Wohnungsbauprogramm im Bereich um die heutige Ernst-Thälmann-Straße erweitert. Weitere Wohnhäuser wurden in der Bergstraße, in der Waldkolonie und in Premnitz Süd am Mühlenweg gebaut.

Verbesserung der Schulsituation

Da viele Mütter im Betrieb arbeiteten, musste eine Kinderbetreuung gesichert werden. 1953 öffnete die Kinderstadt „Neues Leben“ mit Kinderkrippe, Kindergarten und einer kleinen Krankenstation. In der Bergstraße wurde der Gemeindekindergarten eingeweiht. Die neue „Zentralschule Süd“ und die Zentralhilfsschule brachten 1953 die notwendige Verbesserung der Schulsituation.

Im Werk zeigte sich ein positiver Entwicklungstrend in Forschung und Produktion. Von 1950 bis 1954 wurde die neue Kunstseidenanlage „Prezenta“ stufenweise in Betrieb genommen. Die hier betriebene halbkontinuierlichen Zentrifugen-(HKZ) Spinnmaschine stellte eine für die damalige Zeit beachtliche Neuerung dar, da sie mehrere Arbeitsgänge ausführte, für die bisher arbeitskräfteintensive Abteilungen betrieben werden mussten. Auch die bereits 1942 begonnenen Entwicklungsarbeiten für die Polyamidfaser Perlon wurden wieder aufgenommen. 1951 wurde eine Versuchsanlage gebaut, und 1954 ging die Perlon-Produktionsanlage in Betrieb. Die Faser trug ab 1959 den Markennamen DEDERON.

Bereits 1951 gab es erste Laborversuche für Polyesterfasern, 1953 begannen die Versuche zur Herstellung von Acrylfasern. Premnitz stand am Beginn für die in den folgenden Jahrzehnten dominierende Chemiefaserproduktion.

Von Jürgen Mai

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