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Ein Ort der Ruhe und inneren Einkehr

Kleßen Ein Ort der Ruhe und inneren Einkehr

Auf Schloss Kleßen kann man heiraten, man kann Musik hören, man kann den Garten genießen und die Seele baumeln lassen. Sabine Thiedig hat aus dem Gebäude ein Kleinod gemacht.

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Schloss Kleßen ist heute ein Kleinod.

Quelle: Astrid Wiebe

Klessen. Es sind diese zwei imposanten Bäume, die dem Besucher von Schloss Kleßen als Erstes auffallen, wenn er vor der Nordseite der ockergelben Dreiflügelanlage steht. Die Linde soll zwischen 1723 und 1730 gepflanzt worden sein, die Eiche in den 1850er Jahren. Seit Jahrhunderten schon lebte die einflussreiche Familie von Bredow auf dem riesigen Anwesen und ließ 1723 das heutige Schloss errichten. Stallungen, Wasserturm, Orangerie, das im Barockstil erbaute Schloss, die Parkanlagen, die bis zum Kleßener See reichten und riesige Waldgebiete gehörten bis Anfang der 1930er Jahre zum Eigentum der Familie von Bredow.

Ortschronist hat alles notiert

„Mein Vater hat mir einmal erzählt, dass der Untergang des Schlosses mit „Jochen“ losging. Er war ein Lebemann und kein Kind von Traurigkeit. Als Sohn erbte er das Schloss seiner verstorbenen Eltern und brachte das Geld in Berlin unter die Leute“, erzählt Gerhard Garz, der 1938 in Kleßen geboren wurde und noch heute in dem kleinen Ort lebt. Als Ortschronist hat er sich sehr intensiv mit der Geschichte von Schloss Kleßen beschäftigt.

Blick ins Innere

Blick ins Innere.

Quelle: Astrid Wiebe

Als „Jochen“ Joachim von Bredow Konkurs anmelden musste, war er gezwungen, das komplette Gutsanwesen Anfang der 1930er Jahre inklusive der Ländereien an seine Gläubiger zu übertragen. Der neue Eigentümer und Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt, der sehr vermögend war, setzte das heruntergewirtschaftete Schloss wieder in Stand. Er musste jedoch bald schon Kleßen verlassen und floh mit seiner Frau in die Schweiz. Der Vorwurf lautete, dass er in den Röhmputsch 1934 verwickelt sei. Deshalb trachteten Adolf Hitler und seine SS Vasallen dem Schlosseigentümer nach dem Leben. „Damit begann für das Schloss eine unbeständige Zeit mit stets wechselnden Nutzungen. Zeitweise diente das Haus sogar einem General der Wehrmacht als Stabsquartier“, beschreibt Gerhard Garz die Zeit im 2. Weltkrieg.

Flüchtlinge im Schloss

Aus der Not wurden dann nach Kriegsende 17 Flüchtlingsfamilien im Schloss auf engstem Raum untergebracht. „Wenn man sich vorstellt, dass in Kleßen zu dieser Zeit nur rund 280 Einwohner lebten und plötzlich die Anzahl auf 650 Bewohner anstieg.

Der Schlossgarten lädt zum entspannten Verweilen ein

Der Schlossgarten lädt zum entspannten Verweilen ein.

Quelle: Astrid Wiebe

Mit Handwagen und ein paar Habseligkeiten kamen die Flüchtlingsfamilien, meist nur die Frauen mit ihren Kindern in unser Dorf.“ Das Schloss war nicht nur lange Jahre Unterkunft, sondern wurde als Schule, Kindergarten und der Gartensaal zeitweise sogar als Sporthalle genutzt. Später zog das Gemeindebüro für einige Jahre ins Herrenhaus und alle 14 Tage bot das Dorfkino im Schloss für 50 bis 60 Zuschauer die Defa-Wochenschau und Filme zur Unterhaltung an. Nachdem das Fernsehen mit seiner Aktualität dem Kino den Rang abgelaufen hatte, schloss das Filmtheater. Als letzte Nutzung folgte in den 1970er Jahren, während des Umbaus des Konsum im Dorf, die Eröffnung einer Ausweich-Verkaufsstelle im Westteil des Schlosses. Danach stand das Herrenhaus leer und war fortan dem Verfall preisgegeben.

Entdeckung im Havelland

Bis 1993 Sabine und Hans-Jürgen Thiedig auf einer ihrer Reisen durch das Havelland das einmalige Ensemble entdeckten. „Es war Liebe auf den ersten Blick, obwohl wir nur noch Überreste einer vergangenen kulturhistorisch wertvollen Epoche vorfanden“, erzählt Sabine Thiedig, die den Werdegang der nachfolgenden Herkulesarbeit, die sechs Jahre gedauert hat, ausführlich mit Fotos und Zeichnungen dokumentiert hat. Architekten, Kunsthistoriker und Handwerker wurden engagiert und rekonstruierten das Barockschloss, die Orangerie und die Stallungen bedachtsam und mit feinstem Gespür. Dabei wurden fast ausschließlich historische Baustoffe verwendet, die den Charakter des jahrhundertealten Anwesens bewahrten.

Gute Gespräche mit der Denkmalpflege

Dachpfannen von Kirchen aus der Mark, Türen aus klassizistischen Abrisshäusern oder roter Marmor aus dem Bildersaal in Sanssouci, der in der Eingangshalle verlegt wurde. „Wenn wir uns unsicher waren, was sich die Bredows beim Bau des Herrenhauses einmal gedacht haben, suchten wir Rat bei der Denkmalpflege und führten fruchtbare Gespräche, die uns halfen, den Urcharakter des Hauses wieder herzustellen“, beschreibt Sabine Thiedig die gute Zusammenarbeit mit den Behörden.

Am Anfang war Argwohn

Dagegen reagierten viele Kleßener auf den Verkauf und die Restaurierung mit Argwohn. „Wir luden zum Richtfest, zum „Tag der offenen Baustelle“ und nach der Eröffnung im Jahr 1999 zu einem großen Fest ein. Doch all unsere gut gemeinten Aktivitäten haben leider nicht gefruchtet. Bis heute stehen uns zahlreiche Dörfler ablehnend gegenüber.“ Das stößt bei dem 79-jährigen Gerhard Garz auf völliges Unverständnis.

Gerhard Garz in der Dorfkirche

Gerhard Garz in der Dorfkirche.

Quelle: Astrid Wiebe

„Das Schloss wäre eine Ruine. Wer hätte es denn retten sollen. Das konnte doch nur jemand machen, der auch das nötige Geld hat und sich mit einem solchen Wiederaufbau auskennt“, sagt er kopfschüttelnd.

Beliebter Veranstaltungsort

Heute ist das Schloss Kleßen ein beliebter Veranstaltungsort für Hochzeiten. Verliebte Paare können sich standesamtlich das Ja-Wort geben und mit bis zu 100 Gästen in den stilvollen Räumlichkeiten feiern. „Besonders beliebt ist bei uns die Trauung im Freien. Dafür bietet sich der Garten mit seinen zahlreichen romantischen Ecken besonders gut an“, schwärmt Sabine Thiedig, die sich leidenschaftlich gern um den Blumenschmuck für den wohl schönsten Tag des Lebens kümmert. Die Blumen pflückt die 67-jährige im dem zwei Hektar großen Schlossgarten und bindet opulente und liebevoll arrangierte Sträuße. Gerne angenommen werden auch die geschmackvoll eingerichteten Ferienwohnungen, die sich in den umgebauten Stallungen auf dem Gutsgelände befinden und den Gästen eine entspannte Zeit in malerischer Kulisse versprechen.

Sabine Thiedig im Schlossgarten

Sabine Thiedig im Schlossgarten

Quelle: Astrid Wiebe

Einfach mal die Seele baumeln lassen und den liebevoll angelegten Schlossgarten in vollen Zügen auf sich wirken lassen. Das können auch Tagestouristen Samstags und Sonntags bis in den Oktober hinein. Das Café in der Orangerie hat eine traumhaft schöne Terrasse und bietet selbstgebackenen Kuchen. „Wenn wir in Schloss Kleßen eine Veranstaltung haben, ist das Café allerdings geschlossen. Das können die Besucher aber dann auf unserer Homepage nachlesen.“

Von Astrid Wiebe

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