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Ein Kunstwerk der Natur

Brieselang Ein Kunstwerk der Natur

Die Pfeifengraswiese am Nymphensee mit ihrem großen Artenreichtum beherbergt viele gefährdete Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen. Dazu gehört auch der Sumpfengelwurz. Rund 50 Tagfalterarten sind dort zudem nachgewiesen. Der Naturschutzbund kümmert sich seit Längerem um den Erhalt der Wiese und deren Schutz.

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Fred Meister mit einem Exemplar des Weidenblättrigen Alant. Mindestens 20 Rote-Liste-Arten gibt es auf der Pfeifengraswiese.

Quelle: Andreas Kaatz

Brieselang. Wenn Fred Meister durch die Pfeifengraswiese am westlichen Ufer des Brieselanger Nymphensees geht, dann achtet er ganz genau darauf, wo er hintritt. Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Naturschutzbundes (Nabu) kennt sich aus, weiß, wo wertvolle Pflanzen stehen – mit für den Laien so exotischen Namen wie Teufelsabbiß, Natternzunge, Kümmel-Silge oder Weidenblättriger Alant. Und natürlich der Sumpfengelwurz, der vom Aussterben bedroht ist. Das Gebiet am See gehört neben Flächen in Thüringen und der Uckermark zu den ganz wenigen Verbreitungsgebieten dieser Pflanzenart in Deutschland.

„Das Besondere ist der Boden hier“, sagt Meister. Ehemaliger Niedermoorboden mit Kalk. Der lässt die Pfeifengraswiese gut wachsen, wobei die nicht unbedingt selten ist, es gibt sie auch anderswo. Der Clou ist die Begleitflora – also das, was dort gedeiht. Knapp 30 Arten sind für die Wiese charakteristisch. Und umso mehr ärgert es Meister, wenn unachtsame Mitmenschen – ob absichtlich oder aus Unkenntnis – Zerstörungen anrichten.

„Mehrmals habe ich schon Autospuren gesehen. Da sind welche zum See gefahren, auch über seltene Pflanzen hinweg“, so Meister. In einem Fall sprach er die Verursacher an. „Erst waren sie auf 180, hatten dann aber Verständnis gezeigt“, sagt er. „Man kann nicht einfach so in die Wiese fahren, das ist ein geschütztes Biotop. Nicht nur Pflanzen werden zerstört, sondern es wird auch der Boden verdichtet.“

Brieselangs Gemeindevertretung hatte unlängst auf Antrag der Grünen beschlossen, Schilder aufzustellen und damit auf den Naturreichtum der Pfeifengraswiese hinzuweisen. „Ein Hinweis, dass es sich dort um ein Flora-Fauna-Habitat handelt mit seltenen Pflanzen, das wäre schon gut“, so Meister. Ihm wäre es zudem lieb, wenn es weitere Schutzmaßnahmen gäbe. „Man könnte Baumstämme an den Rand des Weges legen oder aber alle paar Meter Poller aufstellen.“

Damit könnte die Natur dort dauerhaft geschützt werden. Dass es sich lohnt, weiß er. „Ich habe es schon erlebt, dass hunderte Schmetterlinge geflogen sind“, sagt er, während sich gerade ein Schachbrettfalter auf einer blauen Blüte nieder lässt. „In der normalen Landschaft ist er rückläufig“, so Meister, der von 50 Tagfalterarten auf der Wiese weiß. Wie wichtig verschiedene Pflanzen für den Erhalt von Arten sind, erläutert er am Beispiel des Abbiß-Scheckenfalters. „Der war in Brandenburg im vorigen Jahrhundert schon mal ausgestorben, weil es wegen der Intensivierung der Landwirtschaft die Futterpflanze für die Raupen nicht mehr gab.“ Mittlerweile sei er in Ostbrandenburg neu angesiedelt worden.

Wie Meister sagt, müsse man bei der Mahd auf der Wiese genau hinschauen. Teilbereiche mäht die Gemeinde zweimal im Jahr in Abstimmung mit dem Nabu. Besonders sensible Fläche innerhalb der Wiese nehmen sich die Nabu-Leute mit ihren speziellen Kenntnissen von Arten persönlich vor – auch um den Sumpfengelwurz zu bewahren.

30 blühende Exemplare davon waren unlängst gezählt worden, wobei der Sumpfengelwurz – wie auch andere Pflanzen dort – auf wechselfeuchte Böden angewiesen ist. Diesbezüglich macht Meister die Fläche am See aber Sorgen. Denn wie er beobachtet hat, sei das Grundwasser im dem Bereich in den vergangenen Jahren stark abgefallen. Warum ist unklar. Wenigstens im Frühjahr sollte seiner Ansicht nach ein hoher Grundwasserstand vorherrschen.

Unabhängig davon hofft er, dass die Menschen das Naturrefugium achten. „Es wäre schade, wenn Arten verschwinden. Die Wiese ist für mich wie ein Kunstwerk.“

Von Andreas Kaatz

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