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„Ein Landstrich, der sehr viel zurückgibt“

Sängerin Nina Omilian ist Buga-Botschafterin „Ein Landstrich, der sehr viel zurückgibt“

Nina Omilian ist Sängerin, Schauspielerin und Bühnenautorin und lebt seit einigen Jahren auf einem Bauernhof bei Nennhausen zusammen mit anderen Künstlern, einigen Pferden – und zwei Eseln. Im MAZ-Gespräch erzählt Omilian über ihre Liebe zur märkischen Natur und den beiden Langohren, die weder dumm noch stur sind.

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Landleben auf dem Hof bei Nennhausen: Sängerin und Buga-Botschafterin Nina Omilian und die beiden Esel Henry und Pippi.

Quelle: MIK

MAZ: Frau Omilian, im Hintergrund hört man während unseres Interviews regelmäßig laute Eselsschreie. Wie wurden Sie zur Eselhalterin?
Nina Omilian: Eigentlich wohnen bei mir Pferde, die ich aber wegen einer Rückenverletzung einmal für ein paar Monate nicht selbst bewegen konnte. Deshalb habe ich sie damals während des Winters auf einem Pferdehof von Freunden in der Nähe untergebracht. Komischerweise hat mir das Ausmisten wahnsinnig gefehlt. Deshalb bin ich hinübergegangen, um zu helfen. Als ich meiner Bekannten erzählte, dass mir die Stallarbeit fehlt, hat sie nur den Kopf geschüttelt und gesagt: „Dann nimm doch unsere beiden Esel mit, um die kannst du dich kümmern.“

Und wie ist es so?
Omilian: Laut. Sehr laut. Wenn Esel schreien, klingt das wie ein alter rostiger Zug bei der Einfahrt. Sie schreien, wenn sie sich ärgern, wenn sie sich freuen, wenn sie unterfordert sind...

Unterfordert?
Omilian: Ja, es sind ja richtig kluge Tiere. Sie können zum Beispiel überall ausbrechen mit den interessantesten Tricks.

Aber sie sind auch als sehr hartnäckig bekannt. Im Klartext: sture Dickköpfe. Haben Sie auch diese leidvolle Erfahrung gemacht?
Omilian: Esel nehmen sich die Zeit, um Dinge zu begreifen und zu verarbeiten, die ihnen unbekannt sind. Treffen sie zum Beispiel auf eine Pfütze, dann waten sie nicht einfach durch, sondern machen sich erst einmal mit dem Hindernis vertraut.

Sie sprechen sehr liebevoll von Ihren langohrigen Bauernhof-Mitbewohnern. Sind Sie seit jeher ein „Landkind“ oder ursprünglich eine „Großstadtpflanze“?
Omilian: Ich lebe seit 2010 in Nennhausen; davor unter anderem in Berlin, Wiesbaden, Oldenburg und Brüssel, wo ich aufgewachsen bin. Als ich vor ein paar Jahren nach Nennhausen zog, sagten meine Freunde in Berlin: „Länger als ein halbes Jahr hältst du es nicht aus!“ Aber es kam ganz anders. Jetzt fahre ich zwar gern nach Berlin rein, um Kollegen zu treffen oder – gezielt – kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Wenn ich dann wieder auf der B5 ins Havelland fahre, merke ich jedes Mal, wie sehr ich mich aufs Nachhausekommen freue.

Meilenstein im Singer-Songwriter-Genre

Nina Omilian wurde 1975 in Stuttgart geboren. Sie ist Sängerin, Schauspielerin und Bühnenautorin.
Omilian hat klassischen Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, am Mozar-teum in Salzburg und an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf studiert und 2003 dort ihr Studium abgeschlossen. Noch vor ihrem Diplom wurde sie 2001 als Solistin an das Niedersächsische Staatstheater in Oldenburg. Seit 2004 ist sie freischaffend und hat u.a. ein Theaterstück über Clara Schumann geschrieben.
2014 wurde ihr erstes Album „Nina Omilian (pure)“ mit Titeln der neuen „Wahlverwandten“ und einem ersten eigenen Text (Komposition Ian Melrose) veröffentlicht. Die Kritiken sprachen von einem „Meilenstein im Singer-Songwriter-Genre“.

Sie sind ja auch zur Kulturbotschafterin für die Buga ernannt worden. Was macht man da genau?
Omilian: Die Idee war, dass Menschen, die in der Region kulturell wirken, bei ihren Auftritten auf die Buga hinweisen und von ihrem Umfeld erzählen. Wir stehen für ein Lebensgefühl, das wir zu vermitteln versuchen. Ich hatte zum Beispiel das Glück, dass viele Songs auf meiner CD Wasser zum Inhalt haben. Deshalb ist es nahe liegend, dass ich davon erzähle, wie schön und wasserreich die Gegend hier ist. Außerdem ist es ein Landstrich, der sehr wenig fordert, aber so viel zurückgibt.

Wie meinen Sie das?
Omilian: Wenn man in einer ganz spektakulären Landschaft lebt, dann empfindet man einen Druck, dieser immensen Schönheit auch gerecht werden zu müssen. Würde ich in den Bergen leben, hätte ich ständig das Gefühl, dass ich mir die Markenbergsteigerschuhe anziehen muss.

Sie sind ja ausgebildete klassische Sängerin. Im Laufe dieser Jahre sind Sie aber immer häufiger aus dem klassischen Genre ausgebrochen und machen jetzt auch Rock, Chanson bis hin zum Volkslied. Wie kam es dazu?
Omilian: Mit einer soliden klassischen Ausbildung standen mir musikalisch viele Wege offen. Es zog mich zunächst in keine Richtung und ich trieb so vor mich hin, von Konzert zu Konzert. Nachdem ich mich dann von meiner klassischen Stimmgebung verabschieden konnte, war ich wie Alice im Wunderland. Welchen Weg ich wählen würde, hing plötzlich allein davon ab, wo ich hin wollte. Direkt nach der Aufnahme des Songs „Jesse“, beim Abhören des Demos wusste ich es: Genau das will ich. Janis Ian, Kate Bush, Joni Mitchell, Randy Newman, Joan Baez – alles neue Wahlverwandte.

Als Buga-Botschafterin sind Sie sicher auch eine große Blumenliebhaberin. Oder halten Sie es als Eselhalterin eher mit der genügsamen Eselsdistel?
Omilian: Meine beiden Esel sind ganz verrückt nach Disteln. Wenn die blühen, dann fressen sie nur die Blüten. So ganz vorsichtig mit ganz spitzen Lippen knabbern sie die Blüten ab, das ist ein wunderbarer Anblick. Zum Thema Blumen: Mir kommt keine Pflanze in den Garten, die nicht etwas zurückgibt.

Wie meinen Sie das?
Omilian: Es muss etwas geerntet werden. Bei mir kommen nicht die Harten in den Garten, sondern die Fleißigen. Ich ernte Salat, Erdbeeren, Gemüse. Ich „grase“ mich einmal durch den Garten – schließlich bin ich Vegetarierin.

Interview: Ildiko Röd

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