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Havelland Ein Mosaikstein im Literaturbetrieb
Lokales Havelland Ein Mosaikstein im Literaturbetrieb
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12:35 10.04.2017
Rita König auf der Leipziger Buchmesse mit ihrem aktuellen Buch am Stand ihres Verlages. Quelle: privat
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Rathenow

Als interessierte Besucherin war Rita König schon häufiger auf der Leipziger Buchmesse. Aber jetzt hat die Rathenowerin die Seiten gewechselt. Zwar schaut sich die leidenschaftliche Leserin immer noch neugierig in diesem Reich der Bücher um. Aber nun zählt sie selbst zu den Literaten, für die in Leipzig Werbung gemacht wird. Am Stand des „Kleinen Buchverlags“, in dem Rita Königs erster Roman „Rot ist schön“ erschienen ist, musste – nein durfte – sie jüngst also den Pflichten einer Schriftstellerin nachkommen: Präsent sein, den Lesern Rede und Antwort stehen, Bücher signieren. Und auch beim legendären Begleitprogramm der Messe „Leipzig liest“, bei dem Autoren in der gesamten Stadt ihre Bücher vorstellen, war Rita König mit von der Partie. Gemeinsam mit drei Kollegen aus ihrem Verlag bestritt sie eine abendfüllende Lesung.

Die Tatsache, dass sie bei einem „richtigen“ Verlag untergekommen ist, bedeutet noch lange nicht, dass Rita König von ihrer Arbeit leben kann. Von 100 000er Auflagen, wie sie etwa die in Barnewitz lebende Schriftstellerin Juli Zeh erzielt, kann Rita König nur träumen. 1500 Exemplare ihres Romans wurden gedruckt. Was für einen Erstling schon eine beachtliche Zahl ist.

Auch wenn bei einer solchen Auflage die Erlöse naturgemäß nicht sprudeln, hat das Dasein als Verlagsautorin Vorteile, die mit Geld nicht zu beziffern sind. Das fängt bei der Ausstattung des Buches an. „Rot ist schön“ ist eben keine im Selbstverlag zusammenkopierte Kladde, sondern ein sorgfältig redigiertes, ästhetisch ansprechendes Buch. Und wie es bei einem seriösen Verlag üblich ist, kümmert sich vor dem Erscheinen ein Lektor intensiv um den Text und die Autorin. Bei „Rot ist schön“ habe dieser Prozess mehrere Wochen lang gedauert, erinnert sich Rita König. Die Arbeit des Lektors beschränke sich nicht darauf, Grammatik- und Rechtschreibfehler auszumerzen. Er gebe auch Hinweis inhaltlicher Art. Wenn eine Figur zu blass erscheint, wenn die Handlungsentwicklung nicht plausibel ist, wenn Szenen zu langatmig erzählt sind, mahnt ein guter Lektor das an. „Das ist keine Gängelung“, sagt Rita König. Im Gegenteil. Es sei sehr hilfreich, wenn ein Profi den Text auf Schwächen untersuche.

Dieser intensive Lektoratsprozess, der im Falle von Rita König aus unzähligen Mails und Telefonaten besteht, weil ihr Verlag im fernen Karlsruhe sitzt, steht der Rathenowerin wieder bevor. Im Herbst soll ihr zweiter Roman erscheinen, die Feinabstimmung beginnt im Mai und wird sich wohl bis Anfang August hinziehen. Allzu viel verraten will Rita König über den Inhalt noch nicht. Sicher ist: Die Geschichte spielt zur Wendezeit, es geht um eine Liebe, die unter Druck gerät, und um die Frage, wie man ein selbstbestimmtes Leben führt. Ach ja, der Titel steht auch schon: „Fast schon ein ganzes Leben“ lautet der. Hört sich vielversprechend an.

Von Markus Kniebeler

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