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Ein Landkreis mit zwei Gesichtern

Havelland Ein Landkreis mit zwei Gesichtern

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke war am Freitag zu Besuch in der MAZ-Lokalredaktion. Es wurde ein Gespräch über Lücken im Radwegenetz, Ängste vor der Gebietsreform und die Schönheit des Havellandes.

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Zählen und erzählen: Dietmar Woidke kam gestern zum Gespräch in die Lokalredaktion der MAZ in Falkensee.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Wann immer Ministerpräsident Dietmar Woidke zu einem Redaktionsbesuch kommt, eine Frage nach Radwegen ist ihm sicher. Das war auch am Freitagnachmittag nicht anders, als der SPD-Politiker in Falkensee die Kollegen der MAZ-Lokalredaktion besuchte.

Fehlender Radweg bei Seeburg

Konkret ging es hier um 700 Meter fehlenden Radweges an der Landesstraße 20 am ansonsten von Potsdam bis hinter Schönwalde ausgebauten Radweg; nördlich von Seeburg fehlt ein kleines Stück bis zur B 5 – zwar gibt es eine Möglichkeit des gefahrlosens Fahrens, aber den Umweg über den Havelpark mag da kaum einer nehmen. „Wir brauchen weitere Radwege“, sagte Dietmar Woidke, nicht nur weil der ehemalige Präsident des Brandenburgischen Radsport-Verbands selbst gern Rad fährt. Radwege seien aus touristischer und ökologischer Sicht ein großes Plus, da ist in den vergangenen Jahrzehnten in Brandenburg, auch speziell im Havelland, viel passiert. Und dann kam das große Aber zu den fehlenden 700 Metern bei Seeburg: Woidke verwies auf sein Fachministerium, und das Verkehrsministerium setzt andere prioritäre Maßnahmen als diesen Weg. Doch ganz ohne Hoffnung wollte Dietmar Woidke die Havelländer in der Frage nicht zurücklassen. Er verwies auf die am Montag auf den Weg gebrachte Verwaltungsstrukturreform. „Wir wollen Mittel für die ländliche Entwicklung mehr nach unten, also an die Kreise geben“, sagte er. Mehr Geld für regionale Projekte, die der Landkreis nach eigenen Konzepten gezielt einsetzen kann, etwa die Förderung des Radwegebaus.

Verkehrskollaps bei Elstal befürchtet

Es waren vor allem Verkehrsprobleme, die die MAZ-Leser bewegen. Die Redaktion gab die Fragen an den Ministerpräsidenten weiter. Viele wollten zu einem aktuellen Projekt in Elstal vom Ministerpräsidenten wissen, ob sich das Land an einer Lösung des Konfliktes um das künftige Erdbeerland beteiligt. Die Idee, das Areal der ehemaligen Kasernen zu einem Freizeit- und Erholungspark umzubauen, findet viel Zustimmung, aber löst auch Befürchtungen wegen eines Verkehrskollaps’ auf der B 5 aus. „Die Kommune muss ein eigenes Verkehrskonzept erarbeiten“, sagte Dietmar Woidke, „dann ist das Land selbstverständlich gesprächsbereit, auch wir wollen da kein Verkehrschaos.“

Fragen zum Ausbau des Havelkanals

Die MAZ-Leser hatten nicht nur zum Straßen- und Radverkehr, sondern zu allen Verkehrsarten Fragen. Wie steht Woidke zum Flughafen Tegel? Wie erst vor Kurzem bekräftigt, schließt er eine „Lebensverlängerung für Tegel“ aus. Wann kommt der angekündigte Ausbau des Havelkanals, damit der Wustermarker Hafen besser genutzt werden kann? „Binnenschifffahrt ist eine ökologische Variante des Güterverkehrs“, argumentierte Dietmar Woidke, deshalb setze er sich weiter für den Ausbau ein. „Wir machen Druck“, versprach er, damit der Bund nicht nur Projekte im Westen umsetzt. Wie reagiert das Land auf die Anforderungen der Pendler? „Wir haben ein großes Interesse, den Nahverkehr deutlich zu verbessern“, sagte der Regierungschef dazu mit Blick auf den Schienenverkehr. „Das betrifft das Berliner Umland, aber die Fläche darf nicht vergessen werden.“ So nannte er als Ziel bis 2020, in Nauen vier Mal die Stunde eine Zugverbindung anbieten zu können. „Verbesserter Nahverkehr wird wirtschaftliche Impulse setzen“, ist er überzeugt. Dabei sieht er aber das Flächenland Brandenburg in Gänze, nicht nur das Umland von Berlin.

Als ein besonderes Vorhaben nannte er den Bahntechnologie Campus Wustermark-Elstal. „Ich bin froh, dass der Landkreis dort die Verantwortung übernimmt und das Vorhaben so voranbringt“, sagte Woidke zu dem Großprojekt im Havelland.

Nauen wieder Kreisstadt?

Wenn nicht Verkehr, dann interessierten sich Leser für die Kreisgebietsreform. Kann Nauen wieder Kreisstadt werden? Das wird wohl eher nicht passieren, meinte Dietmar Woidke zu der Debatte, aber er versicherte, dass die Landesregierung sich vorgenommen hat, weiterhin Verwaltung bürgernah in der Fläche zu behalten und sich nicht zurückzuziehen. Er verfolge die Diskussionen genau, etwa das Aufrechnen von Stellen zwischen Rathenow und Brandenburg/Havel. Manche Argumente erinnerten ihn an die Debatten, die vor 25 Jahren bei der damaligen Gebietsreform geführt worden waren.

Was ist das Havelland für den Regierungschef, wie nimmt er es wahr?, wollte die MAZ von Dietmar Woidke wissen. Das Havelland ist weder Sorgenkind noch Musterknabe. „Der Landkreis spiegelt zwei Entwicklungen im Land wider, hat zwei Gesichter“, sagte er, „es gibt das prosperierende Berlin-Umland mit Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum und es gibt die Fläche mit schöner Landschaft und Natur.“ Für ihn hat das Havelland nicht nur eine wunderbare Landschaft, sondern auch eine große Geschichte. „All das macht den Landkreis attraktiv und liebenswert.“

Von Marlies Schnaibel

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