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Ein Kaufhaus voll Kunst

20 Jahre Märkischer Künstlerhof Brieselang Ein Kaufhaus voll Kunst

555 Ausstellungen, Lesungen und Konzerte – die Bilanz des Märkischen Künstlerhofs in Brieselang fällt nach 20 Jahren bunt aus. Das einstige Landwarenkaufhaus haben René Dreßler und Guido von Martens zu einem Ort voll Kunst, Keramik, Erotik und Humor gemacht.

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Erfinden sich immer wieder neu: Renée Dreßler und Guido von Martens .

Quelle: Marlies Schnaibel

Brieselang. Manches passiert auf Zuruf. „Hier wird ’ne Druckerei aufgelöst, da steht ’ne Palette weißes Papier. Wollt Ihr das haben?“ Renée Dreßler und Guido von Martens wollten. Weißes Papier kann man als Künstler schließlich immer gebrauchen. „Wieder in Brieselang stellten wir dann fest, das Papier hat ein Wasserzeichen, es war DDR-Dokumentenpapier.“

Und mit dem Papier kam den beiden eine Idee: Sie druckten zwar nicht Geld, aber so etwas Ähnliches. Sie druckten Optionsscheine für ihren Märkischen Künstlerhof. 25 Euro pro Schein, wer wollte, konnte ihn später gegen Kunst oder Kunstkurs eintauschen.

Die Idee ging auf, es kam genug Geld in die Kasse, um das alte Landwarenkaufhaus am Brieselanger Bahnhof zu renovieren. Das war 2007, als der Märkische Künstlerhof an neuer Stelle durchstartete.

Angefangen hatte das Kunstprojekt von Renée Dreßler und Guido von Martens aber vor 20 Jahren im Brieselanger Blumensteg. Ein Ort für Ausstellungen, Lesungen und Musik sollte es sein und ein Ort, an dem andere Künstler arbeiten können in der Werkstatt der Keramiker. Das mit dem Werkstatt-Vermieten hat nicht so funktioniert, wie gehofft, aber die Sache mit den Ausstellungen, Lesungen und Musik schon. Und das bis heute. Und das, obwohl aus privaten Gründen der kuschlig-verträumte Hof im Blumensteg aufgegeben werden musste.

Am neuen Standort, direkt am Bahnhof im ehemaligen Konsum-Kaufhaus, sollte es weitergehen. Renée Dreßler erinnert sich an die vielen Skeptiker, die sich nicht vorstellen konnten, wie die Atmosphäre des Künstlerhofes in die neue Umgebung gerettet werden konnte. „Manche blieben jahrelang weg, andere kamen neugierig“, sagt sie. Der Märkische Künstlerhof hat auf der neuen Fläche seinen Charme gefunden und ist seinem Profil treu geblieben.

Kunst, Erotik, Essen, Humor, Wein, Romantik, Kitsch, Geselligkeit – all das mischt sich beim Märkischen Künstlerhof . Und das wird Samstagabend gefeiert.

Die Kunst wird für diesen Abend abgehängt. Alle Wände sind mit Plakaten, Flyern und Zeitungsartikeln aus den vergangenen zwei Jahrzehnten beklebt. Da ist Gelegenheit zu Stöbern und zu Staunen über die Vielfalt. 555 Veranstaltungen und 177 mal Galeriefrühstück sind zusammengekommen. Zu den Künstlern, denen der Künstlerhof besonders eng verbunden sind, zählen die Maler Jörg Menge und Hermann Lüddecke aus Falkensee und Thomas Schindler, der inzwischen in Brieselang lebt. Zu den besonders beeindruckenden Ausstellungen zählen auch die, in denen Renée Dreßler Arbeiten ihres Vaters Dieter Dreßler zeigte.

Mögen Künstler Individualisten sein, in Brieselang werden sie zusammengebracht. Sei es in geselliger Runde, sie es in Gruppenausstellungen und Symposien. So war besagtes DDR-Dokumentenpapier Grundlage für die politische Ausstellung „Auf Strich und Tritt“, bei der alle Aussteller auf eben diesem Papier gemalt, gezeichnet, getuscht hatten. Künstler zusammenbringen, das haben die Brieselanger auch immer wieder mit Freunden aus Estland gemacht. „Ein Botschafter in unserer Küche, das hatten wir sonst auch noch nicht“, erzählt Guido von Martens.

Und wie ein Klassentreffen muteten mitunter die Ausstellungen an, in denen sich Keramiker vereinten. Etwa beim großen Treffen von Frauen und Männer, die bei der Keramiklegende Hedwig Bollhagen gelernt hatten. Guido von Martens ist selbst einer von ihnen.

„Wir sind selbst Keramiker, da werden wir an diesem Thema immer wieder festhalten“, blickt Renée Dreßler voraus. In der Reihe „Tonjuwelen“ haben sie nationale und internationale Keramikkünstler vorstellen können. Da kommen Kontakte zustande und manche Dinge passieren eben auf Zuruf. Wie der Anruf aus Philadelphia, als Freunde sagten: In China suchen sie jemanden, der auch mit Porzellan drehen kann, das wäre doch was für Guido. Und so kommt es, dass der märkische Keramiker im nächsten Jahr für drei Monate in China Kurse gibt.

Von Marlies Schnaibel

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